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Wirtschaft | Mo, 08.06.2009 10:35

BWIHK-Präsident Bechtold: Krise trifft Wirtschaft im Südwesten besonders hart

Konjunkturbefragung der IHKs: Auftragseingänge geben Anlass zur Hoffnung Die Wirtschaft in Baden-Württemberg ist aufgrund ihrer Ausrichtung auf Investitionsgüter sowie ihrer starken Internationalisierung von dem Einbruch der Nachfrage aus dem In- und Ausland in besonders hohem Maß betroffen. „Fast zwei Drittel der Unternehmen melden aktuell Umsatzrückgänge“, so BWIHK-Präsident Bernd Bechtold anlässlich der Vorstellung der Frühsommer-Konjunkturumfrage des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags (BWIHK).


Die Umfrage, an der sich rund 4.300 Unternehmen aller Betriebsgrößen und Branchen beteiligt haben, ergab im Detail: 41 Prozent der Betriebe im Südwesten bezeichnen ihre aktuelle Lage als schlecht (Jahresbeginn 2009: 23 Prozent), nur noch 15 Prozent geben gut laufende Geschäfte an (Jahresbeginn: 26 Prozent). Besonders schwer trifft die Wirtschaftskrise den Industriesektor: 57 Prozent der Unternehmen haben mit einer schlechten Geschäftslage zu kämpfen, im Werkzeugmaschinenbau sind es sogar fast zwei Drittel, bei den Automobilzulieferern sowie in der Metallerzeugung und -bearbeitung gar über 80 Prozent der Betriebe.

Die Kapazitätsauslastung aller Betriebe liegt nur noch bei knapp 68 Prozent und ist damit seit letztem Herbst um 17 Prozentpunkte gesunken. Ein leichter Hoffnungsschimmer zeichnet sich bei den neu eingehenden Aufträgen ab: Rund ein Drittel der Unternehmen vermeldet wieder einen stabilen Auftragseingang, zu Jahresbeginn war es noch ein Viertel. Entsprechend hat sich auch die Stimmung hinsichtlich der künftigen Entwicklung etwas verbessert: Die Zahl der Pessimisten hat sich von 56 Prozent auf 51 Prozent verringert, mit einer besseren Geschäftslage rechnen inzwischen 12 Prozent der Unternehmen statt noch 8,4 Prozent wie zu Jahresbeginn.

Am Arbeitsmarkt ist dagegen nicht mit einer Trendwende zu rechnen. Die Zahl der Betriebe, die planen, ihre Belegschaften zu reduzieren, ist seit Jahresbeginn von 36 auf 45 Prozent gestiegen. In der Industrie liegt ihre Zahl bei 60 Prozent. Ohne die Möglichkeit der Kurzarbeit sähe die Situation noch ernster aus. Denn grundsätzlich sind die Unternehmen bestrebt, ihre Beschäftigten zu halten, dafür sprechen die aktuellen Zahlen zur Kurzarbeit: Mehr als 40 Prozent nutzen dieses Instrument oder planen seinen Einsatz, rund 35 Prozent der Betriebe wollen ihre Mitarbeiter zudem während der Kurzarbeit weiterqualifizieren. „An diesen Zahlen kann man erkennen, wie wichtig das Instrument der Kurzarbeit für Betriebe und Beschäftigte gleichermaßen ist, um die Folgen konjunkturschwacher Zeiten abzufedern“, stellte Präsident Bechtold fest. „Darüber hinaus ist die Initiative von über einem Drittel der Betriebe, ihre Mitarbeiter in der Kurzarbeit weiterqualifizieren zu wollen, sehr zu begrüßen. So stehen mehr Fachkräfte zur Verfügung, die dann im bevorstehenden Aufschwung dringend gebraucht werden“, führte Bechtold weiter aus.

Blick in die Branchen: Die Industrie im Südwesten hat besonders unter der Krise zu leiden, 65 Prozent der Unternehmen setzen Kurzarbeit ein oder planen dies. Allerdings geht die Zahl der Betriebe zurück, die pessimistisch in die Zukunft blicken und unter sinkenden Auftragseingängen zu leiden haben. Nach wie vor meldet die Bauwirtschaft eine leicht positive Lage, deren Andauern auch von der raschen Ausschreibung zusätzlicher Investitionen aus dem Konjunkturprogramm abhängen wird. Der Einzelhandel behauptet sich aktuell, wobei mit Fortschreiten der Krise auch hier der Pessimismus zunimmt. Die Lage im Großhandel sieht ungünstig aus, die Betriebe können die gesunkene Nachfrage aus der Industrie kaum ausgleichen. Die Dienstleister werden inzwischen ebenfalls vom Auftragsmangel in Mitleidenschaft gezogen, die Mehrheit der Unternehmen gibt eine negative Geschäftsentwicklung an. Rückläufige Gästezahlen führen im Hotel- und Gaststättengewerbe zu sinkenden Umsätzen und damit zu einem von erheblicher Skepsis geprägten Blick in die Zukunft.

(Quelle: IHK BW)