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Wirtschaft | Di, 02.12.2008 11:02

Bilanzrecht: Minister Rippel unterstützt Professoren

Initiative gegen Fair-Value-Prinzip aus Saarbrücken


Der saarländische Wirtschafts- und Wissenschaftsminister Joachim Rippel hat einer Saarbrücker Initiative gegen den Einzug des Fair-Value-Prinzips ins deutsche Bilanzrecht seine Unterstützung zugesagt. Der Initiative gehören die renommierten Professoren Bieg, Bofinger, Küting, Kussmaul, Waschbusch und Weber an.

„Die Anwendung des Fair-Value-Prinzips führt im Vergleich zu den Normen des deutschen Handelsgesetzbuchs zu einem wesentlich volatileren Gewinn- und Eigenkapitalausweis. Aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive betrachtet, verschärft ein volatiler Gewinn- und Eigenkapitalausweis die Auswirkungen einer Finanzkrise. Daher ist die Saarbrücker Initiative zu begrüßen“, erklärte Minister Rippel.

In der Phase stetig steigender Marktpreise und damit steigender Wertansätze verstärke die Fair Value-Bewertung eine allgemeine Bewertungsblase. Die derzeitige Finanzmarktkrise dokumentiere dagegen eindrucksvoll, wie die Fair Value-Bewertung bei Umkehrung eines Markttrends auch eine Krise verstärken und beschleunigen kann.

Nach aktuellen Plänen auf Bundesebene zur Modernisierung des deutschen Bilanzrechts sollen Finanzinstrumente wie Aktien, Schuldverschreibungen, Fondsanteile und Derivate (Optionen, Forwards, Swaps), die zu Handelszwecken erworben sind, künftig bei allen Unternehmen zum Bilanzstichtag mit dem Zeitwert (Fair Value) und nicht nach dem Anschaffungskostenprinzip bewertet werden. Dagegen hat sich eine Initiative gebildet.

Bei der anstehenden Wirtschaftsministerkonferenz am 15./16. Dezember will Minister Rippel seine Kollegen für dieses wichtige Thema sensibilisieren und auf die Saarbrücker Initiative aufmerksam machen, damit unter anderem in den Beratungen im Bundesrat die Thesen der Saarbrücker Initiative ausreichend Berücksichtigung finden können.

Hintergrund:
Im Vordergrund der aktuellen Reform (Gesetz zur Modernisierung des Bilanzrechts) stehen zum einen die Deregulierung und Kostensenkung, insbesondere für die kleinen und mittelständischen Unternehmen. Zweiter Schwerpunkt - und Kritikansatz der Saarbrücker Initiative - sind die Verbesserungen bei der Aussagekraft des handelsrechtlichen Jahresabschlusses.

Die International Accounting Standards IFRS aus dem angelsächsischen Raum – welche in Konkurrenz zum deutschen Handelsgesetzbuch (HGB) stehen - sind auf kapitalmarktorientierte Unternehmen zugeschnitten. Die weit überwiegende Anzahl der rechnungslegungspflichtigen deutschen Unternehmen nimmt den Kapitalmarkt aber gar nicht in Anspruch. Das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz wählt deshalb einen anderen Ansatz: Es baut das bewährte HGB-Bilanzrecht zu einem Regelwerk aus, das den internationalen Rechnungslegungsstandards gleichwertig, aber wesentlich kostengünstiger und in der Praxis einfacher zu handhaben ist.

Das bedeutet: Wenn sich Wertänderungen des Finanzprodukts ergeben, ohne dass das Unternehmen den Gewinn durch einen Verkauf des Papiers realisiert hat, wird die Wertänderung in der Gewinn- und Verlustrechnung erfasst. Letztlich fließen damit nicht nur die realisierten, sondern in begrenztem Umfang auch die jederzeit realisierbaren Gewinne und Verluste in die Gewinn- und Verlustrechnung ein.

Quelle: Saarländisches Ministerium für Wirtschaft und Wissenschaft