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Unternehmensnachfolge | Di, 18.06.2013 14:02

Die Unternehmensnachfolge finanzieren

Von: Matthias Tröger

Sie gehört zu den wohl schwierigsten Herausforderungen, denen sich Unternehmer stellen müssen: die Regelung der Unternehmensnachfolge. Was nüchtern betrachtet nichts anderes darstellt als die Übertragung von Eigentumsrechten, ist in der Realität oft genug eine Herzensangelegenheit. Gibt es innerhalb der Familie einen geeigneten Nachfolger? Soll das Unternehmen verkauft werden? Wichtig ist in jedem Fall, die Nachfolge ebenso frühzeitig wie strategisch zu planen.


Auch der (potenzielle) Nachfolger trifft dabei weit reichende Entscheidungen mit großen finanziellen Konsequenzen. Denn ungeachtet, ob die Nachfolge intern oder extern geregelt wird: Außer bei einer Schenkung wird der Unternehmer einen Gegenwert für sein Unternehmen verlangen, den es zu finanzieren gilt.

Unter einer Eigenkapitalfinanzierung versteht man die Vergütung des Verkäufers durch Barzahlung oder durch die Einräumung von Vermögensrechten – etwa den Austausch von Anteilen mit dem Unternehmen des Erwerbers. Es handelt sich um die transparenteste Form der Vergütung, da lediglich die Werthaltigkeit oder die Absicherung der Bezahlung der Vergütung zu gewährleisten sind.

Die Nachfolge kann aber auch fremdfinanziert werden. Fremdfinanzierungen erfolgen in der Regel über Kreditinstitute. Aber auch staatliche Förderinstitutionen, die geordnete Nachfolgeregelungen aufgrund ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung subventionieren können, kommen in Frage.

Kreditfinanzierung von Unternehmensverkäufen sind meist großvolumige Geschäfte und als solche für Kreditinstitute attraktiv. Zur professionellen Abwicklung haben die Kreditinstitute Corporate Finance-Abteilungen aufgebaut, die im Rahmen von so genannten „strukturierten Finanzierungen“ Unternehmenskäufe finanzieren. Wesentliche Aspekte für den prozentualen Finanzierungsanteil und die Finanzierungskonditionen sind Kaufpreis und Kapitaldienstfähigkeit.

Förderinstitute geben qualifizierten Nachfolgern die Möglichkeit, ein Unternehmen zu erwerben, wenn das erforderliche Eigenkapital nicht in ausreichendem Maß vorhanden ist. Die Programme unterscheiden sich oft nach Bundesländern – gemeinsam ist ihnen die staatliche Subventionierung. So werden qualifizierten Nachfolgern u.a. Zinsen unter Marktniveau, eine Tilgungsfreiheit in der ersten Phase sowie staatliche Bürgschaften als Eigenkapitalersatz gewährt. Diese Programme werden meist für kleinere bis mittlere Transaktionen herangezogen. Der Antrag erfolgt regelmäßig über die Hausbank. Der formale Aufwand ist jedoch erheblich und der Zeitbedarf für das Genehmigungsverfahren oft problematisch.

Finanziert werden kann eine Nachfolge auch durch den Verkäufer. Dabei verzichtet dieser auf die sofortige Begleichung des gesamten Kaufpreises. In einem so genannten „Verkäuferdarlehen“ kann er einen Teil des Kaufpreises für einen festgelegten Zeitraum stunden. Die Modalitäten hängen prinzipiell von den Käuferkategorien ab.

Bei Management Buy-Ins (MBI) oder -Buy-Outs (MBO), d. h. den Erwerb durch interne oder externe Manager, stellt dies eine Unterstützung der Finanzierung des Kaufpreises durch den Verkäufer dar. Bei Transaktionen mit strategischen Käufern wie Beteiligungsgesellschaften tritt ein weiterer Aspekt hinzu: die Absicherung etwaiger Gewährleistungsansprüche der Käufer gegen den Verkäufer. Eine Größenordnung von 20 Prozent des Kaufpreises und eine Laufzeit von zwei Jahren sind gängige Ausprägungen.

Möglich aber eher die Ausnahme ist eine Verpachtung, bei der das Unternehmen im Besitz des Verkäufers bleibt. Weitaus gängiger ist der Mietkauf oder eine Verrentung. Hier wird der Kaufpreis mit fixierten Ratenzahlungen beglichen. Diese Variante findet man am ehesten in der familieninternen Nachfolge, extern beim MBO oder MBI. Doch Vorsicht: Der Verkäufer geht hierbei nicht unerhebliche Risiken ein. Die Erlangung des gesamten Kaufpreises hängt von der nachhaltigen Wirtschaftlichkeit des Unternehmens, von der unternehmerischen Kompetenz des Erwerbers – und im Zweifelsfall auch von dessen Gesundheit – ab.

Ein erfolgreicher Börsengang ist unter wirtschaftlichen Aspekten zwar interessant, leider aber Unternehmen mit einer gewissen Größe und Marktbedeutung vorbehalten. Die Vorarbeiten sind umfangreich und kostspielig.

Finanziert werden können Unternehmensakquisitionen am Kapitalmarkt aber auch durch die Ausgabe von Unternehmensanleihen. Hierzu bedarf es einiger Vorarbeiten, u.a. muss ein Prospekt für die Bankenaufsicht BAFin erstellt werden, eine emittierende Bank sowie ein Broker gewonnen werden.

Anleihen können an der Börse gehandelt werden. Sie haben ein festgelegtes Gesamtvolumen, feste Laufzeiten und Konditionen.  Der Zins hängt vom Rating des Unternehmens ab, das in der Regel durch die gängigen Rating-Agenturen und die Creditreform festgelegt wird. Dem Vorteil günstiger Konditionen und überschaubarer Berichtspflichten steht der Nachteil gegenüber, dass die Anleihe zum Laufzeitende vollständig getilgt werden muss. Sollte dies nicht gelingen, ist der Imageschaden immens.

Zum Autor: Matthias Tröger ist Diplom-Betriebswirt und geschäftsführender Gesellschafter der seneca Corporate Finance GmbH. Weitere Informationen stehen unter www.seneca-cf.de zur Verfügung.