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| Di, 12.10.2010 09:38

Baden-Württemberg auf Spitzenposition im Bereich Forschung

Eine neue Studie der Baden-Württemberg Stiftung belegt: Das Land ist in Wissenschaft und Forschung bestens aufgestellt und schneidet im nationalen sowie internationalen Vergleich sehr gut ab. Um diese Spitzenposition zu halten und weiter auszubauen, müssen v.a. in den Optischen Technologien, in der Nanotechnologie, in den Lebenswissenschaften und im Bereich der Umweltwissenschaft und Erneuerbaren Energien weitere Anstrengungen bei Forschung und Entwicklung unternommen werden.


Wissenschaftliche Forschung bewegt sich in einem äußerst dynamischen Umfeld. Für die Baden-Württemberg Stiftung mit ihren zukunftsweisenden Forschungsprojekten ist es unverzichtbar, aktuelle Entwicklungen und Trends zu kennen, um ihre Strategie entsprechend auszurichten. Deshalb hat die Baden-Württemberg Stiftung nach zwei Vorgängerstudien aus den Jahren 2000 und 2005 erneut eine Studie in Auftrag gegeben. Das Ergebnis, die Publikation „Strategische Forschung 2010 – Studie zur Struktur und Dynamik der Wissenschaftsregion Baden-Württemberg“ stellte die Stiftung am 11. Oktober der Öffentlichkeit vor. Mit der Studie beauftragt waren Elsevier B.V. (Amsterdam) und das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI (Karlsruhe).

Die Studie stellt dar, wie Wissenschaft und Forschung im Land aufgestellt sind – sowohl im nationalen als auch im internationalen Vergleich – und zeigt, in welchen Gebieten die Forschung weiter voran getrieben werden muss, um die Spitzenposition gegenüber den anderen Ländern zu halten bzw. zu verbessern. Die wesentlichen Wissenschaftsgebiete – Optische Technologien, Nanotechnologie und Materialforschung, Lebenswissenschaften sowie Erneuerbare Energien und Umweltwissenschaften – wurden mit einem neuen methodischen Ansatz untersucht.

Die Studie belegt deutlich, dass Baden-Württemberg in der wissenschaftlichen und industriellen Forschung sehr gut aufgestellt ist. Hierfür sprechen schon die Rahmenbedingungen: Der Anteil Baden-Württembergs an allen wissenschaftlichen Beschäftigten im Hochschulsektor in Deutschland liegt bei fast 16%. Der Anteil aller MINT-Absolventen erreicht 32% und die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung (F&E) gemessen am BIP liegen bei 4,4% (Vergleich Deutschland: 2,5%). Als Konsequenz hieraus erzielt das Land auch eine Spitzenstellung bei Anzahl und Qualität an Publikationen und Patenten. Gemessen an Zitaten schneidet Baden-Württemberg im nationalen und internationalen Vergleich überdurchschnittlich gut ab. So liegen alle 17 betrachteten Felder sowohl bei Veröffentlichungen über dem internationalen Durchschnitt bei Zitierungen als auch über dem zu erwartenden Wert für die Positionierung unter den Top10-Publikationen. Patente am Europäischen Patentamt werden zudem um 6 Prozentpunkte häufiger zitiert als der Durchschnitt. Deutschland insgesamt erzielt hier nur einen Wert von 2 Prozentpunkten. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Baden-Württemberg in allen betrachteten Themen im Bereich sehr gut bis gut liegt.

Forschungsschwerpunkte verändern sich nicht innerhalb weniger Jahre, da sich Forschungsergebnisse nur über einen längeren Zeitraum systematisch gewinnen lassen. In der aktuell vorliegenden Studie geht es deshalb auch um die Überprüfung der Empfehlungen der vorangegangenen Studie im Jahr 2005.

Im Bereich der Optischen Technologien bestätigt die Studie die Spitzenposition Baden-Württembergs, die durch weitere Anstrengungen bei Forschung und Entwicklung aufrecht erhalten wird. Insbesondere gilt es, Schnittstellen und Anwendungen in den Kompetenzfeldern Lebenswissenschaften, Maschinenbau, Produktionstechnologien und im Fahrzeugbau weiter zu stärken.

In dem insgesamt rasant wachsenden Feld der Nanotechnologie zeigt Baden-Württemberg eine Spezialisierung im Bereich Nano-Biologie, Nano-Optik und Nano-Magnete. Da die internationale Konkurrenz in diesen Bereichen sehr groß ist, muss investiert werden, um einen Platz im Spitzenfeld zu sichern. Es gilt einerseits die Grundlagenforschung zu stärken und andererseits eine zielgerichtete Anwendungsforschung zu unterstützen. Wenn die Nanotechnologie dem theoretischen Verlauf der Entwicklung anderer neuer Technologien folgt – und die Publikations- und Patentdaten deuten das an – gilt es für Baden-Württemberg, sich weiterhin stark in diesem Feld zu engagieren. Auch die Materialforschung ist wegen der Verknüpfung von Maschinen- und Fahrzeugbau wichtig für Baden-Württemberg.

In den Lebenswissenschaften besitzt Baden-Württemberg einen deutlichen Forschungsschwerpunkt in der Medizin. Zudem bestehen in der öffentlichen Forschung ausgeprägte Kompetenzen in der Biochemie, Genetik und Molekularbiologie. Allerdings hat die Studie in der Patentauswertung auch Schwächen in der Umsetzung identifiziert. Bei der Bewertung dieses Ergebnisses ist aber zu beachten, dass Firmen wie BASF, Boehringer oder Altana zwar F&E in baden-württembergischen Niederlassungen betreiben, die Patentanmeldungen aber über den Hauptsitz erfolgen und daher in der Statistik nicht für Baden-Württemberg erfasst werden. Ein Blick auf die Erfinder- und Anmelder-Daten der Patente zeigt: Im Um- und Ausland werden die lebenswissenschaftlichen Kompetenzen der Forschungseinrichtungen des Landes sehr geschätzt und auch verwertet. Damit profitiert Baden-Württemberg letztendlich von den Unternehmen in Grenznähe. Um dennoch die Translation der Forschungsergebnisse in Verwertung auch im Land besser umzusetzen, empfiehlt die Studie, vor allem die anwendungsbezogene Forschung in den Lebenswissenschaften gezielt zu unterstützen.

Untersucht wurden auch Umweltwissenschaften und Erneuerbare Energien. Hier zählt die Photovoltaik zu den schnell wachsenden Bereichen, in die weiterhin investiert werden soll. Bei der Energieforschung gibt es enge Interaktionen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, die eine Stärke des baden-württembergischen Innovationssystems darstellen und erhalten werden sollen.

Es gilt, die vielfach exzellente öffentliche Forschung in die Anwendung zu bringen und außerdem die qualitativ sehr hochwertige Grundlagenforschung weiter zu führen und deren Anwendungen weiter zu stärken. Innerhalb der Wissenschaft finden umfangreiche Kooperationen zwischen den Forschungseinrichtungen statt, bei denen aber ebenfalls noch Optimierungsbedarf besteht.

(Redaktion)