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Wirtschaft | Fr, 14.12.2012 08:12

Aufschwung in der deutschen Wirtschaft wird durch Eurokrise verzögert

Im vierten Quartal 2012 wird die deutsche Wirtschaft voraussichtlich schrumpfen, bevor im kommenden Jahr eine zunächst leichte Erholung einsetzt. Darauf deutet das ifo Geschäftsklima hin. Maßgeblich für die Konjunkturschwäche ist die Eurokrise. Im Jahresdurchschnitt 2013 dürfte das reale Bruttoinlandsprodukt nur um 0,7 Prozent zunehmen. Getragen von der Binnennachfrage dürfte die Konjunktur im kommenden Jahr wieder an Fahrt gewinnen. Dies gilt sofern die Europäische Schuldenkrise nicht erneut eskaliert. Der Beschäftigungsaufbau wird dabei aber noch nicht nennenswert in Gang kommen.


In Deutschland hat die gesamtwirtschaftliche Produktion nach gutem Start im weiteren Verlauf des Jahres 2012 mehr und mehr an Fahrt verloren. Die anhaltende Unsicherheit im Gefolge der europäischen Schuldenkrise hat die binnenwirtschaftlichen Auftriebskräfte spürbar gedämpft. Von allen Komponenten der inländischen Verwendung waren hiervon die Ausrüstungsinvestitionen am meisten betroffen. Diese sind im Jahresverlauf trotz außerordentlich günstiger Finanzierungsbedingungen sehr kräftig gesunken.

Auch die Investitionen in Bauten waren bis zur Jahresmitte rückläufig. Hierfür war maßgeblich, dass die öffentlichen Bauinvestitionen einbrachen, nachdem die Förderung durch die in der zurückliegenden Rezession beschlossenen Konjunkturpakete Ende 2011 ausgelaufen war. Beim Wohnungsbau wirken die niedrigen Zinsen dagegen nach wie vor anregend. Getragen wurde die Expansion insbesondere vom Außenhandel, wenngleich die Impulse zuletzt merklich schwächer geworden sind.

Die konjunkturelle Tempoverlangsamung hat sich inzwischen auf dem Arbeitsmarkt niedergeschlagen. Die Zahl der Erwerbstätigen ist zuletzt nicht mehr gestiegen, während die Arbeitszeit sogar deutlich gesunken ist. Offenbar gelingt es den Unternehmen bisher, die verringerte Arbeitsnachfrage durch die Reduktion von Überstunden und den Abbau von Guthaben auf Arbeitszeitkonten abzufedern. Dass die Arbeitslosigkeit bereits seit dem Frühjahr zunimmt, ist primär auf eine Reduktion der aktiven Arbeitsmarktpolitik zurückzuführen.

Im vierten Quartal 2012 dürfte die gesamtwirtschaftliche Produktion um 0,3 Prozent sinken. Mit einem Abgleiten in eine ausgewachsene Rezession ist aber aus heutiger Sicht nicht zu rechnen. So ist der ifo Geschäftsklimaindex im November zum ersten Mal seit sechs Monaten wieder leicht gestiegen. Vor allem die Erwartungskomponente des Indikators hat sich spürbar verbessert. Für das erste Quartal 2013 ist mit daher einer leichten Erholung zu rechnen. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte um 0,2 Prozent zunehmen. Per Saldo wird die gesamtwirtschaftliche Produktion im Winterhalbjahr 2012/13 ungefähr stagnieren.

Im weiteren Verlauf des Jahres 2013 dürfte der Aufschwung wieder einsetzen. Sollte sich nämlich die Eurokrise nicht verschärfen, kommen die binnenwirtschaftlichen Auftriebskräfte und die zunehmende außereuropäische Nachfrage nach deutschen Exportgütern wieder zum Tragen. In der Folge dürften der private Konsum und die Ausrüstungsinvestitionen wieder merklich anziehen. Auch die Exporte werden dann wieder zunehmen. Dass vom Außenhandel dennoch per Saldo wohl kein unmittelbarer Beitrag für den Anstieg des Bruttoinlandsprodukts ausgehen wird, liegt daran, dass die Importe angesichts der lebhafteren Binnennachfrage gleichermaßen ausgeweitet werden dürften.

Alles in allem dürfte das reale Bruttoinlandsprodukt im Durchschnitt von 2012 den Vorjahresstand nur um 0,7 Prozent übertreffen. Im Verlauf von 2013 dürfte es dann aber um 1,4 Prozent zulegen. Aufgrund der durch das schwache Winterhalbjahr bedingten, niedrigen Ausgangsbasis errechnet sich im Jahresdurchschnitt 2013 jedoch ebenfalls nur eine Zuwachsrate von 0,7 Prozent. Im Vergleich zur Juniprognose des ifo Instituts bedeutet dies eine deutliche Abwärtskorrektur. Sie ist darin begründet, dass die Eurokrise die deutsche Konjunktur nach aktueller Einschätzung später als erwartet aus dem Tritt bringt, und zwar im laufenden Winterhalbjahr statt im vergangenen Sommer. Der so verzögerte Aufschwung setzt nach aktuellem Prognosestand erst im Verlauf von 2013 ein.

Der Beschäftigungsaufbau wird nicht nennenswert in Gang kommen. So dürfte die Zahl der Erwerbstätigen im Jahr 2013 lediglich um 35.000 Personen über dem Vorjahresniveau liegen. Die Zahl der Arbeitslosen wird im Winterhalbjahr zunehmen, im Verlauf des kommenden Jahres aber allmählich wieder sinken. Aufgrund des hohen Ausgangsniveaus ergibt sich im Jahresdurchschnitt 2013 aber ein Anstieg um 60.000 Personen. Die Arbeitslosenquote dürfte sich leicht von 6,8 Prozent in diesem Jahr auf 6,9 Prozent im kommenden Jahr erhöhen.

Die Inflationsrate dürfte sich im Jahr 2012 auf 2,0 Prozent belaufen. Im kommenden Jahr wird sie sich auf voraussichtlich 1,6 Prozent abschwächen. Das gesamtstaatliche Budgetdefizit dürfte in diesem Jahr auf 0,1 Prozent sinken. Für das kommende Jahr ist mit dem gleichen Wert zu rechnen. Die staatliche Bruttoschuldenquote dürfte sich in diesem Jahr auf 81,5 Prozent belaufen. Im Jahr 2013 wird sie voraussichtlich auf rund 80,5 Prozent sinken.

(Redaktion)