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Wirtschaft | Mo, 08.09.2008 11:48

41.600 Jugendliche beginnen in Baden-Württemberg mit der Ausbildung

Ausbildungsbonus als Chance für Altbewerber


Fast 41.600 junge Menschen in Baden-Württemberg starten zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres mit einer Lehre in einem IHK-Beruf. Das sind 7 Prozent mehr als im Vorjahr. „Die Betriebe in Baden-Württemberg haben ihre Ausbildungsbereitschaft nochmals gesteigert“, erklärt Dr. Günter Baumann, Präsident der IHK Region Stuttgart und Federführer Ausbildung der baden-württembergischen IHKs. Demnach wurden seit Jahresbeginn etwa 3.400 Unternehmen erstmals oder erneut für die Ausbildung gewonnen. Mehr als 8.800 neue Lehrstellen wurden von den Betrieben geschaffen. Laut Baumann stellten die Unternehmen für das Ausbildungsjahr 2008 außerdem mehr als 4.760 Praktikumsplätze zur Einstiegsqualifizierung (EQ) bereit, die ab Ende September in Nachvermittlungsaktionen angeboten werden. Die IHKs seien optimistisch, das Ausbildungsjahr mit positiver Bilanz abschließen zu können.

„Obwohl die Betriebe in ihrem Engagement für Ausbildung nicht nachlassen, werden auch dieses Jahr Lehrstellen unbesetzt bleiben“, bedauert Baumann. Ein Grund dafür sei die mangelnde Ausbildungsreife der Schulabgänger, die grundlegendes Basiswissen wie Rechnen, Schreiben und Lesen nicht ausreichend beherrschten. Viele Jugendliche seien den Anforderungen einer Berufsausbildung nicht gewachsen.

Ein Versuch, leistungsschwächeren Jugendlichen eine Chance auf Ausbildung zu geben, sei der Ausbildungsbonus. Nach Angaben der IHKs können Unternehmen, die einen zusätzlichen Ausbildungsplatz für einen Altbewerber schaffen, einen einmaligen Zuschuss zu den Ausbildungskosten in Höhe von bis zu 6.000 Euro beantragen. „Altbewerber“ seien im Sinne der Förderung Jugendliche, die bereits seit einem Jahr oder länger auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind. „Zusätzlicher Ausbildungsplatz“ bedeutet, dass der Betrieb durch den Abschluss eines Ausbildungsvertrags mit einem Altbewerber mehr Jugendliche ausbildet als im Durchschnitt der letzten drei Jahre.

Betriebe, die den Bonus beantragen wollen, müssen mit einer Selbstauskunft nachweisen, wie viele Ausbildungsverträge sie jeweils in den vergangenen drei Jahren bei welchen zuständigen Stellen (IHK, Handwerkskammer oder anderen Kammern) eingetragen hatten. Das Formular für die Selbstauskunft sowie den Förderantrag erhalten die Betriebe von der Arbeitsagentur.

Die Hälfte des Ausbildungsbonus` werde nach Ablauf der Probezeit, die restlichen 50 Prozent nach Anmeldung zur Abschlussprüfung gezahlt. Die Maßnahme der Bundesregierung gilt laut IHKs zunächst für alle Ausbildungsverhältnisse, die bis spätestens 31. Dezember 2010 begonnen wurden. Der Ausbildungsbonus muss bei der zuständigen Arbeitsagentur vom Ausbildungsbetrieb vor Beginn der Ausbildung beantragt werden.

Ein Rechtsanspruch auf Förderung bestehe nur bei Altbewerbern mit maximal Hauptschulabschluss oder bei Altbewerbern, die lernbeeinträchtigt (z. B. Vorliegen erheblicher Bildungsdefizite beim Bewerber) oder sozial benachteiligt (z. B. bei Drogenabhängigkeit) seien. Die Arbeitsagentur könne im Rahmen einer Ermessensentscheidung die Bonuszahlung auch für Altbewerber gewähren, die unabhängig vom Schulabschluss seit zwei Jahren oder länger auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind oder die einen Realschulabschluss haben. Zudem sei eine Förderung möglich, wenn Jugendliche aufgrund von Insolvenz oder Schließung ihres ausbildenden Betriebs erneut auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind und ihre Vermittlung in ein fortführendes Ausbildungsverhältnis aus persönlichen Gründen erschwert ist. Auch für die Einstellung eines Jugendlichen, der im gleichen Betrieb eine Einstiegsqualifizierung (EQ) absolviert hat, könne der Betrieb den Ausbildungsbonus beantragen.

Laut Baumann hatten sich die IHKs dafür eingesetzt, dass der Zuschuss nur für besonders förderungsbedürftige Jugendliche, die in der Regel im Vorjahr oder früher die allgemein bildende Schule verlassen haben, gewährt wird, um Mitnahmeeffekte zu vermeiden. Baumann: „Die Politik hat zwar die guten Argumente von Wirtschaft und Gewerkschaften teilweise aufgegriffen und die Zielgruppe des Bonus` noch ein wenig eingeengt. Dennoch ist fast die Hälfte aller Bewerber künftig potenziell förderfähig. Darunter sind viele Schulabgänger, die auch ohne Bonus einen Ausbildungsplatz finden würden.“

Nähere Informationen zum Ausbildungsbonus` bei der Arbeitsagentur: Arbeitgeber-Hotline, Telefon 01801 – 66 44 66 oder auf www.stuttgart.ihk.de, Dok.-Nr. 25967.

Quelle: Baden-Württembergischer Industrie- und Handelskammertag (BWIHK)