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Wirtschaft | Di, 15.01.2013 10:04

Deutsche Wirtschaft trotzt europäischer Wirtschaftskrise

Die deutsche Wirtschaft ist im Jahresdurchschnitt 2012 weiter gewachsen. Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg gegenüber dem Vorjahr um 0,7 Prozent. Dies zeigen erste Berechnungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis). In den beiden vorangegangenen Jahren war das BIP sehr viel kräftiger gestiegen (2010 um 4,2 Prozent und 2011 um 3,0 Prozent). Dabei handelte es sich aber um Aufholprozesse nach der weltweiten Wirtschaftskrise 2009.


„Im Jahr 2012 erwies sich die deutsche Wirtschaft dagegen in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld als widerstandsfähig und trotzte der europäischen Rezession“, sagte Roderich Egeler, Präsident des Statistischen Bundesamtes. Allerdings habe sich die deutsche Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte deutlich abgekühlt.

Kalenderbereinigt errechnet sich eine höhere BIP-Wachstumsrate von 0,9 Prozent. Dies liegt unter anderem an der arbeitnehmerfreundlichen Lage der Weihnachtsfeiertage 2012. Drei Arbeitstage weniger als 2011 standen zur Verfügung.

Auf der Verwendungsseite des Bruttoinlandsprodukts erwies sich der Außenhandel angesichts eines schwierigen außenwirtschaftlichen Umfelds als sehr robust. Deutschland exportierte im Jahr 2012 preisbereinigt insgesamt 4,1 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen als ein Jahr zuvor. Gleichzeitig stiegen die Importe lediglich um 2,3 Prozent. Die Differenz zwischen Exporten und Importen - der Außenbeitrag - steuerte 1,1 Prozentpunkte zum BIP-Wachstum 2012 bei und war damit einmal mehr wichtigster Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft.

Die Binnennachfrage entwickelte sich unterschiedlich. Zwar wurde im Inland mehr konsumiert (+ 0,8 Prozent bei den privaten und + 1,0 Prozent bei den staatlichen Konsumausgaben). Die Investitionen konnten aber erstmals seit der Wirtschaftskrise 2009 keinen positiven Beitrag zum BIP-Wachstum liefern. Sie gingen zum Teil deutlich zurück. Die Bauinvestitionen sanken um 1,1 Prozent und die Ausrüstungsinvestitionen sogar um 4,4 Prozent.

Charakteristisch für die Entstehung des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2012 ist eine Zweiteilung der Wirtschaft: In den Dienstleistungsbereichen legte die preisbereinigte Bruttowertschöpfung gegenüber 2011 zum Teil kräftig zu. Dagegen rutschten sowohl das Produzierende Gewerbe ohne Baugewerbe (- 0,8 Prozent) als auch das Baugewerbe (- 1,7 Prozent) ins Minus. Insgesamt stieg die preisbereinigte Bruttowertschöpfung aller Wirtschaftsbereiche genau wie das BIP um 0,7 Prozent.

Die Zahl der Erwerbstätigen erreichte 2012 mit 41,6 Millionen das sechste Jahr in Folge einen neuen Höchststand. Die Arbeitsproduktivität, gemessen als preisbereinigtes Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigen, ging 2012 um 0,3 Prozent zurück. Je Erwerbstätigenstunde gerechnet nahm die Arbeitsproduktivität dagegen um 0,4 Prozent zu, weil das Arbeitsvolumen der Erwerbstätigen weniger stark gestiegen ist als das Bruttoinlandsprodukt.

Die Staatshaushalte waren im Jahr 2012 weiter auf Konsolidierungskurs: Der Staatssektor - dazu gehören Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen - beendete das Jahr nach noch vorläufigen Berechnungen mit einem Finanzierungsüberschuss in Höhe von 2,2 Milliarden Euro. Dabei reduzierte der Bund sein Defizit im Vergleich zum Vorjahr noch einmal deutlich, während die Gemeinden und vor allem die Sozialversicherungen wie schon im Jahr 2011 einen kräftigen Überschuss erwirtschafteten. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt in jeweiligen Preisen errechnet sich daraus für den Staat eine Überschussquote von 0,1 Prozent. Damit kann der Staat für 2012 erstmals seit 2007 wieder einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen.

(Redaktion)