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Wirtschaft | Mo, 30.07.2012 08:18

Baden-Württembergs Wirtschaft trotz zyklischer Abschwächung weiter auf Wachstumskurs

Trotz abgeschwächter Dynamik bleibt Baden-Württembergs Wirtschaft weiterhin auf Wachstumskurs. Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte gemäß der Prognose des Statistischen Landesamts im Jahr 2012 um rund 1,75 Prozent gegenüber dem Vorjahr wachsen.

Wirtschaft in Baden-Württemberg: Abgeschwächte Dynamik – Talsohle erreicht. (Grafik: Stat. Landesamt)

Wirtschaft in Baden-Württemberg: Abgeschwächte Dynamik – Talsohle erreicht. (Grafik: Stat. Landesamt)


Damit liegt die Wirtschaftsleistung trotz der zyklischen Abschwächung der Konjunktur noch immer über dem Trend. Der Gesamtkonjunkturindikator des Statistischen Landesamts zeigt an, dass hier eine Bodenbildung erreicht sein könnte. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass diese Prognose mehr denn je mit Unsicherheiten behaftet ist, da die wirtschaftliche Entwicklung wesentlich von den politischen Maßnahmen zur Bewältigung der Schuldenkrise im Euro-Raum abhängt.

Noch steigen die realen Inlandsumsätze des baden-württembergischen Verarbeitenden Gewerbes zumindest im Vorjahresvergleich: im Durchschnitt der Frühjahrsmonate März bis Mai 2012 lagen die Werte arbeitstäglich bereinigt rund 1 Prozent über denen des Vorjahres. Im Winter betrug die entsprechende Rate noch rund 5 Prozent. Die Binnenkonjunktur der Industrie hat sich damit deutlich abgeschwächt. Auch der Vergleich mit der Vorperiode bestätigt diesen Befund: arbeitstäglich und saisonbereinigt gingen die Inlandsumsätze sogar um 1,5 Prozent zurück.

Was für die baden-württembergische Industrie insgesamt gilt, lässt sich in ähnlicher Form auch für die Investitionsgüterproduzenten beobachten: lag das Vorjahreswachstum der Umsätze im Winter hier noch bei 9 Prozent, konnte zuletzt nur noch ein Plus von 2,5 Prozent verbucht werden; die Veränderungsrate der Frühjahrswerte gegenüber der Vorperiode belief sich auf -1,25 Prozent. Augenfällig ist die unterschiedliche Geschäftslage der beiden Schwergewichte der heimischen Industrie, dem Fahrzeugbau und dem Maschinenbau. Der konjunkturelle Schwung im Fahrzeugbau ist nach wie vor kaum gebremst, was sich zum einen an dem Umsatzplus von 6,5 Prozent der Monate März bis Mai 2012 gegenüber dem Vorjahr zeigt, aber auch an der Erlössteigerung von 1,25 Prozent gegenüber der Vorperiode. Im Maschinenbau sieht die Lage weniger rosig aus: gegenüber dem Vorjahr ist ein Rückgang von 2,5 Prozent zu registrieren. Auch gegenüber der Vorperiode gehen die Umsätze zurück, und zwar saisonbereinigt um mehr als 3 Prozent. Der Abschwung in der Binnennachfrage, der im Maschinenbau im Herbst letzten Jahres eingesetzt hat, setzt sich damit fort. Die inländischen Auftragseingänge der Industrie gingen im Frühjahr um mehr als 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Eine konjunkturelle Wende zum Besseren ist leider nicht in Sicht.

Während die Inlandsumsätze des Verarbeitenden Gewerbes in Baden-Württemberg ihren Zenit überschritten haben, ist die Situation für das Auslandsgeschäft weitaus positiver. Angesichts der sich eintrübenden Konjunkturaussichten insbesondere im europäischen Ausland mag es überraschen, aber die Umsatzsteigerung gegenüber dem Vorjahreszeitraum belief sich im Durchschnitt der Monate März bis Mai 2012 real und arbeitstäglich bereinigt auf 5 Prozent – ein unwesentlich niedrigerer Wert als im Winter. Auch gegenüber der Vorperiode stiegen die saisonbereinigten Industrieumsätze (+1,25 Prozent), wenn auch mit sich abschwächender Rate.

Nach gewohntem Muster wird das Auslandsgeschäft der baden-württembergischen Industrie im Wesentlichen von der Nachfrage nach Investitionsgütern getragen. Hier belief sich das Vorjahresplus auf 7 Prozent. Der Konjunkturverlauf des Auslandsgeschäfts bei Maschinenbau und Fahrzeugbau stellt sich deutlich anders dar als bei der Binnennachfrage: der Maschinenbau meldet nicht nur gegenüber dem Vorjahr ein sattes reales und arbeitstäglich bereinigtes Umsatzplus von 9 Prozent, sondern legte im Frühjahr 2012 saison- und arbeitstäglich bereinigt auch gegenüber der Vorperiode um beachtliche 3 Prozent zu. Der Fahrzeugbau weist gegenüber dem Vorjahr ebenfalls ein starkes, wenn auch nachlassendes Wachstum von 8 Prozent aus. Allerdings haben sich die Auslandserlöse hier zuletzt gegenüber der Vorperiode deutlich abgeschwächt: saison- und arbeitstäglich bereinigt stagnierten die Umsätze nahezu.

Noch vor einem Vierteljahr wurde für die Industrie angesichts rückläufiger Auslandsbestellungen eine schwächere Nachfrageentwicklung befürchtet. In den Frühjahrsmonaten ist das Volumen der Auftragseingänge jedoch wieder überraschend stark angestiegen: real und arbeitstäglich bereinigt um knapp +6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, saison- und arbeitstäglich bereinigt um fast 4 Prozent gegenüber den Wintermonaten. Diese Entwicklung lässt erwarten, dass das Auslandsgeschäft der baden-württembergischen Industrie wieder neuen Schub erhält.

Neue Impulse für die Konjunktur könnten sich auch aus der nach wie vor ausgezeichneten Lage am Arbeitsmarkt ergeben. Die Anzahl der Arbeitslosen im Land belief sich im zweiten Quartal 2012 auf 217.000 Personen. Im Juni lag die Arbeitslosenquote bei 3,7 Prozent. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten übertraf zwischen Februar und April das Vorjahresniveau um 105.000. Nicht nur die steigende Erwerbstätigkeit stützt prinzipiell die Binnennachfrage, sondern auch der im zweiten Quartal verlangsamte Anstieg der Verbraucherpreise (+1,8 Prozent im Vorjahresvergleich). Zurückzuführen ist dies auch auf weniger starke Steigerungsraten bei Mineralölprodukten.

(Redaktion)