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Wirtschaft | Do, 26.04.2012 08:32

Boom auf dem Arbeitsmarkt dämpft Gründungsaktivität

In Deutschland haben sich im Jahr 2011 rund 835.000 Personen im Voll- und Nebenerwerb selbständig gemacht. Dies entspricht einem Rückgang gegenüber dem Jahr 2010 um 101.000 bzw. um -11 Prozent. Die Gründerquote, also der Anteil der Gründer an der Bevölkerung im Alter von 18 bis 65 Jahren lag im Jahr 2011 bei 1,6 Prozent (2010: 1,8 Prozent). Vom Gründungsgeschehen, das auch Übernahmen und Beteiligungen umfasst, entfiel auf Neugründungen 68 Prozent. Durch diese wurden insgesamt 453.000 vollzeitäquivalente Arbeitsstellen geschaffen, was im Vergleich zum Vorjahr einen deutlichen Rückgang um 129.000 Stellen, bedeutet.


„Der Rückgang des Bruttobeschäftigungseffektes ist mit 22 Prozent recht hoch ausgefallen. Dies ist nicht nur auf die abnehmende Gründungsaktivität sondern auch auf einen geringeren Mitarbeiterbedarf der Neugründer zurückzuführen. Dass trotz des Rückgangs nahezu ein halbe Million Vollzeitstellen geschaffen wurden, unterstreicht die große Bedeutung von Gründungen für den Arbeitsmarkt", stellt Dr. Norbert Irsch, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe bei der Vorstellung des Berichts fest.

Im Durchschnitt der Jahre 2007 bis 2011 zeigt sich, dass die Stadtstaaten Berlin (2,5 Prozent), Hamburg (2,3 Prozent) und Bremen (2,1 Prozent) die höchsten Gründerquoten aufweisen. "In den Ballungsräumen treffen ergiebige lokale Absatzmärkte sowie ein vielfältig qualifiziertes Arbeitskräfteangebot aufeinander. Zudem sind die Bedingungen für Networking und Informationsaustausch günstiger. Dies alles schafft Chancen und ein Klima, das Menschen ermutigt, sich selbständig zu machen", sagt Dr. Irsch. Die geringsten Gründerquoten weisen Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Saarland mit Werten von ca. 1 Prozent auf.

Die Struktur der Gründungsfinanzierung hat sich im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert: Zwei Drittel aller Gründer setzten finanzielle Mittel für ihren Start ein: von diesen griffen wiederum zwei Drittel auf eigene Mittel zurück. Diejenigen, die für ihren Start externe Finanzierungen verwendeten, nutzten am häufigsten Bankdarlehen (43 Prozent, 2010: 39 Prozent). Rund 16 Prozent (Vorjahr 14 Prozent) klagten dabei über Probleme bei der Mittelbeschaffung. Hierzu zählten insbesondere innovative Gründer, Gründer aus der Arbeitslosigkeit sowie Gründer mit einem größeren Finanzierungsbedarf (über 10.000 Euro). "Die Gründungsfinanzierung und -förderung ist in Deutschland - abgesehen von Venture Capital - im internationalen Vergleich zwar sehr gut aufgestellt. Allerdings haben Gründungen strukturelle Nachteile bei der Finanzierung ihrer Projekte, was einen nennenswerten Anteil an Gründern betrifft. Daher ist es eine unverändert wichtige wirtschaftspolitische Aufgabe, das Förderangebot in diesem Segment dauerhaft aufrechtzuerhalten, um den Zugang zur Gründungsfinanzierung zu erleichtern", sagt Dr. Irsch.

Eine Sonderauswertung des diesjährigen Berichts hat diejenigen Gründer in den Fokus genommen, deren Hauptmotiv die Umsetzung einer - in vielen Fällen innovativen - Geschäftsidee ist und die von Beginn an Mitarbeiter beschäftigen: Im Durchschnitt der Jahre 2008 bis 2011 liegt ihr Anteil an allen Gründern zwar nur bei 14 Prozent, aber: "Diese so genannten Entrepreneure sind wesentlich erfolgreicher als etwa Gründer, die ohne Mitarbeiter, und vor allem aufgrund fehlender Erwerbsalternativen starten: Während nach 3 Jahren 83 Prozent der Entrepreneur-Gründungen noch im Markt sind, sind es von den Projekten der anderen Gründer nur 71 Prozent ", hält Dr. Irsch fest. "Für das Jahr 2012 erwarten wir einen weiteren Rückgang der Gründungsaktivität. Wir rechnen für dieses Jahr nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent - nach 3,1 Prozent im Jahr 2011. Die somit schwächere Konjunktur und eine im Vergleich zu 2011 geringere Entspannung des Arbeitsmarktes würden für sich genommen zu einer Stabilisierung der Gründungsaktivität führen. Aber die restriktivere Ausgestaltung des Gründungszuschusses und ihre Anwendung seit Beginn dieses Jahres überlagert diese Entwicklung und wird dazu führen, dass die Gründerzahl sinkt", kommentierte Dr. Irsch.

(Redaktion)