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Wirtschaft | Mi, 20.03.2013 08:15

Deutsche und chinesische Wirtschaft stark voneinander abhängig

Der Handel zwischen Deutschland und China hat in den letzten 20 Jahren stark zugenommen. Dadurch ist eine starke gegenseitige Abhängigkeit entstanden. Deutschland ist vor allem bei Computern, Laptops und Textilien auf chinesischen Einfuhren angewiesen. Umgekehrt ist die chinesische Industrie vom Import deutscher Maschinen abhängig. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der deutsch-chinesischen Handelsbeziehungen durch die Prognos AG im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.


„Der deutsche Maschinenbau spielt für Chinas Industrie eine Schlüsselrolle“, sagte Helmut Hauschild, Direktor des Programms Deutschland und Asien der Bertelsmann Stiftung. China wiederum sei für Deutschland der wichtigste Lieferant von Konsumgütern. „Diese hohe gegenseitige Abhängigkeit ist ein Appell an die Bundesregierung und die neue Regierung in Peking, stärker als bisher auf offene Märkte und gleiche Wettbewerbsbedingungen für deutsche und chinesische Unternehmen in beiden Ländern hinzuarbeiten“, betonte Hauschild.

Die Studie zeigt, dass China strategisch auf deutsche Exportgüter angewiesen ist. Wenn Deutschland zum Beispiel als Lieferant für Maschinen ausfallen würde, stünde die chinesische Wirtschaft vor großen Schwierigkeiten. Viele der deutschen Maschinen werden in Branchen eingesetzt, die einen hohen Anteil der Produktion exportiert. Käme es zu Lieferengpässen im deutschen Maschinenbau, dann wäre vor allem Chinas Exportsektor betroffen. Dieser ist eine tragende Säule des chinesischen Wirtschaftswachstums. Verstärkt wird laut der Studie die Abhängigkeit Chinas dadurch, dass hochspezialisierte und technologieintensive Güter wie Maschinen sich nur begrenzt durch Importe aus anderen Ländern ersetzen lassen.

Für Deutschland wiederum ist China wichtig als Lieferant von Textilien und Bekleidung. Der chinesische Anteil der deutschen Textilimporte betrug 1992 nur knapp sieben Prozent. Inzwischen liegt er inzwischen bei über 31 Prozent. Noch stärker stieg Deutschlands Abhängigkeit von chinesischen Büromaschinen, Computern und Laptops. In diesem Bereich wuchs der Anteil chinesischer Lieferungen seit 1992 von unter einem Prozent auf nahezu 44 Prozent.

Bei einem Großteil der Importe aus China handelt es sich allerdings um Konsumgüter und China hat kein Monopol in der Herstellung. Dadurch ist die strategische Abhängigkeit Deutschlands von China geringer als die Abhängigkeit Chinas von Deutschland. Selbst bei einem starken Rückgang der Lieferungen aus China stünden Deutschland durch den insgesamt intensivierten Welthandel zumeist gleich mehrere Lieferländer als Alternative zur Auswahl.

Bisher ist der deutsch-chinesische Handel von dem Muster hochspezialisierte Investitionsgüter aus Deutschland gegen kostengünstige Konsumgüter aus China geprägt. Daher standen die gegenseitigen Ein- und Ausfuhren in der Vergangenheit meist auch nicht in direkter Konkurrenz zur heimischen Industrie. Sie stellen eine Ergänzung zu den im Inland produzierten Gütern dar.

Für die Zukunft prognostizieren die Verfasser der Studie allerdings einen Wandel in den deutsch-chinesischen Handelsbeziehungen. Es sei sehr wahrscheinlich, dass sich chinesische Unternehmen weiter in Richtung technologischer Weltspitze bewegen werden. Damit wird in Zukunft der sogenannte intraindustrielle Handel dominieren, wie er zwischen Industrieländern auf vergleichbarem Entwicklungsstand (z. B. Deutschland und Frankreich) Normalität ist. Der Trend zeigt bereits deutlich in diese Richtung. 1992 betrug der Anteil des intraindustriellen Handels am gesamten deutsch-chinesischen Handelsvolumen nur etwa fünf Prozent. Im Jahr 2010 waren es bereits 20 Prozent.

Die Fortschreibung dieser Entwicklung bedeutet, dass künftig immer mehr deutsche Unternehmen in direkter Konkurrenz mit Wettbewerbern aus China stehen werden. Für den deutschen Außenhandel mit China hat das weit reichende Konsequenzen, analysiert die Studie. „Deutsche Unternehmen werden nur dann ihre aktuellen Erfolge auf dem Mega-Markt China bewahren können, wenn sie ihren technologischen Vorsprung bewahren und damit – zum Beispiel im Investitionsgüterbereich – auch künftig für ihre chinesischen Kunden unverzichtbar sind“, sagte Stiftungsprogrammdirektor Helmut Hauschild. „Die Studie zeigt, dass die deutsche Wirtschaft mehr in Forschung und Entwicklung investieren muss, um langfristig gegenüber der Konkurrenz aus China zu bestehen.“

(Redaktion)