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Wirtschaft | Fr, 12.06.2009 13:10

„Baden-Württemberg schafft!“

Baden-Württemberg schafft! – Leistungsschau der Unternehmen am 13. Juni im Industriegebiet Mark West / Busrundfahrt veranschaulicht Strukturwandel der Reutlinger Industrie

Alte Dampfmaschine des Reutlinger Unternehmens Ulrich Kohllöffel (Foto: Heimatmuseum)

Alte Dampfmaschine des Reutlinger Unternehmens Ulrich Kohllöffel (Foto: Heimatmuseum)


Das waren noch Zeiten, als in Reutlingen die Textilindustrie den Ton angab. In seiner Blütezeit stellte dieser Wirtschaftszweig mehr als die Hälfte aller Arbeitsplätze. Was ist von all dem geblieben, was hat sich verändert? Bei „Baden-Württemberg schafft!“ am 13. Juni kann man sich bei einer Bustour auf die Spurensuche des wirtschaftlichen Wandels in Reutlingen begeben und danach beim Tag der offenen Tür im Interkommunalen Gewerbegebiet Mark West viel Spannendes über Gegenwart und Zukunft der Wirtschaft in Baden-Württemberg erfahren.

Reutlingens Industrialisierung setzte stürmisch nach dem Eisenbahnanschluss 1859 ein. Neue Firmenansiedlungen begründeten Reutlingens Ruf als eine Stadt des Gewerbefleißes, als ein Zentrum fortschrittlicher Wirtschaftsentwicklung. Dabei übernahm in unserer rohstoffarmen Region die Textilindustrie die Führung. In ihrem Schlepptau folgte aber nahezu zeitgleich der textilbezogene Maschinenbau, der sich zu einem bedeutenden und nach und nach eigenständigen Wirtschaftszweig entwickelte.

Diese Epoche der Reutlinger Industriegeschichte ist eine Erfolgsstory, beispielhaft auch für die Geschichte des Landes der Tüftler und Schaffer. Doch gemessen an der heutigen Wirtschaftsstruktur ist von alledem  kein Stein mehr auf dem anderen geblieben. Die Industrie ist von ihren Traditionsstandorten entlang der Echaz, in der Oststadt und in der Tübinger Vorstadt fast vollständig verschwunden und damit auch ihr Herzstück, die Textilindustrie.

Nur wenige Großstädte in Baden-Württemberg waren in ihrer Wirtschaftsgeschichte einem so gravierenden Strukturwandel unterworfen wie Reutlingen. Die damit verbundenen Anpassungsprozesse waren schmerzlich, Arbeitsplätze gingen verloren, ganze Industriedynastien lösten sich auf. Aber per saldo überwogen doch die Chancen, die sich aus diesem Strukturwandel ergaben: Neue, wachstumsorientierte Wirtschaftsstrukturen wurden aufgebaut, international wettbewerbsfähige Arbeitsplätze geschaffen.

Reutlingens Wirtschaftsstruktur zeichnet sich heute durch eine ausgewogene Mischung der Betriebsgrößen und durch eine breite Fächerung der verschiedenen Wirtschaftssektoren und Branchen aus. Es sind keine einseitigen Abhängigkeiten von wenigen Großbetrieben oder Branchen festzustellen. Alteingesessene Firmen und neue Hightech-Schmieden, Groß- und Kleinbetriebe, Produktion und Dienstleistung arbeiten erfolgreich hier vor Ort, ergänzen sich zu einem effizienten Netzwerk. Reutlingen ist heute ein aktives, modernes Wirtschaftszentrum mit überregionaler Ausstrahlung und repräsentiert damit auch beispielhaft die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Baden-Württemberg.

Als Traditionsstandort für Industrie und Gewerbe verfügt Reutlingen über eine viele Jahrzehnte gewachsene Industriekultur. Aus Handwerksbetrieben gingen im 19. Jahrhundert bedeutende Industriebetriebe hervor, die jahrzehntelang Reutlingens Bild prägten. Bis Ende der 1950er-Jahre war die Textilindustrie verbunden mit Textilausrüstung und Textilmaschinenbau der bedeutendste Wirtschaftsfaktor.

Heute ist die Stadt ein moderner und dynamischer Dienstleistungs- und Industriestandort – das größte Wirtschaftszentrum zwischen Stuttgart und dem Bodensee.

Reutlingens Rückgrat ist das intakte produzierende Gewerbe, in dem fast 40 % aller Beschäftigten arbeiten und somit unsere Wirtschaftsstruktur maßgeblich bestimmen. In Reutlingen wird für den Weltmarkt produziert. Insbesondere in den Bereichen Automatisierung, Robotik und Elektrotechnik behaupten sich Reutlinger Unternehmen erfolgreich im internationalen Wettbewerb.

Elektrotechnische Industrie und Maschinenbau dominieren im Produktionsbereich, aber auch das Handwerk spielt nach wie vor eine wichtige Rolle. Reutlingen beherbergt über 3.000 Betriebe, vor allem im mittelständischen Bereich. Innovative, wirtschaftsnahe Dienstleistungen sowie Handel – Reutlingen ist die Einkaufsstadt der Region – bestimmen den tertiären Sektor.

Historische Firmenrundfahrten
Bei „Baden-Württemberg schafft!“ kann man die spannende Geschichte der Wirtschaft im Land buchstäblich „erfahren“: Auf historischen Busrundfahrten mit modernen Gelenkbussen des RSV, die vom Zentralen Omnibusbahnhof über Karlstraße, Silberburgstraße, Sondelfinger Straße, Föhrstraße, Emil-Adolff-Straße und Bantlinstraße bis ins Interkommunale Industriegebiet Reutlingen-West/Kusterdingen (Mark West) führen, wird der tiefgreifende Strukturwandel der Reutlinger Wirtschaft eingehend erläutert und veranschaulicht.

10 bis 16 Uhr, alle 30 min, Abfahrt am Zentralen Omnibusbahnhof (Eberhardstraße).

Leistungsschau in Mark West
Neuansiedlungen, Neugründungen, Umstrukturierungen und die Besiedelung neuer Industriegebiete prägten Reutlingens Wirtschaft in den vergangenen drei Jahrzehnten. In den modernen Gewerbezonen spiegelt sich die vielfältige Struktur der Reutlinger Wirtschaft wieder. Hier entstehen die Arbeitsplätze von morgen. Deshalb hat „Baden-Württemberg schafft!“ seinen Höhepunkt in einer Leistungsschau der Unternehmen im Industriegebiet Mark West. Diese werden ihre innovativen Produkte, ihre kreativen Dienstleistungen und sich selbst präsentieren. Vielfältige Angebote und Aktionen, Kinderprogramm und Bewirtung machen Mark West an diesem Tag zu einem Ausflugsziel für die ganze Familie. Mit einem kostenlosen ganztägigen Busshuttle sind die einzelnen Bereiche bequem zu erreichen.

Tag der offenen Tür im Industriegebiet Mark West am 13. Juni von 10 bis 24 Uhr.

(Quelle: Stadt Reutlingen)