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Wirtschaft | Di, 08.11.2011 09:47

Deutsche Unternehmen nicht ausreichend auf Auswirkungen der Finanz- und Eurokrise vorbereitet

Die deutsche Realwirtschaft wächst noch dynamisch, obwohl die weltweiten Kapitalmärkte stark kontrahiert sind und die Euro-Instabilität für Unsicherheit sorgt. Derzeit bewerten rund 80 Prozent der Unternehmen die aktuelle Konjunkturlage in Deutschland positiv. Der Ausblick für den Euroraum hingegen fällt pessimistischer aus: Drei von fünf Befragten schätzen die aktuelle europäische Wirtschaftslage als kritisch bis sehr kritisch ein. Daher rechnen beinahe alle Unternehmen damit, dass die Finanz- und Eurokrise im Winterhalbjahr 2011/2012 zu deutlichen Einbußen bei Umsatz und Gewinn der Unternehmen führen wird. Vier von fünf Unternehmen fühlen sich darauf nicht ausreichend vorbereitet. Zu diesem Ergebnis kommt der "Executive Quick Survey - Bewertung der Konjunkturlage im Herbst 2011" von Roland Berger Strategy Consultants. Dazu wurden mehr als 150 Top-Entscheider deutscher Großunternehmen und Mittelständler aus verschiedenen Branchen befragt.


"Deutsche Unternehmen erwarten trotz der aktuell florierenden Wirtschaft und guter Quartalsberichte eine deutliche Abkühlung in den beiden Winterquartalen. Die vorherrschende Unsicherheit wirkt sich bereits auf das Kaufverhalten der Kunden und die Investitionsentscheidungen der Unternehmen aus. Man erwartet stagnierende, teils sogar zurückgehende Umsätze und Gewinne" sagt Nils Kuhlwein von Rathenow, Partner von Roland Berger.

Obwohl bisher nur die Kapitalmärkte von der Eurokrise sichtbar betroffen sind, erkennen deutsche Unternehmer erste Auswirkungen auf ihre wichtigsten Kennzahlen. "Gut zwei Drittel der Befragten geben an, bereits im ersten Halbjahr eine Eintrübung der Konjunkturaussichten gespürt und operative Maßnahmen zur Sicherung der Ergebnisse eingeleitet zu haben. Dennoch fühlt die Mehrheit der Unternehmen, dass diese Maßnahmen noch nicht ausreichen" sagt Kuhlwein von Rathenow. "Die größte Herausforderung ist derzeit die herrschende Unsicherheit und die Volatilität in den Kennzahlen der Unternehmen" ergänzt Andreas Bonnard von Roland Berger. "Zwar haben Unternehmen aus der vergangenen Finanz- und Realwirtschaftskrise gelernt und größtenteils Liquiditätsreserven sowie Flexibilität erhöht, doch haben traditionelle Maßnahmen zur Sicherung von Ergebnissen nur eine begrenzte Wirkung", so Bonnard.

Die aktuellen Quartalsergebnisse waren noch überzeugend, doch verzeichnet die Industrie bereits Rückgänge im Auftragseingang. "Deutsche Unternehmen bewerten die aktuelle Konjunkturlage in Deutschland dennoch positiv - anders als im europäischen Raum, wo rund 60 Prozent der Befragten die Wirtschaftslage als kritisch beurteilen", sagt Nils Kuhlwein von Rathenow von Roland Berger. "Einzig das anhaltend gute Geschäft in den so genannten Emerging Markets vertreibt die Sorge vieler Führungskräfte. Auch in 2012 verspricht man sich stabiles Wachstum in diesen Regionen", so Nils Kuhlwein von Rathenow.

Als wesentliche Ursachen für die Eintrübung der Konjunktur nennen die befragten Unternehmen die Staatsverschuldung der USA und einiger europäischer Länder sowie die daraus resultierenden Währungsturbulenzen und Kreditverknappungen.

Unternehmen nicht ausreichend vorbereitet Haben 2011 rund zwei Drittel der Unternehmen ihr Umsatzwachstum deutlich ausgebaut, so werden es im nächsten Jahr nur noch rund 40 Prozent schaffen, ihren Umsatz zu erhöhen, lautet das Ergebnis der Studie. Noch vorsichtiger sind die Einschätzungen hinsichtlich der Gewinnentwicklungen: 60 Prozent der Führungskräfte erwarten, dass das Gewinnwachstum 2012 stagnieren wird. "Angesichts dieser Entwicklungen ist es überraschend, dass sich vier von fünf Unternehmen nicht ausreichend darauf vorbereitet sehen", ergänzt Nils Kuhlwein von Rathenow.

Noch immer setzt fast ein Drittel aller Unternehmen keine Instrumente wie Trendradars für Marktchancen und Risiken, Szenariomanagement oder Stresstests der Unternehmensstrategie ein, um Risiken zu managen. Lediglich jedes fünfte deutsche Unternehmen wendet Szenario-Techniken an; nur 14 Prozent der Firmen unterziehen ihre Unternehmensstrategie einem regelmäßigen Stresstest. "Die Mehrzahl der Unternehmen ist besorgt, dass die Volatilität in Zukunft weiter steigen wird. Denn das wirkt sich auf die Entwicklung der Absatzzahlen und der Ergebnisse der Unternehmen aus. Wer solche Unsicherheiten managen kann, kann einen Wettbewerbsvorteil daraus ziehen", erläutert Andreas Bonnard. "Firmen, die nicht nur ihre eigene Entwicklung sondern auch die der Wettbewerber frühzeitig antizipieren können, sind in der Lage, sich auf strategische Akquisitionen oder Erweiterungen der Wertschöpfungskette vorzubereiten", fasst Nils Kuhlwein von Rathenow zusammen.

(Redaktion)