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Wirtschaft | Do, 06.12.2012 09:02

BDI-Mittelstandspanel: Perspektive schlechter als aktuelle Lage

Die Stimmung in den mittelständischen Industrieunternehmen trübt sich leicht ein. 46 Prozent Unternehmen beurteilen ihre gegenwärtige Situation positiv. Im vergangenen Juni waren es noch 53 Prozent. Der Anteil der Unternehmen mit negativen Äußerungen zur wirtschaftlichen Lage hat sich im untersuchten Zeitraum dagegen von neun auf 17 Prozent nahezu verdoppelt. Das sind Ergebnisse des aktuellen Mittelstandspanels des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).


Die konjunkturelle Entwicklung wird aktuell von der Staatsschuldenkrise in Europa und strukturellen Wachstumshemmnissen geprägt. Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen im Industrieland Deutschland verschlechtern sich nach Einschätzung der befragten Unternehmen leicht. Aktuell erachten 38 Prozent der Industrieunternehmen die Rahmenbedingungen als "gut" bis "sehr gut". Gegenüber der Frühjahrsbefragung ist dies ein Rückgang um fünf Prozentpunkte. Vor allem exportorientierte Unternehmen blicken pessimistischer in die Zukunft.

„Die gute Nachricht ist: Die Grundstimmung der mittelständischen Industrieunternehmen ist nach wie vor positiv“, sagte Arndt G. Kirchhoff, Vorsitzender des BDI/BDA-Mittelstandsausschusses. „Die weniger gute Nachricht ist jedoch: Die Perspektiven sind sehr unsicher. Viele Unternehmen fahren auf Sicht und planen von Monat zu Monat.“

Die Panel-Ergebnisse zeigen die wachsende Bedeutung der großen Schwellenländer als Absatzmärkte auch für den industriellen Mittelstand. Dabei werde es, so IKB-Chefvolkswirt Kurt Demmer, für die Unternehmen immer wichtiger, nicht nur mit einem schlagkräftigen Vertrieb, sondern auch mit Fertigungs- und Entwicklungskapazitäten direkt vor Ort präsent zu sein. „Ein Stück weit wird in Zukunft Export durch Auslandsproduktion ersetzt; Deutschland wird daher immer weniger um den Titel des Exportweltmeisters mitspielen“, so Demmer. Arbeitsplätze in Deutschland seien dadurch aber nicht gefährdet. Denn: „Es geht hier vorrangig um Erschließung neuer, zusätzlicher Absatzpotenziale - und nicht um Verlagerung aus Kostengründen.“ Demmer sieht sogar Chancen für neue Arbeitsplätze in Deutschland. Denn die Unternehmen bauen im Zuge ihrer Internationalisierung zentrale Funktionen wie Planung oder Steuerung aus.  

Die Studie zeigt zudem, dass der deutsche Mittelstand immer stärker auf Innovationen setzt, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Mehr als die Hälfte der Unternehmen (54 Prozent) betreiben Forschung und Entwicklung. Dabei setzen sie vor allem auf Produktinnovationen (49 Prozent) und Prozessinnovationen (46 Prozent) - ein deutlicher Zuwachs um fünf bzw. sieben Prozentpunkte gegenüber dem Jahr 2010.

„Trotz der hohen Arbeitskosten werden die Unternehmen am Standort Deutschland wettbewerbsfähig bleiben, wenn sie an anderer Stelle einen echten Mehrwert bieten. Dieser Mehrwert wird zukünftig noch stärker als heute in einem Plus an Innovation liegen“, sagte Peter Englisch, Partner bei Ernst & Young. Zudem zahlten sich Investitionen in Forschung und Entwicklung unmittelbar aus: „Die Studie zeigt, dass die Innovationsausgaben der mittelständischen Industrieunternehmen knapp vier Prozent des Gesamtumsatzes entsprechen - mit innovativen Produkten und Dienstleistungen werden hingegen fast zehn Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaftet. Innovationen lohnen sich“, stellte Englisch fest. Umso wichtiger sei es, dass Deutschland den Unternehmen ein innovationsförderndes Umfeld biete.

Neben Innovationen gewinnen produktbegleitende (Dienst-)Leistungen zunehmend an Relevanz, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Mehr als drei von vier Industrieunternehmen bieten ihren Kunden neben dem reinen Verkauf ihrer Produkte begleitende Dienstleistungen wie Beratungs-, Reparatur- oder Montageleistungen an. Das Angebot solcher Zusatzleistungen zielt in erster Linie auf die Erhöhung der Kundenzufriedenheit. „Dienstleistungen rund um das eigentliche Kerngeschäft werden so für die Industrieunternehmen immer wichtiger, um sich von den Wettbewerbern zu differenzieren“, so Frank Wallau, Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn.

(Redaktion)