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Wirtschaft | Di, 18.08.2015 09:04

Deutsches Handwerk blieb 2014 hinter Gesamtwirtschaft zurück

Nach zwei Jahren mit Einbußen verlief das vergangene Jahr für das deutsche Handwerk vergleichsweise erfolgreich. Die nominalen Umsätze des zulassungspflichtigen Handwerks stiegen bundesweit um 2,4 Prozent, vor allem aufgrund eines glänzenden ersten Quartals 2014. Im zulassungsfreien Handwerk erhöhten sich die nominalen Umsätze um 2,9 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Auswertung des RWI.


Trotz dieser positiven Entwicklung blieb das deutsche Handwerk jedoch erneut hinter der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zurück, da das nominale Bruttoinlandsprodukt im gleichen Zeitraum um 3,4 Prozent zunahm. Zudem blieb die Beschäftigungsbilanz negativ: Im zulassungspflichtigen Handwerk ging die Beschäftigung um 0,1 Prozent zurück, im zulassungsfreien Handwerk um 0,8 Prozent. Die Auswertung zeigt, dass das deutsche Handwerk offenbar nur bedingt vom positiven gesamtwirtschaftlichen Umfeld mit starker Binnennachfrage, guter Arbeitsmarktlage und höheren Einkommen profitieren konnte.

Für das kommende Jahr dürften die Perspektiven für das Handwerk positiv bleiben. Die Konjunktur dürfte weiterhin von der Inlandsnachfrage getragen werden, auch wenn der private Konsum sich voraussichtlich etwas abschwächt. Auch die ersten Quartalsergebnisse der Handwerksberichterstattung sprechen für ein gutes konjunkturelles Umfeld. Dementsprechend dürfte das Handwerk im Jahr 2015 seinen nominalen Umsatz um 2 bis 2,5 Prozent steigern, was einem realen Zuwachs von 1,5 bis 2 Prozent entspräche und auf einen Gleichlauf von Handwerk und Gesamtwirtschaft hindeutet. Die Beschäftigung dürfte unter diesen Rahmenbedingungen um 0,5 bis 1 Prozent zunehmen.

Trotz der insgesamt positiven wirtschaftlichen Entwicklung gab es im vergangenen Jahr große Unterschiede zwischen den einzelnen Handwerksgruppen. So zum Beispiel im zulassungspflichtigen Bauhaupt- und Ausbaugewerbe, wo im Jahr 2012 knapp 44 Prozent des gesamten Handwerk-Umsatzes erzielt wurden. Zwar lag der Umsatz im handwerklichen Bauhauptgewerbe um 2,7 Prozent über dem Vorjahresergebnis, das Ausbaugewerbe konnte seine Umsätze jedoch nur um 1,4 Prozent steigern. Schwach entwickelten sich vor allem Glaser (+0,5 Prozent), Tischler (+0,9 Prozent), Elektrotechniker (+1,3 Prozent) sowie Klempner, Installateure und Heizungsbauer (+1,5 Prozent).

Uneinheitlich sah es auch bei den Handwerken für den privaten Bedarf aus, auf die im Jahr 2012 gut 36 Prozent des Gesamtumsatzes des deutschen Handwerks entfielen. In diesen Bereich fallen unter anderem das Kraftfahrzeuggewerbe, das Lebensmittelgewerbe und das Gesundheitsgewerbe. Bei den zulassungspflichtigen Handwerken konnte das Kraftfahrzeuggewerbe 2,4 Prozent höhere Umsätze erzielen. Die wirtschaftliche Entwicklung wurde wesentlich durch den Handel getrieben, es wurden 2,9 Prozent mehr fabrikneue Fahrzeuge zugelassen als 2013.

Nicht so positiv entwickelte sich der Umsatz im aus Bäckern, Konditoren und Fleischern bestehenden Lebensmittelhandwerk, er stieg nur um 0,8 Prozent. Ursächlich hierfür ist vor allem das Umsatzminus der Fleischer (-0,7 Prozent). Die Bäcker entwickelten sich mit einem Umsatzplus von 2,5 Prozent zwar gut, allerdings taten sie das mit 2,5 Prozent weniger Beschäftigten. Insgesamt verringerte das Lebensmittelhandwerk die Zahl seiner Beschäftigten um 1,8 Prozent, hier machen sich die wachsende Bedeutung von Filialbetrieben sowie der zunehmende Anteil industrieller Zulieferungen bemerkbar.

Überdurchschnittlich gut entwickelte sich das Gesundheitsgewerbe, das offenbar von der fortschreitenden Alterung der deutschen Bevölkerung profitiert. Insgesamt legten die Betriebe 2014 beim Umsatz um 5,6 Prozent zu, die Beschäftigung stieg um 0,9 Prozent. Besonders erfolgreich waren Augenoptiker (+4,8 Prozent) und Orthopädietechniker (+4,4 Prozent). Die Zahntechniker verzeichneten hingegen nur ein Umsatzplus von 1,6 Prozent. Bei den sonstigen Handwerken für den privaten Bedarf schnitten Friseure mit einem Plus von 2,5 Prozent vergleichsweise gut ab.

Von den zulassungsfreien Handwerken, die Leistungen für den privaten Bedarf anbieten, konnten Textilreiniger (+3,2 Prozent) und Uhrmacher (+2,5 Prozent) ihre Umsätze steigern, während Gold- und Silberschmiede (-1,1 Prozent) sowie Fotografen (-4,5 Prozent) Einbußen hinnehmen mussten.

Auch bei den zulassungspflichtigen Handwerken für den gewerblichen Bedarf, zu denen insbesondere Metallbauer, Feinwerkmechaniker, Informationstechniker und Landmaschinenmechaniker zählen, ist die Spannweite der Zuwachsraten groß. Insgesamt machten sie ein Umsatzplus von 3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders stark wuchs der Umsatz der Feinwerkmechaniker mit 4 Prozent. Die zulassungsfreien Handwerke für den gewerblichen Bedarf erzielten insgesamt ein Plus von 1,8 Prozent. Das breite Spektrum der Umsatzentwicklung reichte von den Modellbauern (-3,7 Prozent) bis zu den Schilder- und Lichtreklameherstellern (+4,3 Prozent).

(Redaktion)