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Wirtschaft | Fr, 27.05.2011 12:28

Brummende Industriekonjunktur 2010 im Südwesten – aber noch keine breite Zunahme an Arbeitsplätzen

Das Jahr 2010 brachte der Südwestindustrie einen plötzlich rasanten konjunkturellen Aufschwung und die glänzenden Konjunkturdaten lassen den tiefen Einbruch vom Krisenjahr 2009 fast schon in Vergessenheit geraten. Nach Feststellung des Statistischen Landesamtes erhielten die heimischen Industriebetriebe preisbereinigt (real) gegenüber dem Vorjahr beinahe ein Viertel mehr an Aufträgen (+ 23,3 Prozent).


Dank der prall gefüllten Auftragsbücher stieg die Industrieproduktion preisbereinigt gleichfalls kräftig um 15,3 Prozent und die Umsatzentwicklung verbuchte ein dickes Plus von real 14,2 Prozent. Nominal erzielten die Industriebetriebe einen Umsatz von 272,9 Milliarden Euro, womit die Erlöse im Vorjahresvergleich kräftig um 39,1 Mrd. Euro stiegen (+ 16,7 Prozent).

Insgesamt konnte trotz der starken konjunkturellen Aufwärtsbewegung und dem raschen Aufholprozess das Vorkrisenniveau allerdings noch nicht wieder vollständig ereicht werden. Spürbar abgebremst wurde jedoch auch der Personalabbau in der Südwestindustrie. Nachdem im Krisenjahr 2009 die Zahl der Beschäftigten noch um 66 400 Personen abnahm (‑ 5,4 Prozent), fiel in 2010 der Rückgang um 4 100 Personen vergleichsweise moderat aus (‑ 0,4 Prozent). Gleichwohl erreichte die Zahl der Industriebeschäftigten mit 1,155 Millionen einen neuen Tiefststand.

Die Beschäftigtenentwicklung in den 44 baden-württembergischen Stadt- und Landkreisen zeigte in 2010 ein uneinheitliches Bild, zu dem auch beigetragen haben dürfte, dass in konjunkturellen Aufschwungphasen positive Beschäftigungseffekte erfahrungsgemäß erst mit einer gewissen Zeitverzögerung auftreten. Zwar verbuchte bereits fast die Hälfte der Kreise (20) einen Zuwachs an Industriebeschäftigten, jedoch fiel das Beschäftigtenplus in der Mehrzahl dieser Kreise eher verhalten aus. So war ein nennenswerter Beschäftigtenanstieg von über 500 Personen lediglich in den vier Landkreisen Breisgau-Hochschwarzwald (+ 896 Beschäftigte oder + 5,5 Prozent), Rems-Murr-Kreis (+ 739 / + 2 Prozent), Hohenlohekreis (+ 675 / + 3,8 Prozent) und Tuttlingen (+ 639 / + 2,3 Prozent) zu registrieren. Einen Abbau an Industriearbeitsplätzen mussten hingegen 24 Kreise im Land verkraften. Dabei fiel der Beschäftigtenrückgang im Rhein-Neckar-Kreis (‑1.130 Beschäftigte / 3,3 Prozent) und den beiden Stadtkreisen Stuttgart (1.671 /2,7 Prozent) und Mannheim (1.752 /4,2 Prozent) am stärksten aus. An der Spitze der beschäftigungsstärksten Kreise mit mehr als 50.000 Industriebeschäftigten stehen der Landkreis Böblingen (64.253), gefolgt von der Landeshauptstadt Stuttgart (60.710) und deren Nachbarlandkreise Esslingen (59.968) und Ludwigsburg (51.519). Zusammen ist in diesen vier in der industriellen Kernregion Stuttgart gelegenen Kreisen jeder fünfte Industriearbeitsplatz des Landes angesiedelt.

Die regionale Umsatzentwicklung in 2010 folgte mit zum Teil beachtlichen Umsatzsteigerungen zum Vorjahr insgesamt dem Landestrend. Das in den 12 Regionen des Landes jeweils erzielte Umsatzplus reichte von 1,1 Mrd. Euro (+ 4,6 Prozent) in der Region Rhein-Neckar bis zu 16,2 Mrd. Euro (+ 25,5 Prozent) in der Region Stuttgart. Die Rangliste der umsatzstärksten Regionen wird mit weitem Abstand angeführt von der Region Stuttgart mit 79,4 Mrd. Euro, gefolgt von der Region Heilbronn-Franken (28,6 Mrd. Euro) und der Region Mittlerer Oberrhein (28,4 Mrd. Euro). Damit wurde allein in diesen drei Regionen die Hälfte der Industrieumsätze im Südwesten erwirtschaftet. Auf dem letzten Rangplatz steht die Region Neckar-Alb (11,8 Mrd. Euro).

Die stärkste Exportorientierung unter den Regionen weist mit einem Auslandsumsatz von 47,4 Mrd. Euro die Region Stuttgart auf. In keiner anderen Region fiel in 2010 das Umsatzwachstum aus dem Exportgeschäft mit 13,2 Mrd. Euro (38,4 Prozent) kräftiger aus und nirgendwo war die Exportquote (59,7 Prozent) höher als hier (zum Vergleich Südwestindustrie: 49,9 Prozent). Jeder dritte von der Südwestindustrie im Auslandsgeschäft erzielte Euro (34,8 Prozent) wurde auf den Konten der Industriebetriebe der Region Stuttgart verbucht.

(Redaktion)