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Wirtschaft | Do, 14.05.2009 11:02

2008: Verdienste in Deutschland und Arbeitskosten im EU-Vergleich

Wiesbaden (ots) - Nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) verdienten vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland im Produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich im Jahr 2008 durchschnittlich 41 509 Euro brutto. Das waren 2,8% mehr als 2007. In den neuen Ländern stiegen die Verdienste mit 3,0% auf 30 151 Euro geringfügig stärker als im früheren Bundesgebiet (2,8% auf 43 310 Euro). Damit erreichten Arbeitnehmer in Ostdeutschland 70% des Verdienstniveaus in Westdeutschland.


Diese und weitere Informationen zu Verdiensten und Arbeitskosten im Jahr 2008 hat Roderich Egeler, Präsident des Statistischen Bundesamtes, in Berlin auf einer Pressekonferenz vorgestellt.

Die Verdienste sind 2008 insgesamt um 0,2 Prozentpunkte stärker gestiegen als die Verbraucherpreise (+ 2,6%). Allerdings haben nicht alle Arbeitnehmergruppen gleichermaßen davon profitiert. Im Verarbeitenden Gewerbe (+ 2,3%), im Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen (+ 2,4%) sowie besonders im Gastgewerbe (+ 1,7%) gab es reale Verluste. In den anderen Wirtschaftszweigen lag die Verdienstentwicklung über der Preisentwicklung. Die höchsten Verdienstzuwächse gab es 2008 im Kredit- und Versicherungsgewerbe mit 4,6% sowie im Bergbau mit 4,4%.

Präsident Roderich Egeler verwies darauf, dass 2008 die Arbeitskosten nur moderat zunahmen. Gemessen in der jeweiligen Landeswährung hatte Deutschland in der Privatwirtschaft mit + 2,5% im Vergleich zum Vorjahr hinter Malta (+ 1,8%) das geringste Wachstum der Arbeitskosten aller Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Damit setzte Deutschland auch im Jahr 2008 den Trend fort, seit 2001 stets zu den EU-Staaten mit den geringsten Wachstumsraten der Arbeitskosten zu zählen. Frankreich (+ 2,6%), Italien (+ 4,4%) sowie Spanien (+ 5,0%) hatten 2008 höhere Anstiege, Lettland (+ 22,9%) EU-weit den größten. Im Vereinigten Königreich und in Schweden führten teils massive Abwertungen der heimischen Währungen gegenüber dem Euro zu sinkenden Arbeitskosten auf Euro-Basis.

Arbeitgeber bezahlten im Jahr 2008 in der deutschen Privatwirtschaft durchschnittlich 29,80 Euro für eine geleistete Arbeitsstunde. Im europäischen Vergleich lag das Arbeitskostenniveau in Deutschland damit nach Dänemark, Luxemburg, Belgien, Schweden, Frankreich und den Niederlanden gemeinsam mit Österreich auf Rang sieben. Dänemark wies mit 36,50 Euro die höchsten, Bulgarien mit 2,50 Euro die niedrigsten Arbeitskosten je geleistete Stunde auf.

Im Verarbeitenden Gewerbe, das besonders im internationalen Wettbewerb steht, kostete eine Arbeitsstunde in Deutschland im Jahr 2008 durchschnittlich 33,90 Euro. Damit lag Deutschland hinter Belgien, Dänemark und Schweden auf Rang vier in der Europäischen Union.

Ferner ging Präsident Egeler auf die Lohnnebenkosten als einem bedeutenden Bestandteil der Arbeitskosten ein. Auf 100 Euro Bruttoverdienst zahlten die Arbeitgeber im Jahr 2008 in Deutschland 32 Euro Lohnnebenkosten. Damit lag Deutschland unter dem europäischen Durchschnitt von 36 Euro und nahm mit Rang 15 innerhalb der Europäischen Union einen Mittelplatz ein. In Frankreich und Schweden entfielen auf 100 Euro Lohn zusätzlich 50 Euro beziehungsweise 48 Euro Lohnnebenkosten, in Malta waren es nur neun Euro.

Hauptbestandteil der Lohnnebenkosten sind die Sozialbeiträge der Arbeitgeber, also vor allem die gesetzlichen Arbeitgeberbeiträge zu den Sozialversicherungen sowie die Aufwendungen für die betriebliche Altersversorgung. Die Betrachtung des Verhältnisses der Lohnnebenkosten zu den Bruttolöhnen und -gehältern erlaubt einen Vergleich der Lohnnebenkosten unabhängig vom Lohnniveau der einzelnen Mitgliedstaaten. Die hier dargestellten Lohnnebenkosten dürfen nicht mit Lohnzusatzkosten verwechselt werden. Die Lohnzusatzkosten umfassen sowohl die Beiträge der Arbeitgeber zur gesetzlichen Sozialversicherung als auch die der Arbeitnehmer.