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Wirtschaft | Di, 16.09.2014 13:46

Existenzgründung: Anteil von Frauen erreicht Rekordwert

Noch nie war der Anteil von Frauen am Gründergeschehen in Deutschland höher als im Jahr 2013: 43 Prozent aller Gründungen (also rd. 376.000 von rd. 868.000 Gründungen) wurden durch Frauenhand vollzogen. Bei den Vollerwerbsgründungen lag der Anteil dabei mit 33 Prozent niedriger als bei den Nebenerwerbsgründungen, wo er bei knapp 50 Prozent lag. Das sind Ergebnisse einer Sonderanalyse des KfW-Gründungsmonitors 2014 zum Gründergeschehen von Frauen.


„Nur ein Drittel der männlichen Starter hat mindestens ein Kind, bei den Gründerinnen ist es fast die Hälfte. Häufiger als andere waren sie vor Beginn ihres Projektes nicht erwerbstätig. Die Selbständigkeit, gerade im Nebenerwerb, bietet für viele Frauen offenbar eine Möglichkeit, Familie und Beruf zu vereinbaren“, sagt Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW.

Die Motivation zur Selbständigkeit ist bei Frauen allerdings häufiger als bei Männern aus der Not geboren: Der Wunsch nach Umsetzung einer innovativen Geschäftsidee treibt 58 Prozent der Gründer an, aber nur 46 Prozent der Gründerinnen. Dagegen gaben 35 Prozent der Frauen an, sich aufgrund fehlender alternativer Beschäftigungsmöglichkeiten für die Selbständigkeit entschieden zu haben, bei den Männern waren es nur 26 Prozent.

Weitere zentrale Ergebnisse der Studie:

Fast die Hälfte aller Gründerinnen startet im Bereich der persönlichen Dienstleistungen (z.B. Physiotherapie, freiberufliche Lehrtätigkeit). Männliche Selbständige fokussieren sich dagegen stärker auf wirtschaftliche Dienstleistungen (z.B. Softwareentwicklung, Steuer- und Rechtsberatung).

Dies geht mit einem deutlich kleineren Finanzierungsbedarf einher. Der Anteil der Gründerinnen, die überhaupt finanzielle Mittel eingesetzt haben, ist mit 61Prozent zwar fast genauso hoch wie bei den Männern. Doch benötigen 71 Prozent von ihnen weniger als 5000 Euro. Bei den Gründern mit Finanzierungbedarf macht diese Gruppe nur 47 Prozent aus.

Frauen sind genauso häufig von Finanzierungsschwierigkeiten betroffen wie Männer (19 Prozent vs. 15 Prozent).

Im Vollerwerb wenden Gründerinnen deutlich weniger Zeit für ihre Selbständigkeit auf als Gründer (rd. 42 vs. rd. 54 Std. wöchentlich).

Frauen gründen im Vergleich zu Männern seltener im Team (19 Prozent vs.28 Prozent), und haben seltener Mitarbeiter (16 Prozent vs. 28Prozent).

Selbst wenn man alle sichtbaren Unterschiede berücksichtigt, liegt der monatliche Umsatz weiblicher Vollerwerbsgründer um etwa 6.000 Euro niedriger als der ihrer männlichen Kollegen.

„Frauen verfolgen offensichtlich eine zurückhaltende Wachstumsstrategie. Arbeitszeit und Umsatz sind deutlich geringer. Das mag auch den privaten Bedürfnissen wie der Kinderbetreuung geschuldet sein. Auf die Bestandsfestigkeit ihrer Unternehmen hat dies jedoch keinen Einfluss: Gründerinnen brechen ihre Projekte nicht häufiger ab als Männer und sind im Hinblick auf das langfristige Überleben ihres Vorhabens mindestens genauso erfolgreich“, sagt Dr. Jörg Zeuner.

(Redaktion)