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Wirtschaft | Fr, 06.03.2015 09:02

Chemische Industrie in Baden-Württemberg mit gebremstem Wachstum

Die chemische Industrie in Baden-Württemberg blickt skeptisch auf das laufende Jahr. Das gaben die Chemie-Verbände Baden-Württemberg bekannt. Die Branche konnte 2014 die guten Zahlen der Industrie im Land nicht erreichen. Die Unternehmen fordern von der Politik einen Strategiewechsel in der Energiepolitik. Derzeit seien insbesondere die mittelständischen Unternehmen mit Zusatzkosten belastet. In der laufenden Chemie-Tarifrunde kämpfen die Unternehmen gegen zusätzliche Kostenbelastungen.


Die chemische Industrie in Baden-Württemberg rechnet mit einer schwach wachsenden Produktion. Aufgrund sinkender Preise fürchten die Unternehmen stagnierende Umsätze im laufenden Jahr. Etwa ein Drittel der Unternehmen gehen davon aus, dass ihre Erträge sinken werden. Beschäftigung wird die Branche im laufenden Jahr kaum aufbauen.

„Wir können 2015 allenfalls hoffen, unsere Position zu halten“, fasst Thomas Mayer, Hauptgeschäftsführer der Chemie-Verbände, die Aussichten zusammen. Dies hängt auch mit Unsicherheiten im internationalen Geschäft, den hohen Energiekosten und den inländischen Arbeitskosten zusammen.

Seit Ende Januar verhandelt die Chemie-Branche über neue Entgelttarifverträge. Die regionalen Verhandlungen und die erste Bundestarifverhandlung wurden ergebnislos vertagt. Bislang haben die Arbeitgeber kein Gegenangebot zur Gewerkschaftsforderung von 4,8 Prozent mehr Entgelt vorgelegt. Für Markus Scheib, den Vorsitzenden des Arbeitgeberverbandes Chemie Baden-Württemberg (agvChemie), ist diese Entgeltforderung „unrealistisch und zu hoch“. Er begründet das mit der seit 2010 um vier Prozent gesunkenen Produktivität in der deutschen Chemie, mit der niedrigen Inflation und den hohen Arbeitskosten in der Branche: „Wir brauchen eine niedrige Entgelterhöhung“, so Scheib. Nur mit einem produktivitätsorientierten Tarifabschluss könnten die Mittelständler in der Chemie ihre Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen.

Für die chemische Industrie sind die hohen inländischen Strompreise ein Wettbewerbshemmnis. Das kritisierte der Vorsitzende des baden-württembergischen Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), Dr. Anno Borkowsky. Er wies auf die Belastung insbesondere der mittelständischen Chemie-Unternehmen durch die Erneuerbare-Energien-Gesetz-Umlage hin. Als Fehlentwicklung prangerte er die Zusatzbelastung von neuen, hocheffizienten Unternehmenskraftwerken zur Eigenversorgung mit Strom und Wärme an. Sie dürften nicht mit der EEG-Umlage belastet werden.

Borkowsky weiter: „Wir unterstützen die Landesregierung in Stuttgart in ihren Bestrebungen, den Netzausbau voranzubringen. Er muss schnell und kosteneffizient erfolgen.“ Die Stromversorgung müsse sicher bleiben - eine zögerliche Haltung wie in Bayern schade dem Industriestandort Deutschland.

Im vergangenen Jahr wuchsen die Umsätze der chemischen Industrie in Baden-Württemberg nach Angaben des Statistischen Landesamtes um 2,3 Prozent auf 19,2 Milliarden Euro. Der Export stagnierte bei 11,5 Milliarden Euro. Der Inlandsumsatz stieg um 6 Prozent auf 7,7 Milliarden Euro.

Die Unternehmen bauten Beschäftigung auf: um 1,4 Prozent auf 55.300 Mitarbeiter. Der Umsatz der Pharmaindustrie im Land stagnierte (+0,7 Prozent, 8,7 Milliarden Euro). Die Herstellen von Farben, Lacken und Bautenschutzprodukten legten dagegen um 7,2 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro zu.

(Redaktion)