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Wirtschaft | Do, 17.06.2010 11:06

1. Quartal 2010: Stellenabbau in Baden-Württemberg verliert an Tempo

Im 1. Quartal 2010 gab es in Baden-Württemberg insgesamt 5,52 Millionen Arbeitsplätze, 37.000 oder 0,7 Prozent weniger als im vergleichbaren Vorjahresquartal. Wie das Statistische Landesamt nach Auswertung der aktuellsten Daten des Arbeitskreises »Erwerbstätigenrechnung des Bundes und der Länder« mitteilt, setzte sich der seit drei Quartalen zu beobachtende Stellenabbau im 1. Quartal 2010 fort.


Das Tempo des Personalrückgangs hat sich jedoch erstmals verringert. Im Schlussquartal 2009 hatte der Stellenabbau gegenüber dem Vorjahresquartal noch fast 61.000 betragen (– 1,1 Prozent). Baden-Württemberg war im 1. Quartal 2010 nach Bremen (– 1,0 Prozent) sowie dem Saarland und Mecklenburg-Vorpommern (jeweils – 0,8 Prozent) bundesweit das Land mit dem viertstärksten Arbeitsplatzabbau. Im Durchschnitt aller Bundesländer ging die Zahl der Erwerbstätigen gegenüber dem Vorjahresquartal um 107.000 oder 0,3 Prozent auf 39,8 Millionen zurück. Gegenüber dem Vorquartal sank die Zahl der Erwerbstätigen im Südwesten um 71.000, ein Rückgang ist allerdings saisonal üblich und fiel aktuell weniger stark aus als zu Beginn des Jahres 2009 (– 95.000 Erwerbstätige).

In den meisten Wirtschaftsbereichen gab es leichte Anzeichen einer konjunkturellen Erholung. Insbesondere die Industrie profitierte im Zuge der Erholung der Weltkonjunktur allmählich von der verbesserten Auftragslage vornehmlich aus dem Ausland. Die Industrie war mit einem Abbau von 57.000 Arbeitsplätzen gegenüber dem Vorjahr zwar aktuell mit Abstand noch am stärksten vom Stellenabbau betroffen (– 3,2 Prozent), die Bauindustrie meldete jedoch erstmals seit zweieinhalb Jahren wieder ein leichtes Plus von fast 3.000 Arbeitsplätzen (+ 1,0 Prozent), und im Verarbeitenden Gewerbe hat sich der Rückgang der Erwerbstätigenzahl auf 61.000 verringert (– 4,1 Prozent). Im Schlussquartal 2009 hatte dieser im Vergleich zum Vorjahr noch 71.000 betragen (– 4,7 Prozent).

Im Dienstleistungssektor entstanden im 1. Quartal 2010 gegenüber dem Vorjahresquartal per Saldo fast 20.000 neue Arbeitsplätze, die den Stellenabbau in der Industrie aber lediglich zu einem Drittel ausgleichen konnten. Insbesondere die öffentlichen und privaten Dienstleister erhöhten ihren Personalbestand um 29.000, was vor allem dem Gesundheitswesen zu verdanken war. Bei den Unternehmensdienstleistern verringerte sich der Stellenabbau gegenüber dem Vorjahr von 22.000 im Schlussquartal 2009 auf rund 3.000 im 1. Quartal 2010. Ausschlaggebend hierfür war die Zeitarbeitsbranche, die frühzeitig ein positives Signal auf dem Arbeitsmarkt setzte und im März 2010 erstmals seit zwei Jahren wieder mehr Personen beschäftigte als ein Jahr zuvor. Die dort beschäftigten Leiharbeitnehmer werden zwar dem Dienstleistungsbereich zugeordnet, arbeiten aber häufig im Produzierenden Gewerbe, das von der konjunkturellen Erholung der jüngsten Zeit in besonderem Maße profitieren konnte. Nach neuesten Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im März 2010 bei den Zeitarbeitsfirmen im Land mehr als 65.000 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 12.000 oder 22 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Auch auf dem Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg gab es Erholungstendenzen, die jedoch vor allem arbeitsmarktpolitisch bedingt waren. Im Mai 2010 waren im Land mit 275.000 Arbeitslosen erstmals 11.000 oder 4 Prozent weniger Menschen arbeitslos gemeldet als im Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote lag mit 4,9 Prozent zum ersten Mal seit Februar 2009 wieder unter der Fünf-Prozent-Marke. Die Zahl der unterbeschäftigten Personen (ohne Kurzarbeit), die neben den Arbeitslosen auch Personen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen wie der beruflichen Wiedereingliederung, der beruflichen Weiterbildung, Arbeitsgelegenheiten sowie Gründungszuschüsse einbezieht, lag dagegen im Mai 2010 mit 381.000 um 1,3 Prozent höher als ein Jahr zuvor.

Dauer und Stärke der konjunkturellen Impulse dürften derzeit noch nicht ausreichen, den Arbeitsmarkt nachhaltig zu beleben. Die bundesweit aufgelegten Programme zur Stützung der Konjunktur wie die Inanspruchnahme der Kurzarbeit haben Arbeitsplätze erhalten und einen stärkeren Arbeitsplatzabbau verhindert. Eine Ausweitung des Stammpersonals dürfte erst zu erwarten sein, wenn die vorhandenen Beschäftigungskapazitäten voll ausgelastet sind und sich der Konjunkturaufschwung hinreichend gefestigt hat. Die Entwicklung der Kurzarbeit deutet bereits auf eine verbesserte Auslastung des vorhandenen Personals hin. Im März fiel die Zahl der Kurzarbeiter erstmals wieder unter ihren Vorjahreswert. Es arbeiteten jedoch immer noch 144.000 Personen in rund 9.300 Betrieben im Südwesten aus konjunkturellen Gründen kurz.

(Redaktion/Stat. LA)