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Wirtschaft | Mi, 19.06.2013 09:10

Deutsche Konjunktur weiter im Aufwärtstrend

Das RWI senkt seine Prognose des deutschen Wirtschaftswachstums für das Jahr 2013 gegenüber März 2013 leicht von 0,6 auf 0,4 Prozent. Für 2014 wird von 2,1 auf 1,9 Prozent korrigiert. Getragen wurde die Konjunktur zu Jahresbeginn insbesondere von den privaten Konsumausgaben. Gleichzeitig waren die Investitionen weiter rückläufig und die Außenwirtschaft trug kaum zur Expansion bei. Für den Prognosezeitraum ist bei einer Verbesserung der internationalen Konjunktur eine lebhaftere Investitionstätigkeit zu erwarten. Die Lage am Arbeitsmarkt wird sich weiter leicht verbessern. Die Inflation dürfte bei zunehmender Kapazitätsauslastung von 1,5 auf 1,7 Prozent anziehen.


Allerdings wird das konjunkturelle Bild derzeit durch Sonderfaktoren überlagert. Im ersten Quartal behinderte eine ungewöhnlich lange Kälteperiode insbesondere die Bautätigkeit. Im April sprang die Bauproduktion aber wieder deutlich nach oben, was darauf hindeutet, dass vielfach liegengebliebene Arbeiten zügig nachgeholt wurden. Dass allerdings nicht nur Witterungseffekte am Werk sind, lässt sich daran ablesen, dass auch die Produktion in der Industrie zuletzt wieder kräftiger ausgeweitet wurde. Hierzu dürfte vor allem die Belebung der Ausfuhren in den vergangenen Monaten beigetragen haben. Insbesondere aufgrund der Nachholeffekte im Bausektor dürfte der Produktionsanstieg im zweiten Quartal mit 0,6 Prozent recht kräftig ausfallen.

Für den Prognosezeitraum erwarten wir, dass die deutsche Konjunktur aufwärts gerichtet bleibt. Treibende Kraft dürfte zum einen die Konsumnachfrage bleiben. Es ist weiterhin ein deutlicher Anstieg der Arbeitnehmereinkommen zu erwarten, gespeist von einer anhaltenden Zunahme der Beschäftigung und deutlichen Lohnzuwächsen. Zudem kann bei der von uns erwarteten Belebung der Weltwirtschaft mit einer wieder kräftigeren Zunahme der Ausfuhren gerechnet werden. Dies lässt voraussichtlich die Kapazitätsauslastung in der Industrie zunehmen, was sich positiv auf die Investitionstätigkeit auswirken dürfte, zumal die Finanzierungsbedingungen günstig sind und die Zuversicht in den Unternehmen steigt.

Allerdings dürfte die Konjunktur auch in der zweiten Hälfte dieses Jahres und im kommenden Jahr durch Sonderfaktoren beeinflusst werden. Wegen der Flutschäden in weiten Bereichen Ostdeutschlands und in Teilen Bayerns dürfte dort die wirtschaftliche Aktivität vorübergehend zurückgehen. Dieser dämpfende Effekt wirkt aber nur kurzfristig und dürfte auf gesamtwirtschaftlicher Ebene gering sein. Stärker spürbar wird aller Erfahrung nach der Aufwand zur Beseitigung der Flutschäden sein. Hierfür werden Bund und Länder voraussichtlich acht Milliarden Euro zur Verfügung stellen.

Es wird in der Prognose davon ausgegangen, dass diese Mittel zusätzliche Ausgaben und Investitionen sowohl des Staates als auch Privater induzieren werden. Dies dürfte die gesamtwirtschaftliche Nachfrage in der zweiten Hälfte dieses und in der ersten des kommenden Jahres stärken. Aufgrund des statistischen Unterhangs aus dem Jahr 2012 und der schwachen Expansion im ersten Quartal dürfte der Anstieg des BIP mit 0,4 Prozent im Jahresdurchschnitt 2013 gleichwohl gering bleiben.

Für das kommende Jahr erwartet das RWI eine Fortsetzung des Aufschwungs. Dieser Einschätzung liegen die Annahmen zu Grunde, dass die Belebung der internationalen Konjunktur anhalten und sich die Lage im Euro-Raum weiter beruhigen wird. Unter diesen Voraussetzungen dürfte sich das Investitionsklima aufhellen, so dass die Inlandsnachfrage nicht nur vom privaten Konsum, sondern zunehmend auch von den Unternehmensinvestitionen getragen werden dürfte. Auch ist eine stärkere Zunahme der Ausfuhren zu erwarten. Da höhere Exporte erfahrungsgemäß mit höheren Importen einhergehen, die zudem von der anziehenden Inlandsnachfrage profitieren, bleibt der Beitrag der Außenwirtschaft zum Wachstum voraussichtlich gering. Vor diesem Hintergrund erwartet das RWI für 2014 eine Zunahme des BIP um 1,9 Prozent.

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt dürfte sich im Prognosezeitraum verbessern. Die Zahl der Erwerbstätigen, die auch während der jüngsten Schwächephase noch zugenommen hat, wird sich wohl weiter erhöhen. Der leichte Anstieg der Zahl der Arbeitslosen dürfte sich gleichwohl in diesem Jahr fortsetzen, da das Arbeitsangebot trotz demographisch bedingten Rückgangs derzeit durch die Zuwanderung steigt. Im nächsten Jahr dürfte sie jedoch erneut sinken. Die Arbeitslosenquote wird damit in diesem Jahr voraussichtlich bei 6,9 Prozent und im nächsten Jahr bei 6,8 Prozent liegen.

Mit wieder steigender Kapazitätsauslastung dürfte es den Unternehmen leichter fallen, die seit einiger Zeit und im Prognosezeitraum wohl weiter steigenden Lohnstückkosten an die Kunden weiterzugeben. Dies auch deshalb, weil die Geldpolitik angesichts der im Euro-Raum wohl weiterhin unterausgelasteten Kapazitäten expansiv ausgerichtet bleiben dürfte. Das RWI erwartet daher einen Anstieg der Verbraucherpreise um 1,5 Prozent in diesem und 1,7 Prozent im kommenden Jahr.

Weil sich die Konjunktur zum Jahreswechsel 2012/2013 merklich abgekühlt hat und weitere Konsolidierungsbemühungen vor der anstehenden Bundestagswahl unterbleiben, dürfte sich die Lage der öffentlichen Haushalte in diesem Jahr verschlechtern. Auch die Hilfen in Zusammenhang mit der Flutkatastrophe in diesem und dem kommenden Jahr dürften zu erheblichen Mehrausgaben führen. Voraussichtlich wird der Staat im laufenden Jahr ein Budgetdefizit von knapp fünf Milliarden Euro bzw. 0,2 Prozent des BIP aufweisen. Im nächsten Jahr dürfte infolge der konjunkturellen Erholung ein kleines Plus von einer Milliarde Euro erzielt werden, vorausgesetzt die neue Bundesregierung schwenkt nach der Bundestagswahl zurück auf den Konsolidierungskurs.

(Redaktion)