Sign In

Welcome, Login to your account.

Wirtschaft | Mo, 22.11.2010 07:52

Baden-Württemberg bleibt Innovationsregion Nr. 1 in der Europäischen Union

Der Innovationsindex 2010 des Statistischen Landesamtes zeigt: Baden-Württemberg liegt bei der Innovationsfähigkeit innerhalb der Europäischen Union (EU) erneut auf Platz 1. In keiner anderen der 86 untersuchten europäischen Regionen wird ein höherer Anteil der Wirtschaftsleistung in Forschung und Entwicklung investiert. Außerdem ist in keiner anderen Region der Erwerbstätigenanteil forschungsintensiver Industriezweige und die Patentdichte höher als in Baden-Württemberg.


Innerhalb von Baden-Württemberg liegen die Regionen Stuttgart, Rhein-Neckar und Ostwürttemberg und auf Kreisebene der Landkreis Böblingen, der Bodenseekreis und der Stadtkreis Stuttgart im Innovationsvergleich vorne. Im Spitzenfeld des EU-Rankings sind die Regionen Bayern, die französische Hauptstadtregion Île de France, Berlin und Schweden ebenfalls mit einem außerordentlich hohen Innovationspotenzial vertreten. Die übrigen deutschen Bundesländer befinden sich überwiegend im Vorder- und Mittelfeld. In drei polnischen Regionen und den neuen EU-Mitgliedsländern Rumänien und Bulgarien ist die Innovationskraft am geringsten.

Ausschlaggebend für die Spitzenposition Baden-Württembergs sind vor allem die hohe Bedeutung forschungsintensiver Industriezweige und der große Erfinderreichtum. In keiner anderen Region Europas sind der Anteil der Erwerbstätigen in forschungsintensiven Industriezweigen und die Patentdichte höher als in Baden-Württemberg. So arbeiteten im Jahr 2008 unverändert rund 18 Prozent aller Berufstätigen des Landes in industriellen Hochtechnologiebranchen, beispielsweise im Fahrzeug- und Maschinenbau oder im Bereich Medizin-, Mess-, Steuer- und Regelungstechnik und Optik. Im europäischen Durchschnitt (EU-27) liegt dieser Anteil nur bei knapp 7 Prozent. Außerdem wurden - bezogen auf 1 Mill. Einwohner - von baden-württembergischen Erfindern etwa 5-mal so viele Patente beim Europäischen Patentamt angemeldet wie im Durchschnitt aller 27 EU-Länder. Darüber hinaus werden in Baden-Württemberg mit Ausgaben in Höhe von knapp 15,7 Mrd. Euro immerhin bereits 4,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Forschung und Entwicklung investiert, womit das Land gemeinsam mit der Region East of England europaweit führend ist. Beide Regionen lagen damit deutlich über der Marke von 3 Prozent, die sich die Europäische Union im Rahmen der Lissabon-Strategie zur Sicherung von Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung für das Jahr 2010 zum Ziel gesetzt hatte.

Auch bei der FuE-Personalintensität liegt Baden-Württemberg mit gut 2 Prozent auf einem europäischen Spitzenplatz. Deutlich schwächer abgeschnitten hat das Land wie schon in den vergangenen Jahren dagegen beim Anteil der Erwerbstätigen in wissensintensiven Dienstleistungsbranchen. Dazu zählen neben Ingenieur-, Finanz- und IT-Dienstleistungen beispielsweise auch Dienstleistungen aus dem Bereich Logistik, Gesundheit und Medien. Hier liegt Baden-Württemberg unter dem Durchschnitt aller 27 Länder der Europäischen Union. Der geringe Erwerbstätigenanteil in wissensintensiven Dienstleistungen ist aber auch ein Spiegelbild der hohen Bedeutung industrieller Hochtechnologiebranchen im Land, in denen viele hochwertige Dienstleistungsfunktionen, auch wissensintensive Tätigkeiten, von den Unternehmen selbst wahrgenommen werden.

Trotz seines hohen technologischen Leistungspotenzials weist Baden-Württemberg in der Innovationsfähigkeit deutliche regionale Unterschiede auf. Der für die Regionen und Kreise Baden-Württembergs berechnete Innovationsindex belegt, dass die hohe Innovationskraft Baden-Württembergs in starkem Maße aus der Region Stuttgart stammt. Hier haben führende Unternehmen wie Daimler, Bosch, IBM und Hewlett Packard ihren Hauptsitz oder bedeutende Tochterunternehmen. Diese Unternehmen verfügen hierzulande nicht nur über enorme FuE-Kapazitäten, sondern zählen auch zu den größten Patentanmeldern Deutschlands und Europas. Im Spitzenfeld liegen die zweit- und drittplazierten Regionen Rhein-Neckar und Ostwürttemberg. Mit der Region Ostwürttemberg ist nun eine weitere Region des Regierungsbezirks Stuttgart in die Spitzengruppe aufgestiegen. Während die Innovationsfähigkeit der viertplazierten Region Donau-Iller dem durchschnittlichen Niveau aller 12 Regionen entspricht, schneiden die verbleibenden acht Regionen im Innovationsindex 2010 unterdurchschnittlich ab. Im Vergleich mit dem Innovationsindex 2008 zeigt sich, dass die Regionen Rhein-Neckar, Ostwürttemberg, Heilbronn-Franken und Hochrhein-Bodensee in 2010 im Rang gestiegen sind, wohingegen die Regionen Donau-Iller, Bodensee-Oberschwaben, Mittlerer Oberrhein und besonders die Region Nordschwarzwald zurückfielen. Besonders bemerkenswert ist der Aufstieg der Region Ostwürttemberg innerhalb der letzten zwei Jahre vom fünften auf den dritten Platz. Ihre beiden Kreise, der Landkreise Heidenheim und der Ostalbkreis sind nun unter den 13 innovativsten der insgesamt 44 Stadt- und Landkreise vertreten. Die Region Hochrhein-Bodensee hat sich um beachtliche drei Rangplätze verbessert und liegt nun auf dem achten Platz. Die gestiegene Innovationsfähigkeit ist auf eine Zunahme bei den Forschungsausgaben und einen Anstieg beim FuE-Personal im zugehörigen Landkreis Lörrach zurückzuführen, der sich seit der ersten Indexberechnung im Jahr 2004 stetig von Rang 29 auf nun Rang 9 verbessert hat.

Die Kreise mit dem höchsten Innovationspotenzial sind unverändert der Landkreis Böblingen, der Bodenseekreis und der Stadtkreis Stuttgart. Sie verdanken ihre vordere Position in erster Linie dem hohen Niveau bei nahezu allen Innovationsindikatoren. Der führende Landkreis Böblingen stützt sich jedoch vor allem auf seine forschungsintensiven Industriezweige. Der Anteil der in diesem Sektor tätigen Beschäftigten lag zuletzt im Kreis Böblingen mit gut 34 Prozent weit über dem Landesdurchschnitt (knapp 19 Prozent). Darüber hinaus liegt die FuE-Intensität der Wirtschaft im Kreisvergleich, gemessen an den internen Forschungsausgaben, nirgendwo höher als im Landkreis Böblingen. Auch die gute Platzierung des Kreises beim Innovationsindikator Patentanmeldungen aus Wirtschaft und Wissenschaft rundet das Bild eines von forschungsintensiven Branchen geprägten Kreises ab. Der im Innovationsindex auf Kreisebene zweitplatzierte Bodenseekreis mit seinem wirtschaftlichen Zentrum in Friedrichshafen ist untrennbar mit dem Namen Zeppelin verbunden. Im Landesvergleich zeichnet sich die Wirtschaft des Bodenseekreises durch eine hohe Forschungsintensität, einen hohen Anteil der Beschäftigten in forschungsintensiven Industriezweigen und eine hohe Patentdichte aus. Das hohe Innovationspotenzial des Stadtkreises Stuttgart lässt sich wie im Landkreis Böblingen und im Bodenseekreis vor allem durch die hohe Forschungsintensität der Wirtschaft belegen. Während im Bodenseekreis und im Landkreis Böblingen ein sehr hoher Beschäftigtenanteil in der forschungsintensiven Industrie erkennbar ist, sind in der Landeshauptstadt überdurchschnittlich viele Personen in wissensintensiven Dienstleistungsbranchen tätig.

(Redaktion)