Sign In

Welcome, Login to your account.

Wirtschaft | Di, 13.11.2012 08:21

European Entrepreneurship Report 2012: Berufliche Selbständigkeit als Zukunftsmodell

Eine repräsentative Erhebung zeigt, was auch das derzeitige Rekordhoch der Selbständigenquote in Deutschland vermuten lässt: 84 Prozent der deutschen Befragten sind der Auffassung, dass berufliche Selbständigkeit in der modernen Arbeitswelt an Bedeutung gewinnen oder gleich wichtig wie heute bleiben wird. Damit schätzen die Studienteilnehmer in Deutschland die Rolle der Selbständigkeit im modernen Arbeitsleben noch höher ein als der Durchschnitt der Befragten in Europa. Diese gehen zu 78 Prozent von einer wachsenden oder gleich bleibenden Rolle im Arbeitsmarkt von morgen aus. Das sind Ergebnisse des jährlich erscheinenden European Entrepreneurship Report der Amway GmbH. Im Rahmen der Studie wurden Menschen in 16 europäischen Ländern zur beruflichen Selbständigkeit befragt.


Vor allem die Unabhängigkeit vom Arbeitgeber ist für die Befragten hierzulande (52%) ein wichtiger Aspekt, der für die Gründung eines eigenen Unternehmens spricht (europäischer Durchschnitt: 45%). „Flexible Arbeitszeiten und die berufliche Zukunft selbst gestalten zu können - das gewinnt für viele Menschen immer mehr an Attraktivität. Ein Großteil der Befragten nimmt Selbständigkeit daher als Zukunftsmodell im Arbeitsmarkt von morgen wahr“, bestätigt Dimitri van den Oever, Geschäftsführer der Amway GmbH.

Außerdem fühlen sich die Deutschen durch die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung (46%) und zusätzliche Verdienstmöglichkeiten (35%) angesprochen. Die bessere Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf ist für ein Viertel der Umfrageteilnehmer (24%) wichtig. Dies gilt vor allem für Frauen: Bei ihnen liegt die die Zustimmung um neun Prozent höher als bei Männern (Frauen: 28%, Männer: 19%). Europaweit gewinnt Selbständigkeit als Quelle zusätzlicher Verdienstmöglichkeiten an Bedeutung. Ein Drittel (33%) der Befragten nennt ihn als Argument für eine Unternehmensgründung. In Rumänien (55%), Griechenland (48%) und Dänemark (47%) ist dieser Aspekt überdurchschnittlich wichtig.

59 Prozent der Deutschen haben eine positive Einstellung zur Selbständigkeit. Im europäischen Vergleich sehen zwei von drei Studienteilnehmern (69%) Selbständigkeit positiv. Am höchsten ist die Zustimmung in Dänemark (85%), Frankreich (77%) und Großbritannien (75%). 27 Prozent der Befragten in Deutschland können sich vorstellen, ihr eigener Chef zu werden. Die 14 bis 29-jährigen Deutschen stehen einer Unternehmensgründung besonders aufgeschlossen gegenüber. In dieser Altersgruppe liegt das Selbständigenpotenzial bei 41 Prozent. Damit steigt das Gründungsinteresse der unter 30-Jährigen im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent (2011: 36%).

Vergleicht man die Fähigkeiten von Selbständigen mit denen von Arbeitnehmern, sind sich die Europäer einig, dass Selbständige dem Anforderungsprofil des Arbeitsmarkts der Zukunft besonders nahe kommen. Sie können laut Ansicht der Befragten selbst bestimmen wo sie arbeiten (45%), haben den Mut, neue Wege zu gehen (45%) und können ihre Zeit flexibler einteilen (40%). Drei Viertel (75%) der deutschen Studienteilnehmer sehen den Mut, neue Wege zu gehen als Merkmal, in dem sich Selbständige besonders von Angestellten unterscheiden. Auch eine örtliche und zeitliche Flexibilität (59% und 57%) nehmen deutsche Befragte überdurchschnittlich stark bei Unternehmern wahr.

Als Hürde beim Schritt in die Selbständigkeit nennen 69 Prozent der befragten Deutschen fehlendes Startkapital. „Neben der Finanzierung ist die größte Herausforderung zur Förderung von Unternehmertum, die Wahrnehmung von Selbständigkeit zu verändern und die Aus- und Weiterbildung von Selbständigen zu stärken“, analysiert Andy Goldstein, Geschäftsführer des Entrepreneurship Center der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die wirtschaftlichen Verhältnisse eines Landes können die Einstellung zur Selbständigkeit beeinflussen. Das zeigen die Studienergebnisse aus Griechenland. Hier ist die Gründung eines eigenen Unternehmens für 51 Prozent eine Alternative zur Arbeitslosigkeit. Für die Mehrheit der Griechen gibt es auf dem Weg zur Selbständigkeit jedoch große Hindernisse. Die unsichere Wirtschaftslage (79%) und fehlendes Startkapital (74%) erschweren die Gründungstätigkeit.

(Redaktion)