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Wirtschaft | Do, 12.04.2012 07:56

Baden-Württemberg hat bundesweit höchsten Anteil an MINT-Beschäftigten

Die Nachfrage nach Fachkräften in naturwissenschaftlich-technischen Berufen ist in der innovationsstarken Wirtschaft Baden-Württembergs groß. Allein wegen des demografischen Wandels wird sich die Nachfrage in Zukunft noch weiter verstärken.Zur Jahresmitte 2011 arbeiteten im Südwesten gut 448.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in MINT-Berufen (Fachbereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Dies teilt das Statistische Landesamt nach Auswertung der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit mit.


Unter den MINT-Beschäftigten sind Techniker (148.200) und Ingenieure (141.800) mit Abstand am stärksten vertreten. Hinzu kommen 95.100 Datenverarbeitungsfachleute, 40.800 Technische Sonderfachkräfte, 11.300 Naturwissenschaftler wie beispielsweise Biologen und Agrarwissenschaftler sowie 10.900 Chemiker, Physiker und Mathematiker. Bezogen auf die insgesamt im Südwesten fast 4 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten übten demnach 11,2 Prozent einen MINT-Beruf aus. Damit belegt Baden-Württemberg im Bundesgebiet Platz 1 vor dem Stadtstaat Hamburg (10,7 Prozent) sowie Hessen und Bayern (10,2 bzw. 10,1 Prozent). Am niedrigsten waren die Quoten dagegen in den östlichen Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg mit Werten von 5,2 bis 6,2 Prozent. Deutschlandweit betrug der entsprechende Anteil 9,0 Prozent.

Bei einer regionalen Betrachtungsweise gibt es allerdings sehr große Unterschiede. Unter den insgesamt 44 Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs hatte bezogen auf die Gesamtzahl aller dort sozialversicherungspflichtig Beschäftigten der Landkreis Böblingen mit 18,1 Prozent den mit Abstand höchsten Anteil an Fachkräften in MINT-Berufen. Auf den Plätzen folgen der Stadtkreis Stuttgart, der Bodenseekreis sowie die Stadtkreise Karlsruhe, Ulm und Heidelberg (15,9 bis 14,9 Prozent). Alle Kreise zeichnen sich durch eine hohe Bedeutung an forschungs- und entwicklungsintensiven Wirtschaftsbereichen und damit einer starken Nachfrage nach hochqualifizierten Fachkräften aus. Deutlich geringer war die Nachfrage nach MINT-Fachkräften in den Landkreisen Waldshut, Calw und dem Stadtkreis Baden-Baden, wo gemessen an der jeweiligen Gesamtbeschäftigung mit Anteilen von 5,4 bis 5,9 Prozent die wenigsten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in MINT-Berufen arbeiteten.

Allein in den letzten 10 Jahren stieg im Südwesten die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in MINT-Berufen um 38.900 Beschäftigte oder 9,5 Prozent. Damit war der prozentuale Zuwachs der Beschäftigten in MINT-Berufen in Baden-Württemberg mehr als doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt (+4,4 Prozent) und fast drei Mal so stark wie bei der Gesamtbeschäftigung im Land (+3,5 Prozent oder +133 000 Beschäftigte). Insgesamt entfielen rund 30 Prozent der per saldo neu entstandenen Arbeitsplätze auf die Beschäftigten in MINT-Berufen. Der zahlenmäßig höchste Beschäftigungszuwachs von MINT-Fachkräften wurde in den letzten 10 Jahren mit einem Plus von rund 20.800 (+17,2 Prozent) bei den Ingenieuren erzielt, knapp gefolgt von den Datenverarbeitungsfachleuten mit einem Zuwachs von 19.400 (+25,5 Prozent). Bei den Naturwissenschaftlern gab es einen Beschäftigungsanstieg von 4.300 (+61,5 Prozent). Demgegenüber ging die Zahl der Beschäftigten bei den technischen Sonderfachkräften zurück (–2.900 Beschäftigte oder –6,6 Prozent), ebenso bei den Technikern (–2.000 Beschäftigte oder –1,3 Prozent) sowie den Chemikern, Physikern und Mathematikern (-700 Beschäftigten bzw. –5,9 Prozent).

Die MINT-Fachkräfte im Südwesten waren 2011 im Durchschnitt 41,9 Jahre alt, durchschnittlich ein Jahr älter als die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten insgesamt (40,9 Jahre). Von den gut 448.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigten MINT-Fachkräften im Land hatten 28 Prozent (127.000 MINT-Fachkräfte) die Altersgrenze von 35 Jahren noch nicht erreicht, 58 Prozent (261.000 MINT-Fachkräfte) waren im Alter zwischen 35 und 55 Jahren, 13 Prozent oder fast jeder achte MINT-Beschäftigte (60.000 MINT-Beschäftigte) war dagegen bereits 55 Jahre oder älter. Diese 60.000 älteren MINT-Fachkräfte werden im Laufe der nächsten 10 Jahre voraussichtlich wegen Erreichens der Altersgrenze in den Ruhestand gehen und damit dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung stehen. Unter den MINT-Berufen werden die einzelnen Berufssparten in den nächsten Jahren unterschiedlich stark von diesem demografischen Wandel betroffen sein. So war bei den Technikern, der unter allen MINT-Berufen mit 148.000 Beschäftigten am stärksten besetzten Berufsgruppe, die Belegschaft 2011 mit durchschnittlich 44,1 Jahren unter allen MINT-Fachkräften am ältesten. 18 Prozent aller Techniker (26.400 Techniker) waren bereits 55 Jahre oder älter. Lediglich 21 Prozent (31.100 Techniker) hatten die Altersgrenze von 35 Jahren noch nicht erreicht. Demgegenüber war unter den Naturwissenschaftlern der Anteil der jungen Kolleginnen und Kollegen unter 35 Jahren mit 56 Prozent (6.300 Naturwissenschaftler) mit Abstand am größten. Gleichzeitig gab es in diesem Berufszweig unter allen MINT-Fachkräften mit nur 6 Prozent (680 Naturwissenschaftler) die wenigsten über 55-Jährigen. Mit einem Durchschnittsalter von 36,2 Jahren waren die Naturwissenschaftler 2011 insgesamt die jüngsten MINT-Fachkräfte im Land.

(Redaktion)