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| Fr, 22.08.2008 10:07

Bücher als „Mahnmal anderer Art“

Erinnerung an die Autoren und Werke der Bücherverbrennungen von 1933

Cover des Buches von Anna Seghers aus der Reihe "Bibliothek der verbrannten Bücher" (Bild: Georg Olms Verlagsbuchhandlung, Hildesheim)

Cover des Buches von Anna Seghers aus der Reihe "Bibliothek der verbrannten Bücher" (Bild: Georg Olms Verlagsbuchhandlung, Hildesheim)


Anlässlich der Übergabe der ersten Bände der „Bibliothek Verbrannter Bücher“ am Donnerstag, 21.08.2008, in der Stadtbibliothek Völklingen wies die Staatssekretärin im Kultusministerium, Dr. Susanne Reichrath, darauf hin, dass zu den von den Nationalsozialisten verfemten Autoren auch ein großer Schriftsteller aus dem Saarland gehört: Gustav Regler.

„Darüber hinaus – so Reichrath - gibt es aber viele Autoren, die der jungen Generation vollkommen unbekannt sind, obwohl sie zu ihrer Zeit repräsentativ für Kultur und Literatur waren. Die „Bibliothek Verbrannter Bücher“ wird auch deren Werke wieder zugänglich machen und sich damit große Verdienste erwerben.“

Am 10. Mai 1933 fanden für jedermann sichtbar auf zentralen Plätzen zahlreicher deutscher Städte Bücherverbrennungen statt. Diese Bücherverbrennungen waren Höhepunkt einer vierwöchigen antisemitischen Kampagne „Aktion wider den undeutschen Geist“. Sogar an Schulen wurden in dieser Zeit „undeutsche“ und „zersetzende“ Bücher aus den Schülerbüchereien entfernt und in Feierstunden verbrannt.

Im Verlauf der nächsten Wochen erhalten die Stadt- und Gemeindebibliotheken in Saarbrücken, Homburg, St. Ingbert, St. Wendel, Lebach, Neunkirchen, Ottweiler, Merzig, Schulzbach, Quierschied und Saarlouis ebenfalls entsprechende Bücherpakete.

Die „Bibliothek Verbrannter Bücher“ wird insgesamt jeweils 120 Titel – eine Auswahl aus der von den Nationalsozialisten verfemten und verbotenen Literatur –  umfassen. Als Grundlage für die Auswahl der Titel dienen die berüchtigten „Schwarzen Listen“, die am 16. Mai 1933 im Börsenblatt für den deutschen Buchhandel veröffentlicht wurden, sowie die „Liste 1 des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ vom Oktober 1935.

Auf Initiative des Olms-Verlags Hildesheim und des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien e. V. in Potsdam und Dank der Unterstützung durch mehrere Stiftungen ist es möglich, je eine Kassette mit den ersten 10 Bänden der Bibliothek anlässlich des 75. Jahrestags der Bücherverbrennung als Geschenk an 12 Öffentliche Bibliotheken im Saarland zu überreichen. Diese sollen dann die Medienpakete regelmäßig für sechs bis zwölf Monate an Schulen verleihen und dadurch für die „Bibliothek verbrannter Bücher“ werben. Die Bücher sollen aber auch an interessierte andere Leserinnen und Leser ausgeliehen werden können. „Mit der Übergabe an die Öffentlichen Bibliotheken gehen wir einen neuen Weg“, erläuterte Staatssekretärin Dr. Reichrath. Ursprünglich sollten die Kassetten mit den ersten 10 Titeln in Schulbibliotheken von Oberschulen und Gymnasien aufgestellt werden. „Da wir nicht wollten, dass die Bücher jahrelang nur von wenigen gelesen werden, haben wir einen Weg gesucht, diese Literatur allen Interessierten zugänglich zu machen. Ich danke daher den Initiatoren sehr, dass sie unserem Vorschlag, die Bücher in Öffentlichen Bibliotheken aufzustellen und über die Ausleihe an Schulen und sonstige Interessierte zur Verfügung zu stellen, gefolgt sind.“

Die Initiatoren für die „Bibliothek Verbrannter Bücher“ haben zahlreiche Persönlichkeiten als Unterstützerinnen und Unterstützer gewinnen können wie z. B. Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, Ministerpräsidenten Christian Wulff,  Bundesministerin für Bildung und Forschung, Dr. Annette Schavan und auch die Ministerin für Bildung, Familie, Frauen und Kultur des Saarlandes, Annegret Kramp-Karrenbauer.

Dr. Georg Olms vom gleichnamigen Verlag will den Bibliotheken und Schulen zugleich mit der Übergabe der ersten Kassette die weiteren 110 Bände zum Subskriptionspreis anbieten. Seinem Vater selbst war unter den Nazis die Führung der Buchhandlung und seines Lesezirkels verboten worden.

Die Staatssekretärin hob hervor, dass die Schulen gezielt über die Ausleihmöglichkeiten gerade dieser Werke informiert werden, wovon sie gewiss regen Gebrauch machen werden.

Quelle: Saarländisches Ministerium für Bildung, Familie, Frauen und Kultur