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Marketing & Personal | Di, 08.01.2013 11:20

Arbeitszeugnis: Kein Anspruch auf Dank und gute Wünsche

Ein Arbeitszeugnis muss Angaben zu Art und Dauer der Beschäftigung enthalten. Aber weder ein Dank noch gute Wünsche für die weitere Zukunft sind verpflichtend. Die so genannte Dankesformel ist kein notwendiger Bestandteil eines Arbeitszeugnisses. So lautet ein Urteil des Bundesarbeitsgerichtes (BAG). Darauf weist die Handwerkskammer Reutlingen hin.


„Herr Mustermann scheidet zum 31. Oktober 2012 auf eigenen Wunsch aus unserem Unternehmen aus. Wir bedauern diese Entscheidung und wünschen ihm für seine private und berufliche Zukunft alles Gute“ – vergleichbare Formulierungen finden sich in vielen Arbeitszeugnissen. Einen Anspruch darauf haben Arbeitnehmer nicht, stellte das BAG kürzlich in einem Urteil klar (Az.: 9 AZR 227/11).

Der ehemalige Leiter eines Baumarkts hatte nach seinem Ausscheiden eine überdurchschnittliche Leistungs- und Verhaltensbeurteilung erhalten. Das Zeugnis endete mit den Sätzen: „Herr K. scheidet zum 28.02.2009 aus betriebsbedingten Gründen aus unserem Unternehmen aus. Wir wünschen ihm für die Zukunft alles Gute.“ Der Kläger sah sein gutes Zeugnis entwertet, verwies auf mögliche Nachteile in Bewerbungsverfahren und verlangte eine ausführlichere Formulierung.

Das BAG verneinte einen Anspruch auf Korrektur, sodass die Revision des Klägers keinen Erfolg hatte. Der Grund: Der § 109 der Gewerbeordnung, der Zeitpunkt, Form und Inhalt eines Arbeitszeugnisses regelt, lässt diesen Punkt offen. Angaben zu Art und Dauer der Tätigkeit müssen zwingend enthalten sein. Dagegen fehlen Vorgaben für eine Dankesformel. Demnach steht es Arbeitgebern frei, eine Aussage des persönlichen Empfindens, wie beispielsweise Dank, Bedauern oder Wünsche, aufzunehmen – oder nicht.

Dennoch dürfte das Thema weiterhin für Streitigkeiten sorgen. Schließlich geht es um den ersten Eindruck bei einem potentiellen Arbeitgeber. Schlussformeln in Arbeitszeugnissen, so die Bundesrichter, seien keineswegs „beurteilungsneutral“. Vielmehr seien sie geeignet, die Aussagen zu Führung und Leistung eines Arbeitnehmers zu bestätigen oder zu relativieren. Mit anderen Worten: Die Schlussformel enthält eine Wertung. Steht diese nach Auffassung des Arbeitnehmers nicht im Einklang mit dem übrigen Zeugnis, kann er verlangen, diese Schlussformel komplett zu streichen.

(Redaktion)