Sign In

Welcome, Login to your account.

Vermischtes | Di, 31.07.2012 07:59

Baden-Württemberg nimmt bei IT-Forschung Spitzenposition ein

Im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) nimmt Baden-Württemberg in der Forschung eine Spitzenposition ein. 2008 wurden für Baden-Württemberg 111 IKT-bezogene Patentanmeldungen je 1 Million Einwohner beim Europäischen Patentamt verzeichnet. Das waren mehr als doppelt so viele wie im bundesdeutschen Durchschnitt mit 54 Anmeldungen. Das zeigt, dass auch IKT-bezogene Innovationen im Land eine herausragende Rolle spielen. Zu diesem Ergebnis kommt die soeben erschienene Untersuchung "Digitales Baden-Württemberg" des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg, die sich ausführlich mit der Bedeutung von IKT, insbesondere im Hinblick auf die Innovationstätigkeit, in Baden-Württemberg auseinandersetzt.


Im Bundesländervergleich führt Baden-Württemberg bei den IKT-bezogenen Patentanmeldungen knapp vor Bayern (107 IKT-Patentanmeldungen je 1 Million Einwohner) die Liste der Bundesländer an. Vergleicht man Baden-Württemberg mit den Ländern der EU, dann liegt es deutlich vor den EU-Spitzenreitern Schweden und Finnland mit 91 bzw. 81 IKT-Patentanmeldungen je 1 Million Einwohner. Innerhalb Baden-Württembergs belegen die Landkreise Schwarzwald-Baar-Kreis (251) und Emmendingen (250) die Spitzenpositionen. Es folgen der Stadtkreis Stuttgart (242), der Landkreis Ludwigsburg (225) und der Rhein-Neckar-Kreis (217) sowie der Stadtkreis Freiburg (211). Der Schwarzwald-Baar-Kreis weist hohe Forschungskompetenz in der Mikrosystemtechnik und Informationstechnik auf, beim Landkreis Emmendingen spiegelt die hohe Patentdichte die vielfältigen Forschungsaktivitäten im Bereich der Sensortechnik und der elektronischen und optischen Erzeugnisse wider.

Die hohe Erfindertätigkeit lässt auf eine ausgeprägte Innovationstätigkeit im baden-württembergischen IKT-Sektor schließen. Das zeigt die dynamische Entwicklung dieses Wirtschaftsbereichs in den letzten Jahren: Die nominale Wirtschaftsleistung des baden-württembergischen IKT-Sektors hat im Zeitraum von 1995 bis 2010 um durchschnittlich 4,9 Prozent pro Jahr zugenommen (gesamte Wirtschaft: 2,1 Prozent). Der Wachstumsbeitrag der Branche belief sich in diesem Zeitraum im Mittel auf 0,14 Prozentpunkte. Dieser Wert ist genauso hoch wie beim Maschinenbau im Land, allerdings entfällt auf diesen eine Wirtschaftsleistung, die doppelt so hoch ist wie die des IKT-Sektors.

Innovationen sind insbesondere die Voraussetzung für die Erhöhung der Arbeitsproduktivität. Auch dafür ist der IKT-Sektor selbst das beste Beispiel: Die Erwerbstätigenproduktivät, berechnet als nominale Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen, nahm in dieser Branche zwischen 1995 und 2010 nominal um durchschnittlich 2,6 Prozent pro Jahr zu. Diese Rate ist fast doppelt so hoch wie der Vergleichswert für die gesamte baden-württembergische Wirtschaft. Aber auch im Vergleich mit der gesamten IKT-Branche im Bundesgebiet erweist sich der Wirtschaftszweig im Land als ausgesprochen produktiv: Die Erwerbstätigenproduktivität stieg im IKT-Sektor Deutschlands im Mittel lediglich um 1,0 Prozent.

Der hohe Output in IKT-bezogenen Patenten und die dynamische Entwicklung des IKT-Sektors sind das Ergebnis großer Forschungsanstrengungen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie im Land. Gemessen in Vollzeitäquivalenten (die einem Vollzeitbeschäftigten entsprechen, der seine gesamte Arbeitszeit für Forschung und Entwicklung verwendet),  waren 2009 in Baden-Württemberg rund 13.540 Personen in der Forschung und Entwicklung (FuE) im IKT-Sektor beschäftigt. Auf den IKT-Sektor entfielen somit allein etwa 15 Prozent des heimischen FuE-Personals im Wirtschaftssektor. Betrachtet man die Verteilung des FuE-Personals im IKT-Sektor deutschlandweit, entfällt über die Hälfte des FuE-Personals der IKT-Branche auf Baden-Württemberg (29,2 Prozent) und Bayern (24,9 Prozent).

Die FuE-Aufwendungen der Wirtschaft im IKT-Produktions- und -Dienstleistungssektor in Baden-Württemberg beliefen sich 2009 auf rund 1,7 Mrd. Euro. Fast jeder dritte Euro der deutschen Wirtschaft für Forschung und Entwicklung (FuE) im IKT-Sektor wurde damit in Baden-Württemberg ausgegeben. Bei der FuE–Intensität, das ist die Relation zwischen FuE-Ausgaben und Gesamtumsatz einer Branche, übertreffen die Hersteller von IKT-Geräten mit einem Wert von 16 Prozent sogar den Fahrzeugbau (9 Prozent) und die Pharmaindustrie (10 Prozent). Im IKT-Dienstleistungssektor lag das Verhältnis von FuE-Ausgaben zum Umsatz zwar nur bei rund 4 Prozent, es war damit aber dreimal höher als der Durchschnittswert der anderen wissensintensiven Dienstleistungen (1,3 Prozent) im Land. Das dürfte zur hohen Entwicklungsdynamik bei den baden-württembergischen Anbieter von IKT-bezogenen Dienstleistungen beigetragen haben: Ihre nominale Wirtschaftsleistung ist seit Mitte der 1990er- Jahre um durchschnittlich 8,6 Prozent pro Jahr und die Arbeitsproduktivität im Mittel um 2,9 Prozent gestiegen. Gleichzeitig nahm die Zahl der Erwerbstätigen um durchschnittlich 5,7 Prozent pro Jahr zu. Günstig auf die Innovationstätigkeit der IKT-Dienstleister dürfte sich zudem ausgewirkt haben, dass der Anteil der IT-Spezialisten an der Gesamtbelegschaft in dieser Branche im Land durchschnittlich bei 50,0 Prozent liegt (Deutschland 47,9 Prozent).

IT-Fachkräfte sind für die IKT-bezogene Innovationsfähigkeit der Unternehmen von zentraler Bedeutung. Der IKT-bezogenen Ausbildung an den Hochschulen und Berufsschulen kommt deshalb eine Schlüsselfunktion zu. An den Hochschulen Baden-Württembergs waren im Wintersemester 2010/11 über 31.700 der insgesamt rund 287.460 Studenten in IKT-relevanten Fächern wie Informatik, Technische Informatik oder Elektronik eingeschrieben. Fast 6.000 Studenten machten 2010 in diesen Fächern ihren Abschluss. Im gleichen Jahr schlossen zudem über 1.300 Auszubildende in Baden-Württemberg einen Ausbildungsvertrag zum Mechatroniker ab und über 1.100 begannen eine Ausbildung zum Fachinformatiker.

(Redaktion)