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Wirtschaft | Di, 03.09.2013 12:39

Deutlicher Rückgang bei Ausbildungsverträgen in Baden-Württemberg

Die Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungsbranche in Baden-Württemberg stemmen sich gegen die rückläufige Zahl von Lehrstellenbewerbern. Dennoch weist die Bilanz zum Start des neuen Ausbildungsjahres eine deutlich geringere Anzahl von Ausbildungsverträgen im Vergleich zum Vorjahresmonat aus. Die Industrie- und Handelskammern (IHKs) im Land haben 40.600 neue Ausbildungsverträge eingetragen. Das sind rund 1.600 Verträge bzw. 3,9 Prozent weniger als 2012.


Die Gründe für den Rückgang an neuen Lehrverträgen liegen nach Ansicht der IHKs in sinkenden Schülerzahlen und im Trend zum Besuch weiterführender Schulen und zu schulischen Ausbildungsgängen. „Der Wettbewerb um Talente verschärft sich“, sagt Georg Fichtner, Präsident der IHK Region Stuttgart und Federführer Ausbildung der IHKs im Land. Weil es immer schwieriger werde, Azubis zu finden, würden vor allem kleine und mittlere Betriebe ihre Ausbildung zurückfahren oder ganz einstellen.

Laut Arbeitsagentur stehen in Baden-Württemberg aktuell insgesamt rund 12.000 unversorgten Bewerbern etwa 16.000 unbesetzte Lehrstellen gegenüber. Allein in der Lehrstellenbörse der IHK Region Stuttgart sind aktuell noch 200 freie Lehrstellen für das heute beginnende Ausbildungsjahr registriert. „Baden-Württemberg ist ganz besonders auf gut qualifizierte Fachkräfte angewiesen. Die Kammern sind in Sorge, dass es sich negativ auf den Wirtschaftstandort auswirkt, wenn die Ausbildungsbereitschaft bei den Unternehmen nachlässt“, so Fichtner.

Auch bei der Einstiegsqualifizierung (EQ) liegt die Zahl der bereitgestellten Plätze deutlich über dem Bedarf. Für das beginnende EQ-Jahr ab Oktober stellen die Betriebe insgesamt 2.300 EQ-Plätze bereit, von denen nach Einschätzung der IHKs nur ein Teil nachgefragt werden wird. Ende August lag die Zahl der neuen EQ-Verträge in Baden-Württemberg bei etwa 1.000.

Bei EQ absolvieren Jugendliche ein sechs- bis zwölfmonatiges Praktikum im Betrieb indem Teile eines anerkanntes Ausbildungsberufs vermittelt werden. Ist der Ausbildungsbetrieb zufrieden mit dem Praktikanten, wird dieser sehr häufig übernommen und kann eine Lehre anschließen. Die bereits absolvierten Ausbildungsbestandteile werden von den Kammern zertifiziert. Über dieses Modell werden laut IHKs rund zwei Drittel der EQ-Praktikanten in ein Ausbildungsverhältnis überführt.

Die IHKs fordern von der Landesregierung, sich zur Stärkung der Dualen Ausbildung zu bekennen und entsprechend zu handeln. Der Wert der beruflichen Bildung müsse gesteigert werden. Sie müsse als echte Alternative zu Abitur und Studium in der Gesellschaft verankert und in Schulen und durch die Politik auch so vermittelt werden. Lehrerstellen an Berufsschulen müssten aufgebaut werden. Darüber hinaus müsse eine sorgfältige Schulentwicklungsplanung unter Einbindung der Wirtschaft erfolgen.

Fichtner: „Wir bieten dem Kultusminister an, die Standortplanung für die Schulen mit den Ausbildungsbetrieben abzustimmen.“ Der Königsweg zur Fachkräftesicherung in den Betrieben sei und bleibe die betriebliche Ausbildung. Fichtner appelliert an die Politik, die Qualität der Dualen Ausbildung zu sichern. Sie sei ein Wettbewerbsvorteil unserer Wirtschaft und darf nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.

(Redaktion)