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Wirtschaft | Mi, 13.06.2012 07:57

BDI-Mittelstandspanel: Lage der Unternehmen gut, Perspektive unsicher

Mehr als jedes zweite mittelständische Industrieunternehmen (53 Prozent) schätzt die aktuelle wirtschaftliche Lage als sehr gut oder gut ein. Die Erwartungen der Befragung aus dem Herbst 2011 wurden diesmal deutlich übertroffen. Das zeigt das aktuelle BDI-Mittelstandspanel, welches der BDI am Dienstag in Berlin vorstellte.


Als größtes Konjunkturrisiko sehen die Unternehmen mehrheitlich die Schuldenkrise in Europa (68 Prozent). Die Entwicklung der Energiepreise (67 Prozent) und Rohstoffpreise (62 Prozent) gilt ebenfalls als Risiko für die nähere Zukunft. Trotz der konjunkturellen Risiken bleibt die Bewertung der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen stabil: Aktuell bezeichnen 43 Prozent der Industrieunternehmen die Rahmenbedingungen als "gut" bis "sehr gut".

"Die Unternehmen verlangen jedoch verstärkte Anstrengungen im Bereich der Energiepolitik - vor allem Verlässlichkeit und Planungssicherheit", sagte Arndt G. Kirchhoff, Vorsitzender des BDI/BDA-Mittelstandsausschusses. "Zugleich fordert der industrielle Mittelstand im Interesse eines nachhaltigen Wachstums stärkere Impulse in der Innovationspolitik. Ein geeignetes Instrument ist die steuerliche Forschungsförderung."

Im Hinblick auf die Investitionsaktivitäten der Unternehmen deuten die Panel-Ergebnisse für 2012 auf ein schwächeres Wachstum als im vorigen Jahr hin. Kurt Demmer, Chefvolkswirt der IKB Deutsche Industriebank AG, führt diese Entwicklung auf eine Taktik der "kontrollierten Offensive" zurück, die wegen der aktuellen Konjunkturrisiken nicht überraschen könne. Grundsätzlich aber sei die Investitionsbereitschaft nach wie vor hoch, vor allem angesichts weiterhin günstiger Geschäftsaussichten in wichtigen außereuropäischen Wachstumsmärkten. "Nur mit ständiger Modernisierung von Produktion, Entwicklung und Logistik werden die Unternehmen in der Lage sein, die großen Absatzchancen auf den globalen Märkten wahrzunehmen", sagte Demmer. Insofern sei es keineswegs unwahrscheinlich, dass die Investitionen stärker als geplant zunehmen, wenn die Konjunktursignale wieder eindeutiger auf Grün stehen.

Unternehmen falle es immer schwerer, qualifiziertes Personal zu finden, sagte Peter Englisch, Partner bei Ernst & Young GmbH. Jedes zweite Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten berichte von entsprechenden Schwierigkeiten. Am stärksten seien die Probleme bei den Fachkräften mit Berufsausbildung. Sieben von zehn Unternehmen mit offenen Stellen berichten von Schwierigkeiten in diesem Feld. Aber auch im akademischen Bereich sei die Situation kritisch. Hier sind es rund sechs von zehn Unternehmen, die von Problemen berichten. Mittel- und langfristig besonders besorgniserregend sei jedoch die Situation bei den Auszubildenden. Mittlerweile klagen drei von zehn Unternehmen mit freien Ausbildungsplätzen über Schwierigkeiten bei deren Besetzung. Das seien knapp doppelt so viele wie im Jahr 2008. Englisch: "Der Schaden, der durch den Fachkräftemangel verursacht wird, ist bereits heute beträchtlich. Er wird aber in Zukunft noch deutlich steigen und sich zu einem erheblichen Problem für die deutsche Wirtschaft auswachsen. Und gerade die mittelständischen Unternehmen drohen im verschärften Wettbewerb um ein knapper werdendes Arbeitskräftepotenzial ins Hintertreffen zu geraten."

Die gute Stimmung im industriellen Mittelstand basiert auf dem positiven Abschluss des Geschäftsjahres 2011. Neben der Auslandsnachfrage zog die Inlandsnachfrage an. "Die positive Geschäftsentwicklung zeigte auch Auswirkungen auf den Beschäftigtenstand: Nach zwei Jahren des Abbaus wurde 2011 wieder ein Beschäftigungsplus erzielt", analysierte Professor Frank Wallau aus dem Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn. "Nach wie vor sorgen die Konjunkturrisiken für Unsicherheit, die sich in vorsichtigen Umsatz- und Beschäftigungsprognosen für das aktuelle Geschäftsjahr widerspiegeln."

(Redaktion)