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Wirtschaft | Do, 24.03.2011 10:30

BME-Barometer: Unternehmen investieren wieder mehr in E-Procurement-Lösungen

Das Zögern ist vorbei: Dank boomender Konjunktur investieren deutsche Unternehmen wieder mehr in elektronische Beschaffungslösungen zur Optimierung der Geschäftsabläufe (E-Procurement). Und das mit gutem Grund: Die Unternehmen senkten ihre Einstandskosten im Durchschnitt um 5 % (beim Einsatz von Katalogsystemen), 5 % (bei Ausschreibungslösungen) und 12 % (bei Auktionslösungen).


Hinzu kommt die Reduktion der Prozesskosten von durchschnittlich 25 % (Katalogsystemen), 10 % (Ausschreibungslösungen) und 5 % (Auktionslösungen) sowie eine Reihe nicht direkt quantifizierbarer Erfolge wie die Erhöhung der Compliance. KMU profitieren dabei in ähnlichem Umfang, bei einigen Lösungen sogar mehr als Großunternehmen/Konzerne. Das geht aus den aktuellen Ergebnissen des jährlich erhobenen "BME Stimmungsbarometers Elektronische Beschaffung 2011" hervor.

Elektronische Kataloge sind das einzige Tool, das sich auf breiter Basis durchgesetzt hat, so dass es hier auch die wenigsten Bewegungen gibt. Bei Großunternehmen/Konzernen werden bei 9 von 10 Unternehmen bereits Katalogsysteme eingesetzt, bei den verbleibenden größeren Unternehmen scheint die Einführung nur eine Frage der Zeit zu sein.

Bei KMU arbeiten indes bisher noch über 40 % ohne entsprechendes System. Knapp die Hälfte dieser verbliebenen Unternehmen - und damit mehr als im Vorjahr - untersucht und plant aktuell die Einführung. Es kristallisiert sich jedoch heraus, dass vermutlich 15-20 % der KMU mittelfristig keine entsprechenden Systeme einsetzen werden.

Die hohe Einsatzrate über alle Unternehmensgrößen hinweg darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es bisher nur in Einzelfällen geschafft wurde, nahezu alle relevanten katalogfähigen Güter und Dienstleistungen zu integrieren.

E-Sourcing (Elektronische Ausschreibungen) ist das Tool mit der zweitgrößten Durchdringung. 37,3 % setzen Ausschreibungen ein. Die Quote der eine Einführung planenden Unternehmen ist auf 19,3 % gewachsen. Diese Steigerung geht vorwiegend auf Große/Konzerne zurück. Trend: Rund ein Drittel werden diese Lösungen mittelfristig nicht einsetzen (20-25 % Große/Konzerne; 40-50 % KMU) - vor allem aufgrund des aus Befragtensicht fehlenden Potenzials (Beschaffungsvolumen). Wie bei Kataloglösungen ist die Nutzungsintensität der im Einsatz befindlichen Systeme bei weitem noch nicht ausgereizt, hier stehen die Unternehmen hinsichtlich eines konsequenten Rollouts noch vor großen Herausforderungen.

Elektronische Auktionen hatten eine moderate Hochphase während der Wirtschaftskrise. Zwar ist die Quote der den Einsatz planenden Unternehmen etwas gestiegen -auch hier vornehmlich durch Großunternehmen/Konzerne getrieben -, aber gleichzeitig hält fast die Hälfte diese Lösungen für nicht relevant (64,3 % insbesondere KMU). Bei keinem anderen Tool geht die Schere bei den unterschiedlichen Unternehmensgrößen so weit auf. Während Auktionen für KMU wohl nur in Einzelfällen Bedeutung erlangen werden, scheinen sie sich mittelfristig bei Großunternehmen/Konzernen zu einem Standardtool zu entwickeln.

Lieferantenmanagement (E-SRM): Der Einsatz wird aktuell fast in jedem vierten Unternehmen geplant. Dies ist die höchste Rate aller untersuchten Lösungen - KMU und Großunternehmen/Konzerne sind hier vergleichbar. Zusätzlich halten weitere 27,6 % die Lösungen für relevant, planen kurzfristig aber keine Einführung. Damit scheint sich hier ein wesentliches Betätigungsfeld innerhalb des E-Procurement für die nächsten Jahre bei den befragten Unternehmen abzuzeichnen.

Dr. Holger Hildebrandt, Hauptgeschäftsführer, Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME): "Interessant ist, dass insbesondere KMU verstärkt wieder auf öffentliche, standardisierte Systeme setzen, anstatt individuelle Lösungen zu beauftragen. Die Kostenfrage ist hier entscheidend."

Prof. Dr. Ronald Bogaschewsky,Lehrstuhl für Industriebetriebslehre, Universität Würzburg: "E-Procurement-Lösungen lassen sich nicht nebenbei einführen. Sie müssen kontinuierlich gepflegt und weiterentwickelt werden. Um hier nicht zu scheitern, sind notwendige Ressourcen einzuplanen. Dass sich dies unter dem Strich für die Unternehmen lohnt, bestätigt auch die diesjährige Umfrage."

(Redaktion)