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Wirtschaft | Do, 28.07.2011 15:17

Baden-Württemberg boomt: Reales Wirtschaftswachstum dürfte 2011 rund 4 Prozent betragen

Das Tempo der wirtschaftlichen Erholung lässt den Beobachter staunen – nach der Rezession, deren Tiefpunkt die baden-württembergische Wirtschaft vor rund zwei Jahren durchschreiten musste, hat die Wirtschaftsleistung nunmehr schon wieder das Vorkrisenniveau des ersten Quartals 2008 erreicht. „Die Phase der Hochkonjunktur in Baden-Württemberg hält weiter an. Für das Gesamtjahr 2011 prognostizieren wir ein reales Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von rund 4 Prozent“, so fasste die Präsidentin des Statistischen Landesamts, Dr. Carmina Brenner, die konjunkturelle Lage im Land zusammen.


Freilich zeichnet sich mehr und mehr ab – auch der Gesamtkonjunkturindikator des Statistischen Landesamts zeigt das an –, dass der Scheitelpunkt des Booms in Sicht ist. „In der zweiten Jahreshälfte wird sich das Wachstum verlangsamen. Hierbei handelt es sich jedoch um eine normale zyklische Abschwächung nach einem fulminanten Aufholprozess“, so Frau Dr. Brenner.

Zu verdanken ist der überraschend schnelle Aufholprozess nach der Krise der robusten Weltkonjunktur und der Struktur der heimischen Wirtschaft, die einen hohen Wertschöpfungsanteil durch das Auslandsgeschäft erzielt. Am Anfang der konjunkturellen Erholung standen expansive Nachfrageimpulse aus dem Ausland, die für eine erhöhte Kapazitätsauslastung sorgen und auch eine stärkere inländische Nachfrage nach Investitionsgütern nach sich zogen. Die positiven Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt (Beschäftigungsanstieg und steigende Einkommen) schlugen sich schließlich mit einer gewissen Zeitverzögerung beim Konsum nieder. Das Konjunkturklima der Binnennachfrage ist nach wie vor günstig. Die Umsatzentwicklung in den allermeisten Wirtschaftsbereichen des Verarbeitenden Gewerbes spricht eine deutliche Sprache. Arbeitstäglich bereinigt legten die Umsätze im Verarbeitenden Gewerbe insgesamt in den Frühjahrsmonaten März bis Mai durchschnittlich um knapp 8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Das ist nur unwesentlich weniger als in der Vorperiode. Getragen wurden diese Umsatzsteigerungen in erster Linie von der Investitionsgüterindustrie (+11,5 Prozent), und hier vor allem vom Maschinenbau (+25 Prozent). Die Erlöse der Konsumgüterproduzenten stiegen im Vorjahresvergleich um 4 Prozent, was zwar bescheiden anmutet, aber gegenüber den Wintermonaten doch eine deutliche Belebung anzeigt.

Nach wie vor ist die Auslandsnachfrage die treibende Kraft der momentanen Phase der Hochkonjunktur. Im Durchschnitt der Monate März bis Mai lagen die Auslandsumsätze des baden-württembergischen Verarbeitenden Gewerbes arbeitstäglich bereinigt um gut 10 Prozent über ihrem Vorjahreswert. Dies ist zwar auf den ersten Blick kein wesentlich höherer Wert als bei den Inlandsumsätzen, allerdings muss man berücksichtigen, dass der Vergleichszeitraum auch schon recht wachstumsstark war, und von daher die konjunkturelle Grunddynamik höher ist. Nach Gütergruppen differenziert, stellt sich das Gesamtbild bei der Auslandsnachfrage im Grunde ähnlich dar wie bei der Binnenkonjunktur: Besonders gefragt im Ausland sind Investitionsgüter aus baden-württembergischer Produktion. In dieser Branche lag das Umsatzplus gegenüber dem Vorjahr im Frühjahr real und arbeitstäglich bereinigt bei gut 12 Prozent. Wie bei der Inlandsnachfrage ist das Zugpferd auch hier der Maschinenbau mit einer Erlössteigerung von gut 18 Prozent.

Die ausgezeichnete konjunkturelle Lage der baden-württembergischen Wirtschaft zeigt auch auf dem Arbeitsmarkt positive Wirkung: Die Arbeitslosenquote (bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen) betrug im Juni 3,9 Prozent, in einigen Kreisen des Landes kommt sogar Vollbeschäftigung in Sicht. Mit weniger als 226.000 lag die Zahl der Arbeitslosen im zweiten Quartal 2011 um fast 51.000 unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Im gleichen Zeitraum belief sich die Zahl der ungeförderten offenen Stellen auf knapp 76.000, das waren fast 28.000 mehr als vor Jahresfrist. Auch die Erwerbstätigkeit weitet sich aus: Im ersten Quartal 2011 lag die Zahl der Erwerbstätigen um 93.000 über dem Stand des Vorjahreszeitraums. Bei den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen betrug das Plus – nach Hochrechnungen der Bundesagentur für Arbeit – im Zeitraum von Februar bis April 2011 gegenüber dem Vorjahreszeitraum über 99.000.

Kehrseite und Folge der Wirtschaftslage ist der Anstieg der Verbraucherpreise. Die Teuerungsrate in Baden-Württemberg bewegte sich im ersten Halbjahr 2011 konsequent über der 2 Prozent-Marke. Im zweiten Quartal lag der Verbraucherpreisindex um 2,3 Prozent über dem Vorjahresniveau. Die höchste Teuerungsrate gegenüber dem Vorjahr wurde mit +2,6 Prozent für April errechnet. Der Hauptgrund für den deutlichen Anstieg des Preisniveaus liegt weiterhin in der Entwicklung der Energiepreise. Ohne die Preise für Heizöl und Kraftstoffe hätte der Anstieg der Verbraucherpreise im zweiten Quartal nur bei durchschnittlich 1,8 Prozent gelegen. So waren Kraftstoffe im zweiten Quartal um 11,6 Prozent teurer als im Vorjahresquartal und Heizöl verteuerte sich um 20,5 Prozent.

(Redaktion)