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Wirtschaft | Mo, 11.10.2010 10:22

Aufwärtstrend in der Region Stuttgart hält an - Regionale Wirtschaft profitiert vom Export

Die Wirtschaft in der Region Stuttgart befindet sich weiter im Aufwärtstrend. Viele Unternehmen beurteilen ihre Lage deutlich besser als im Frühsommer. Auch für die nächsten Monate erwarten die meisten Betriebe eine Fortsetzung des Aufschwungs. Grund für die positive Stimmung ist vor allem die Entwicklung des Auslandsgeschäfts der Industrie, von dem auch die Zulieferer und die industrienahen Dienstleister profitieren. Binnennachfrage und Inlandsinvestitionen holen weiter auf, der Personalbedarf steigt. Das geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart hervor, an der sich über 1.000 Unternehmen beteiligt haben.


„Angesichts steigender Auftragseingänge hoffen viele Unternehmen auf eine weitere Stabilisierung der Lage“, sagt IHK-Präsident Dr. Herbert Müller. Zudem stütze sich die aktuelle Entwicklung nicht mehr allein auf den Export. Eine wachsende Zahl von Unternehmen meldet einen Anstieg der Nachfrage auch aus dem Inland. Wollten im Sommer noch etwa 7 Prozent der Unternehmen ihre Ausgaben für Investitionen im Inland erhöhen, planen dies aktuell mehr als 18 Prozent. In der Industrie ist der Anteil von 16 auf 25 Prozent gestiegen.

Infolge der Entwicklung wollen laut Umfrage in den nächsten zwölf Monaten 23 Prozent der Betriebe zusätzliches Personal einstellen. Im Frühsommer waren es 17 Prozent. 14 Prozent der Betriebe planen eine Verringerung der Belegschaft - das waren im Frühsommer 29 Prozent. Fast in allen Branchen, aber vor allem in der ITK-Branche, bei den Beratungsdienstleistern und in der Elektrotechnik werden Fachkräfte gesucht.

Angesichts des steigenden Personalbedarfs befürchten die Unternehmen eine Verschärfung des Fachkräftemangels. „Das Fehlen von Fachkräften könnte dazu führen, dass die Betriebe in ihrer Entwicklung behindert werden“, warnt Dr. Müller. Die Politik müsse alles für eine Entschärfung der Situation tun, zum Beispiel durch die Vereinfachung der Zuwanderungsbedingungen für ausländische Fachleute, die Verbesserung der Ausbildungsreife von Schulabgängern und mehr Weiterbildungsangebote für Berufstätige an den Hochschulen.

Den Umfragergebnissen zufolge beurteilen rund 36 Prozent der Betriebe ihre Geschäftssituation als gut. Im Sommer taten dies nur 25 Prozent. In der Industrie liegt ihr Anteil bei 32 Prozent (Frühsommer: 21 Prozent). Etwa 11 Prozent aller Betriebe melden schlechte Geschäfte (Frühsommer: 16 Prozent). Dabei sei in allen Branchen die Zufriedenheit mit dem Geschäftsverlauf deutlich gestiegen. Die beste Lageeinschätzung geben die regionalen Händler ab. Insbesondere der Großhandel ist zufrieden – mehr als die Hälfte der Betriebe bewertet ihre Situation als gut. Während bei den Dienstleistern über ein Drittel seine Lage positiv bewertet, herrscht in der Baubranche nur vorsichtiger Optimismus. In der Verkehrs- und Transportbranche melden drei Viertel der Unternehmen eine Steigerung der Umsätze. Mehr als die Hälfte der Finanzdienstleister beurteilt ihre Lage gut sowie 30 Prozent des regionalen Hotel- und Gaststättengewerbes.

Die Zahl der Unternehmen, die eine bessere Geschäftsentwicklung erwartet, ist gegenüber der Umfrage im Frühsommer mit rund der Hälfte der Unternehmen annähernd gleich geblieben. Auch die Zahl der Pessimisten hat sich mit etwa 10 Prozent kaum verändert. In der Industrie sind etwas mehr als die Hälfte der Unternehmen optimistisch, bei den Dienstleistern knapp die Hälfte. Besonders hohe Erwartungen an den weiteren Geschäftsverlauf haben ITK-Dienstleister, Beratungsunternehmen, Metallbranche, Maschinenbau und Elektrotechnik.

„In einigen Branchen hat der Optimismus allerdings schon wieder etwas nachgelassen“, erklärt Dr. Müller. So liefen in einigen Ländern die Konjunkturprogramme aus und in etlichen werden Sparprogramme zur Eindämmung der Staatsverschuldung das Wirtschaftswachstum bremsen. Dazu komme die Aufwertung des Euros gegenüber dem US-Dollar, die sich auf die Wettbewerbsfähigkeit der exportstarken regionalen Wirtschaft auswirke. Die Politik sei aufgefordert, den Aufschwung durch falsche Signale und Maßnahmen nicht zu gefährden. Gleiches gelte für die Tarifabschlüsse. „Die Tarifparteien müssen ihre Lohnverhandlungen mit Augenmaß führen“, betont Dr. Müller.

Trotz der Risikofaktoren ist laut Umfrage mehr als die Hälfte der auslandsorientierten Unternehmen überzeugt, auch auf einem weniger dynamisch wachsenden Weltmarkt erfolgreich exportieren zu können. Schwerpunktmärkte sind die Schwellenländer in Asien sowie Europa und Nordamerika.

(Redaktion)