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Wirtschaft | Di, 21.01.2014 09:15

Deutscher Mittelstand genießt das meiste Vertrauen

Das Vertrauen in die deutsche Wirtschaft ist so hoch wie nie zuvor, dank kleiner und mittelständischer Unternehmen. Das ist eines der zentralen Ergebnisse des Edelman Trust Barometers 2014, der mit 33.000 Befragten in 27 Ländern größten, jährlichen Untersuchung zu Vertrauen in und Glaubwürdigkeit von Regierungen, Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Wirtschaft und Medien. 77 Prozent der Befragten vertrauen kleinen und mittleren Unternehmen. Dagegen halten nur 49 Prozent Konzerne für glaubwürdig, lediglich 39 Prozent vertrauen börsennotierten Unternehmen. Am größten ist das Vertrauen in Familienunternehmen (86 Prozent).


„Der Mittelstand ist nicht nur das Rückgrat der deutschen Volkswirtschaft. Kleine und mittlere Firmen, allen voran Familienunternehmen schaffen auch Vertrauen durch ihr verantwortungsvolles Handeln, ihre Innovationskraft sowie die Nähe zu ihren Mitarbeitern und den Menschen in den Regionen“, sagt Susanne Marell, Geschäftsführerin von Edelman Deutschland.

Generell vertrauen die Deutschen Unternehmen in privater Hand deutlich mehr (73 Prozent) als Aktiengesellschaften. Die Gründe: Private Unternehmen werden als innovativer, offener und verantwortungsvoller wahrgenommen. So sagen 77 Prozent der Befragten, dass Firmen in privatem Besitz besser auf Kundenwünsche reagieren. Nur 34 Prozent weisen  börsennotierten Unternehmen diese Eigenschaft zu. 73 Prozent bewerten die Produkte von privaten Unternehmen als hervorragend, nur 45 Prozent sehen das bei börsennotierten Unternehmen. 61 Prozent glauben, dass Privatunternehmen verantwortungsvoll handeln. Lediglich 24 Prozent sagen das über Aktiengesellschaften.

Mittelstand und Familienunternehmen sind damit der wesentliche Vertrauenstreiber. Allerdings schneidet auch die deutsche Wirtschaft insgesamt im Edelman Trust Barometer 2014 deutlich besser ab. Der Vertrauenswert stieg gegenüber dem vergangenen Jahr um neun Prozentpunkte auf 57 Prozent. Höher war das Vertrauen in die Wirtschaft seit Beginn der Erhebung im Jahr 2001 nicht, sie liegt nun fast auf Höhe der globalen Ergebnisse (58 Prozent).

Deutsche Unternehmen haben damit das Vertrauenstief des Jahres 2012 überwunden und sich von der Regierung abgesetzt, die bei 49 Prozent stagniert. „Das Vertrauen in die Regierung ist damit zwar deutlich geringer als in die Wirtschaft. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass sich die Politik bereits im vergangenen Jahr aus dem Vertrauenstief der Jahre 2011 und 2012 herausgearbeitet hatte“, sagt Marell. 2011 und 2012 lag der Vertrauenswert nur bei 33 Prozent; 2013 war er bereits wieder auf 48 Prozent geklettert.

Global ist das Vertrauen in Regierungen indes von 48 Prozent im Jahr 2013 auf 44 Prozent zurückgegangen. Dabei sind die Vertrauenswerte in Europas politische Führung weltweit am stärksten gefallen und erreichen mit 36 Prozent einen neuen Tiefpunkt. Vor allem in den Euro-Krisenländern zeichnet das geringe Vertrauen in die Regierungen ein erschreckendes Bild. In Frankreich und Italien vertrauen nur noch 24 Prozent der Befragten der eigenen Regierung (minus 17 bzw. elf Prozentpunkte). In Polen sind es 19 Prozent (minus elf Prozentpunkte). In diesen Ländern beträgt der Vertrauensunterschied zwischen Wirtschaft und Politik jeweils rund 20 Prozentpunkte.

„Das dramatisch gesunkene Vertrauen in die europäische Politik macht deutlich, dass die politische Idee Europa zu zerbröckeln droht. Eine Lösung der akuten Probleme trauen die Menschen nur noch der Wirtschaft, nicht aber der Politik zu“, sagt Marell. Nur in Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien sind die Vertrauenswerte in die Politik deutlich höher und der Abstand zur Wirtschaft geringer.

Wichtig für das Vertrauen in ein Unternehmen ist neben anderen Faktoren sein Unternehmenssitz. Weltweit bringen die Befragten deutschen Unternehmen am meisten Vertrauen entgegen (80 Prozent), gefolgt von Unternehmen in Schweden und in der Schweiz (je 79 Prozent). „Das oft als unflexibel kritisierte Deutschland verfügt über einen entscheidenden Standortvorteil: Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Weltweit bringen die Menschen deutschen Unternehmen eine große Wertschätzung entgegen, eine sehr wichtige Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg“, sagt Marell.

Erstaunlich ist die Entwicklung des Vertrauens in Medien. Traditionelle Medien mögen unter großem wirtschaftlichen Druck stehen, die Deutschen bringen Zeitungen, Magazine, Fernsehen und Radio dennoch nach wie vor das bei weitem größte Vertrauen entgegen. Mit 77 Prozent ist der Glaubwürdigkeitswert seit dem vergangenen Jahr sogar um 14 Prozentpunkte angestiegen. Ebenso zugenommen hat das Vertrauen in Hybridmedien wie Blogs (um zwölf Prozentpunkte auf 43 Prozent), Social Media (um sieben Prozentpunkte auf 35 Prozent) und Medien von Institutionen, also z.B. die Website eines Unternehmens (um drei Prozentpunkte auf 37 Prozent). Gleich geblieben ist das Vertrauen in Suchmaschinen mit 47 Prozent.

Auch das Vertrauen der Menschen in Nichtregierungsorganisationen (NGOs) ist in Deutschland im vergangenen Jahr gestiegen: um fünf Prozentpunkte auf 69 Prozent. NGOs sind damit weiterhin die Institutionen mit der höchsten Glaubwürdigkeit. In der Mehrheit der 27 untersuchten Länder liegt dieser Wert bei über 60 Prozent. Auch global bringen die Menschen NGOs das meiste Vertrauen entgegen.

(Redaktion)