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Wirtschaft | Fr, 24.06.2011 11:02

DIHK-Umfrage: Mehr Existenzgründer – aber auch schlechtere Gründungskonzepte

In Deutschland werden wieder mehr Unternehmen gegründet. Das geht aus dem aktuellen "Gründerreport" hervor, den der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) heute in Berlin vorgelegt hat. Ihm liegen Erfahrungsberichte von über 360.000 Kontakten der IHK-Existenzgründungsberater mit angehenden Unternehmerinnen und Unternehmern zugrunde. Bislang gab es bei besserer Konjunktur und rückläufiger Arbeitslosigkeit stets weniger Gründer.


"Endlich trägt die öffentliche Diskussion zum Thema 'Unternehmertum' erste Früchte" freut sich DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann. Aber: Vielen Gründungen drohe wegen mangelhafter Vorbereitung ein frühes Aus. "Noch immer wollen die meisten Gründer zuallererst der Erwerbslosigkeit entkommen", warnt Driftmann. Furcht sei jedoch ein schlechter Ratgeber, der oft dazu führe, sich übereilt in das „Abenteuer Selbstständigkeit“ zu begeben. Auch werde das Thema „Unternehmertum“ im deutschen Bildungssystem noch immer zu wenig behandelt. Folge: Selbst grundlegende Fragen seien beim Start oft ungeklärt: 43 Prozent aller arbeitslosen Gründer hätten keine klare Geschäftsidee. So könne niemand in Verhandlungen mit Kunden, Geschäftspartnern und Banken bestehen.

"Es ist daher richtig, den Gründungszuschuss für Arbeitslose neu zu justieren", unterstreicht der DIHK-Präsident. Die Umwandlung von einem Rechtsanspruch in eine Ermessensleistung gebe den Arbeitsagenturen die Möglichkeit, individueller abzuwägen: Ist die Selbstständigkeit für den Arbeitslosen wirklich der geeignete Weg? Ist eine Beschäftigung als Arbeitnehmer im Einzelfall nicht der bessere Wiedereinstieg ins Erwerbsleben? So könnten öffentliche Gelder zielgerichteter in Erfolg versprechende Gründungsprojekte gelenkt werden. Das erschwere zwar den Zugang, schütze aber vor Schnellschüssen.

64 Prozent der Gründungsinteressenten wollen sich in Dienstleistungsbranchen  wie Gastgewerbe, Gesundheits- und Pflegedienstleistungen oder Tourismus selbstständig machen. Viele dieser neuen Unternehmen seien zwar zunächst klein und starteten häufig ohne Mitarbeiter. Wer allerdings eine zündende Idee habe, die den Zuspruch der Kunden findet, könne auch rasch wachsen.

Besonders erfreulich so Driftmann: "Immer häufiger wollen Frauen ein Unternehmen gründen". Binnen sieben Jahren sei der Anteil der Gründerinnen von 32 Prozent auf 40 Prozent im Jahr 2010 gestiegen. Die Wirtschaftsregion mit den anteilig meisten Existenzgründerinnen bleibe mit 43 Prozent der Osten. In manchen IHK-Regionen mache der Gründerinnenanteil sogar 50 Prozent oder mehr aus. Vor allem das sich wandelnde Rollenverständnis führe dazu, dass sich immer mehr Frauen mit einer Unternehmensgründung ein eigenes berufliches Standbein schaffen wollen, indem sie unabhängig und flexibel Ideen auf den Markt bringen.

(Redaktion)