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Wirtschaft | Fr, 16.12.2011 12:20

Baden-Württemberg verzeichnet wachstumsstarkes Jahr 2011 – abgeschwächte Dynamik 2012

Nach aktuellem Berechnungsstand stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Baden-Württemberg in diesem Jahr um rund 4 Prozent. Nachdem das reale BIP schon 2010 um 5,5 Prozent zulegte, befindet sich die Wirtschaftsleistung bereits wieder über dem Niveau des Jahres 2008, dem Stand vor der Wirtschaftskrise. Nach zwei äußerst wachstumsstarken Jahren in Folge wird sich die gesamtwirtschaftliche Dynamik 2012 abschwächen, wie auch der Konjunkturindikator des Statistischen Landesamts anzeigt. Aus heutiger Sicht dürfte das reale BIP in Baden-Württemberg im Jahr 2012 um etwa 1,5 Prozent steigen.


„Baden-Württembergs Wirtschaft zeigt sich zum Jahreswechsel in glänzender Verfassung. 2011 war ein weiteres wachstumsstarkes Jahr. Für 2012 erwarten wir eine abgeschwächte Dynamik“, so fasste die Präsidentin des Statistischen Landesamtes, Dr. Carmina Brenner, ihre Einschätzungen zur Wirtschaftsentwicklung auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Minister für Finanzen und Wirtschaft des Landes Baden-Württemberg, Dr. Nils Schmid, zusammen.

Ein wesentlicher Eckpfeiler der baden-württembergischen Konjunktur war einmal mehr der Außenhandel. In den ersten drei Quartalen 2011 stiegen die Ausfuhren nach vorläufigen Berechnungen um rund 15 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum an. Es deutet sich damit schon jetzt an, dass die Exporte 2011 mit einem Volumen von schätzungsweise 172 Mrd. Euro einen neuen Rekord erreichen werden. Nach wie vor liegen die Hauptabsatzmärkte für baden-württembergische Produkte in Europa – über die Hälfte der Ausfuhren gehen in Länder der Europäischen Union. Da sich die Wachstumspole der Weltwirtschaft aber schon seit geraumer Zeit unter den Schwellen- und Entwicklungsländern befinden, verschieben sich jedoch die Gewichte: Belegte beispielsweise China im Jahr 2002 unter den bedeutendsten Bestimmungsländern für baden-württembergische Güter noch den elften Platz, rückte dieser Markt 2011 auf den vierten Platz vor: 7,7 % der Ausfuhren gingen in den ersten drei Quartalen dorthin. Größter Auslandsmarkt sind nach wie vor die USA, hier wurden 9 Prozent der Exportgüter nachgefragt, gefolgt von der Schweiz (8,4 Prozent) und Frankreich, dem wichtigsten Handelspartner innerhalb der EU (8,3 Prozent). Nach Großbritannien gehen 5,1 Prozent der Exporte (Platz 8).

Die zurückliegende Phase der Hochkonjunktur hat die Nachfrage nach Arbeitskräften einmal mehr deutlich ansteigen lassen. Die Erwerbstätigenzahl ist 2011 schätzungsweise um etwa 1,5 Prozent gestiegen, was einem Plus von rund 80.000 Erwerbstätigen entspricht. Für 2012 ist mit einem weiteren, wenn auch abgeschwächten Anstieg von 0,5 Prozent zu rechnen. Der größte Teil der Beschäftigungszunahme des Jahres 2011 dürfte dem Bereich der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten zuzuschreiben sein, der in Baden-Württemberg knapp 4 Millionen Personen der rund 5,6 Millionen Erwerbstätigen umfasst. Nach vorläufigen Angaben der Bundesagentur für Arbeit stieg die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im ersten Dreivierteljahr im Verarbeitenden Gewerbe um 1,7 Prozent, im Dienstleistungssektor um 3,0 Prozent. Dem Beschäftigungsaufbau entsprechend geht die Arbeitslosigkeit im Land zurück. Die Zahl der Arbeitslosen lag zwischen Januar und November 2011 bei durchschnittlich 229.000 Personen. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht dies einer Abnahme um 47.000 Personen oder 17 Prozent. Die Arbeitslosenquote – bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen – belief sich im November 2011 auf nur noch 3,6 Prozent (Deutschland: 6,4 Prozent). Das ist nach Bayern (3,3 Prozent) die zweitniedrigste Quote in Deutschland.

Die günstige Arbeitsmarktlage lässt deutliche positive Impulse für die Einkommensentwicklung erwarten. Neben der Zunahme der Erwerbstätigkeit, insbesondere der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung, dürften auch die Durchschnittsverdienste von der guten Arbeitsmarktentwicklung profitieren, indem vermehrt Überstunden erbracht und zusätzliche Sonderzahlungen geleistet werden. So lagen die durchschnittlichen Bruttomonatsverdienste im Verarbeitenden Gewerbe Baden-Württembergs im ersten Halbjahr 2011 um 8,6 Prozent über ihrem Vorjahreswert. Auch für andere Wirtschaftsbereiche lassen sich Verbesserungen des Verdienstniveaus beobachten. Gesamtdeutsche Zahlen zum Unternehmens- und Vermögenseinkommen weisen ebenfalls deutlich positive Vorjahresveränderungsraten auf. Kehrseite der ausgezeichneten (weltweiten) Konjunktur waren die Preissteigerungen, die die Kaufkraft der verfügbaren Einkommen schmälerten. Die Verbraucherpreise sind 2011 in Baden-Württemberg so stark gestiegen, wie seit drei Jahren nicht mehr. Im Durchschnitt der Monate Januar bis November lag der Index der Verbraucherpreise um 2,4 Prozent über dem Vorjahresniveau. In erster Linie war dieser Anstieg auf die Verteuerung von Energie, insbesondere Mineralölprodukte zurückzuführen. Für die Verbraucher war dies umso schmerzlicher, als die Ausgaben für Haushaltsenergie und Kraftstoffe immerhin 10 Prozent der Konsumausgaben ausmachen.

(Redaktion)