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| Do, 17.07.2008 10:38

Baden-Württembergs Landestierschutzbeirat spricht sich für Maßnahmen gegen das krankhafte Sammeln von Tieren durch Privatpersonen aus

387.000 Euro Fördermittel bereitgestellt / Staatssekretärin Gurr-Hirsch: "Die Förderung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch ist ein wichtiger Beitrag zum Tierschutz in Baden-Württemberg“


"Erklärtes Ziel der Landesregierung ist es, die Zahl und die Belastung von Versuchstieren weiter zu verringern. Die im letzten Jahr aufgenommene Förderung von Forschungsprojekten zur Entwicklung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch wird fortgesetzt. Als Bundesland mit zahlreichen herausragenden Forschungseinrichtungen im Bereich der Hochschulen und der Industrie ist es wichtig, den Tierschutzgedanken bei der Verwendung von Versuchstieren konsequent umzusetzen", sagte die Staatssekretärin im baden-württembergischen Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum, Friedlinde Gurr-Hirsch MdL, am Mittwoch (16. Juli) in Stuttgart.

Für die Forschungsförderung in diesem Bereich stellt die Landesregierung seit 2007, zunächst befristet für drei Jahre, jährliche Mittel in Höhe von 300.000 Euro zur Verfügung. Aufgrund der Weiterbewilligung von Projekten aus dem letzen Jahr und der großen Zahl förderwürdiger Anträge wurden die für die Jahre 2008 und 2009 zur Verfügung stehende Summe von insgesamt 387.000 Euro auf vier Projekte an den Universitäten Freiburg, Tübingen und Ulm verteilt. Die Projekte beschäftigen sich mit der Entwicklung von Verfahren zur Prüfung krebsfördernder oder embryonenschädigender Eigenschaften von Stoffen, Untersuchungen zur Schwerhörigkeit am Innenohr sowie genetischer Faktoren bei Nierenerkrankungen. Anstelle von Tieren werden hierfür Zell- oder Organkulturen sowie bebrütete Hühnereier verwendet.

Der Landesbeirat für Tierschutz hat in seiner letzten Sitzung die Regierungskoalition ausdrücklich um eine Fortsetzung des sehr erfolgreichen Programms über das Jahr 2009 hinaus gebeten.

Sammeln lebender Tiere - ein zunehmendes gesellschaftliches Phänomen
Der Landesbeirat für Tierschutz hat in seiner letzten Sitzung festgestellt, dass die Tiersammelsucht ( animal hoarding ), also das über jedes vernünftige Maß hinausgehende Sammeln und Halten zahlreicher Tiere durch Privatpersonen oder Züchter unter häufig katastrophalen Bedingungen ein zunehmendes, ernsthaftes Problem darstellt.
Behörden und Tierschutzvereine würden bei Bekanntwerden derartiger Haltungen meist mit kaum lösbaren Aufgaben konfrontiert. Häufig müsse innerhalb kürzester Zeit eine große Zahl von Tieren weggenommen und geeignet untergebracht werden. Vielfach seien solche Fälle sowohl logistisch als auch bezüglich der damit verbundenen Kosten kaum zu bewältigen. Der Landesbeirat hat deshalb angeregt, gemeinsam nach Lösungen für dieses Phänomen zu suchen. Aufgrund enorm steigender Fallzahlen wird der Suchtcharakter dieses Verhaltens auch in Deutschland derzeit intensiv diskutiert. Der Kontrollverlust wird bei den betroffenen Tierhaltern deutlich, wenn immer mehr Tiere selbst in kleinen Wohnungen gehalten werden. Die Betroffenen sind dabei unfähig, die hygienischen Probleme und die schlechten Haltungsbedingungen realistisch einzuschätzen. Sie sind davon überzeugt, dass es ihren Tieren trotz der widrigen Umstände gut gehe. Im Rahmen einer Veranstaltung mit Beteiligung von Fachleuten sollen geeignete Maßnahmen diskutiert werden. Ein zentrales Anliegen sind hierbei auch die Möglichkeiten eines rechtzeitigen präventiven Eingreifens.

"Ich bitte die Bürgerinnen und Bürger ausdrücklich, größere Tieransammlungen, bei denen Anzeichen für ein Animal hoarding vorliegen, möglichst frühzeitig der zuständigen Behörde oder dem örtlichen Tierschutzverein zu melden", betonte Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch.

Quelle: Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum