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Wirtschaft | Fr, 27.04.2012 08:46

Euro-Krise verschärft Fachkräftemangel in Europa

Arbeitgeber in Europa haben ihre Budgets für Aus- und Fortbildung trotz bestehender Engpässe bei Fachkräften eingefroren oder gekürzt. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter Führungskräften durch die Managementberatung Accenture. Demnach gaben 86 Prozent der Befragten an, für die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter im vergangenen Jahr gleich viel oder deutlich weniger ausgegeben zu haben. Grund ist die schwierige wirtschaftliche Lage infolge der Euro-Krise. Lediglich in Deutschland wollen Arbeitgeber die Ausgaben für Aus- und Fortbildung erhöhen.


An der Befragung nahmen 500 Führungskräfte aus Unternehmen, der öffentlichen Verwaltung und Organisationen der Zivilgesellschaft teil. Die Ergebnisse sind widersprüchlich: Obwohl die Arbeitslosigkeit in Europa hoch ist, berichteten 43% der Befragten von Problemen, offene Stellen mit passenden Bewerbern besetzen zu können. Gleichzeitig sagten 72 Prozent, dass Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft in diesem Bereich mehr investieren müssen. Allerdings erklärten lediglich 18 Prozent der Führungskräfte, in den nächsten zwölf Monaten selbst mehr Geld für Aus- und Fortbildungsmaßnahmen in die Hand nehmen zu wollen.

Ausnahme sind die Arbeitgeber in Deutschland. Diese investieren deutlich mehr in die Fähigkeiten der eigenen Mitarbeiter als ihre Wettbewerber im Rest Europas. Nach Auskunft der befragten Führungskräfte hierzulande, planen 27 Prozent ihre Ausgaben für Aus- und Fortbildung in den nächsten zwölf Monaten zu erhöhen. "Die deutsche Wirtschaft hat die Zeichen der Zeit erkannt und tut aktiv etwas gegen den wachsenden Mangel an Fachkräften", sagt Fred Marchlewski, Geschäftsführer des Bereichs Talent & Organisation bei Accenture. "Neben Trainingsmaßnahmen könnte außerdem ein verbesserter Such- und Auswahlprozess Abhilfe schaffen. In vielen Unternehmen wird noch zu sehr entlang von Abteilungs-, Branchen- und Ländergrenzen gedacht."

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, welche Barrieren bestehen, die ein effizientes Matching von Fachpersonal und freien Stellen verhindern. So antworteten 48 Prozent der Manager, dass sie das Angebot an Fachkräften auf dem heimischen Arbeitsmarkt sehr stark oder in erheblichem Umfang in Anspruch nehmen. Gefragt, ob sie das auch in anderen europäischen Ländern tun, fiel diese Zahl auf 28 Prozent. Hinzu kommt, dass viele Arbeitgeber die derzeit 23 Millionen Arbeitslosen in der EU zu sehr als homogene Gruppe sehen. Die besonderen Erfahrungen und Kompetenzen von Älteren, Frauen oder Jugendlichen werden dadurch zu wenig erkannt. So waren 67 Prozent der befragten Entscheider der Meinung, dass Arbeitgeber die Fähigkeiten von älteren Arbeitnehmern unterschätzen. Damit bestätigt sich das Ergebnis einer Accenture-Studie zur Generation 50Plus, wonach Unternehmen den Älteren zu wenig Entwicklungspotenzial und keine interessanten beruflichen Perspektiven bieten.

"Nach der Krise an den Finanzmärkten folgt nun die Krise auf dem europäischen Arbeitsmarkt", sagt Fred Marchlewski. "Um dem Teufelskreis aus steigender Arbeitslosigkeit, sinkenden Qualifikationen und einem sich verschärfenden Fachkräftemangel zu entgehen, können auch Unternehmen gegensteuern: Durch ein verbessertes internes Personalmanagement, durch die maßgeschneiderte Förderung von Frauen und älteren Arbeitnehmern und durch die gezielte Talentsuche im europäischen Ausland. Denn gut ausgebildete Arbeitnehmer sind das Fundament für langfristiges Wachstum."

Wie eng Wachstumsdynamik und Arbeitsmarkt zusammenhängen, zeigt eine Projektion von Accenture. Bei einer Expansion der europäischen Wirtschaft von 0,5 Prozent pro Jahr wird die Beschäftigung erst 2019 wieder auf Vor-Krisen-Niveau liegen. Um dies bereits 2014 zu erreichen, ist dagegen ein Wachstum von 2 Prozent im Jahr nötig.

(Redaktion)