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| Fr, 23.04.2010 09:30

Bagatelle oder fehlender Anstand? Experten reflektieren auf der Messe Personal2010 aktuelle Entwicklungen im Arbeitsrecht

Ob Maultaschen, Getränkebons, Bienenstiche oder Frikadellen – die Zahl der Fälle, in denen Arbeitnehmer Kleinigkeiten stehlen und deshalb von ihren Arbeitgebern entlassen werden, scheint zuzunehmen. Doch wo genau liegt die Grenze zur Bagatelle? Das ist nur eine der vielen arbeitsrechtlichen Fragen, mit denen sich Fachanwälte und Unternehmensvertreter in Vorträgen und Podiumsdiskussionen auf der Personal2010 am 27. und 28. April in Stuttgart beschäftigen.

Die Messe Personal2010 findet am 27. und 27. April in Stuttgart statt. (Foto: spring Messe Management GmbH & Co. KG)

Die Messe Personal2010 findet am 27. und 27. April in Stuttgart statt. (Foto: spring Messe Management GmbH & Co. KG)


„Ein barbarisches Urteil von asozialer Qualität“, so bewertete Wolfgang Thierse die mittlerweile berühmt-berüchtigte Emmely-Entscheidung. Damit hat er laut ausgesprochen, was weite Teile der Bevölkerung und der Medienvertreter denken. Doch was wäre, wenn jeder Mitarbeiter seinen Arbeitgeber bis zu einer bestimmten Grenze bestehlen dürfte? Wo genau sollte die Grenze verlaufen – bei 10, 20 oder 50 Euro? Und wie oft darf der Arbeitnehmer das, bevor die Kündigung droht – einmal, zweimal oder zehnmal? Angesichts dieser schwierigen Fragen konterte die Präsidentin des Bundesarbeitsgerichts, Ingrid Schmidt, kürzlich mit der Auffassung, dass Diebstähle von Arbeitnehmern auch in kleinerem Ausmaß etwas mit „fehlendem Anstand“ zu tun hätten und es arbeitsrechtlich betrachtet keine Bagatellen gebe.

Auf der Personal2010 diskutieren Wolf J. Reuter, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht für Jacobsen Rechtsanwälte, Jörg Mink, Unternehmer im Bereich Gastronomie, Catering, Feinkost und Consulting und ein Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsbunds unter der Moderation von Stefanie Kirschner, Redakteurin der Zeitschrift „Arbeit und Arbeitsrecht“, über diese kontroversen Blickwinkel.

Insbesondere Mitarbeiter, die als Minderleister, sogenannte „Low-Performer“ gelten, möchten Unternehmen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gern von ihrer Gehaltsliste streichen. Welche Schlechtleistungen arbeitsrechtlich als Vertrags- oder Pflichtverletzung gelten, führt Dr. Susanne Giesecke, Partnerin und Rechtsanwältin der Wirtschaftskanzlei Heisse Kursawe Eversheds, in ihrem Vortrag „Umgang mit Low-Performern - arbeitsrechtliche Aspekte und taktische Vorgehensweise“ aus.

Doch oftmals fehlt es den Mitarbeitern lediglich an Motivation. Gerade in den vergangenen Monaten haben viele Unternehmen Umstrukturierungen in Angriff genommen, Personal abgebaut oder mit Sanierungsmodellen die Belegschaft verunsichert. Deshalb genügt es nicht, einzelne Arbeitnehmer als schwarze Schafe an den Pranger zu stellen.

Um Produktivität und Leistungsbereitschaft nicht zu gefährden, sind Personalverantwortliche in der Pflicht, das Vertrauen der Belegschaft zurückzugewinnen und Mitarbeiter im Unternehmen zu halten. Dr. Barbara Reinhard und Dr. Katja Mückenberger, beide Fachanwältinnen der Rechtsanwaltsgesellschaft Beiten Burkhardt, stellen dazu Motivationsmodelle im Arbeitsrecht vor und beleuchten deren strategische Umsetzung.

Neben diesen thematischen Schwerpunkten können sich die Besucher auf Süddeutschlands größter Messe für Personalmanagement auch darüber informieren, was sich derzeit auf der Ebene der Rechtssprechung und Gesetzgebung alles tut: Dr. Peter Rambach, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht in der Sozietät Dr. Fettweis & Sozien, und Christoph Tillmanns, Vorsitzender Richter am Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg, skizzieren aktuelle Urteile sowie langfristig zu erwartende gesetzliche Änderungen – etwa aufgrund des Koalitionsvertrages.

(Redaktion/spring)