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Unternehmensnachfolge | Di, 11.06.2013 12:52

Existenzgründung: Unternehmensnachfolge oder Neugründung?

Von: Ronald Lehnert

Gerade im gewerblichen Umfeld haben wir aktuell folgende Situation: Angehende Existenzgründer arbeiten an Geschäftsmodellen, um darauf ein funktionierendes Unternehmen zu begründen. Diesen fehlt es aber oft an Bausteinen und Komponenten, um die eigenen Planungen erfolgreich in eine eigene Firma zu überführen. Mit nur einem Businessplan in der Tasche, hat der Jungunternehmer zum Beispiel gegenüber der Hausbank eine sehr schlechte Position, wenn er sich um einen Kredit bemüht.


Auf der anderen Seite gibt es viele etablierte kleine und mittelständische Inhaber, die ihr Unternehmen aus Altersgründen gerne an die nächste Generation weitergeben möchten. Diesen fehlt es aber oft an Kandidaten aus der eigenen Familie, die auch den Wunsch haben, das eigene Lebenswerk fortzuführen.

Warum also soll sich ein Existenzgründer nicht für die Nachfolge eines Unternehmers interessieren, wenn alle Voraussetzungen wie die fachliche Eignung, Branche, Standort etc. passen?

Was sind die Vorteile, wenn man im Rahmen der Nachfolge ein Unternehmen übernimmt?

Man startet mit einem am Markt etablierten Unternehmen. Es ist so, als springt man auf einen bereits fahrenden Zug auf. Dieser Betrieb verfügt im Idealfall über eine gute Kundenbasis, funktionierende Lieferantenbeziehungen und eine gute Umsatz- und Ertragssituation.

Das Personal ist eingearbeitet und führt das Geschäft nach der Übernahme im Sinne der bisherigen Unternehmensziele ohne große Reibungsverluste weiter.

Welche Herausforderungen kommen auf einen Unternehmer bei einer Nachfolge zu?

Da es sich in den allermeisten Fällen um einen Unternehmenskauf handeln wird, ist der finanzielle Aspekt von großer Bedeutung. Es geht dabei zuerst um die Ermittlung des Unternehmenswertes. Nach welcher Methode dieser berechnet werden kann, soll nicht Gegenstand des Beitrags sein. Nach meiner Erfahrung gibt es hier sehr oft unterschiedlichste Auffassungen, wie die Umsätze, Erträge und auch mögliche, in der Zukunft liegende Risiken zu bewerten sind. Daher sollte niemand ein solches Vorhaben ohne die Unterstützung eines erfahrenen Unternehmensberaters angehen.

Auch der Blick auf die der Kosten und deren Entwicklung ist in die Einschätzung mit einzubeziehen:

  • Wie viele Mitarbeiter sind in dem Unternehmen tätig?
  • Wie werden sich die Personalkosten entwickeln?
  • Wie flexibel ist das Unternehmen bei den Möglichkeiten der Steuerung von Kosten?
  • Welche langfristigen Verträge (z.B. Miet- Kredit- Leasing- Versicherungs- oder Abnahmeverträge) gehen auf den Jungunternehmer über?
  • Wie schaut das Unternehmen aus betriebswirtschaftlicher Sicht aus? Gibt es neue, starke Mitbewerber, oder ist der Standort durch z.B. infrastrukturelle Maßnahmen im Umfeld problematisch anzusehen?

Man sieht also, dass es sich bei einer Unternehmensnachfolge definitiv nicht um ein "gemachtes Nest" handelt in welches man sich setzt. Es handelt sich sowohl um eine persönliche als auch um eine rational zu treffende Entscheidung

Wer also mit dem Gedanken spielt, ein eigenes Unternehmen zu gründen oder eines als Nachfolge zu übernehmen, sollte das Für und Wider sehr streng abwägen. Eine Fehlentscheidung ist oft mit einem persönlichen und wirtschaftlichen Existenzrisiko verknüpft.

  • Bin ich dabei, ein tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln, das sich mit überschaubaren Ressourcen am Markt testen lässt (Stichwort: Lean Startup)?
  • Möchte ich mein Geschäftsmodell selbst am Markt etablieren oder bin ich flexibel genug, bestehende Geschäftskonzepte weiterzuentwickeln?
  • Habe ich finanzielle Reserven oder Sicherheiten, um bei einem Unternehmenskauf auch einen signifikanten Eigenanteil abzubilden?
  • Bin ich mit allen meinen Kompetenzen und Erfahrungen in der Lage, ein etabliertes Unternehmen zu führen oder möchte ich mit meiner eigenen Unternehmung wachsen?
  • Plane ich die nächsten Schritte der Existenzgründung allein oder habe ich mich fachkundig zu den Alternativen beraten lassen?
  • Wieviel Zeit ist für den Prozess der Gründung bzw. Nachfolge eingeplant? Eine Unternehmensnachfolge ist ein komplexer Prozess. Mit weniger als 6-12 Monaten ist bei einer Umsetzung nicht zu rechnen.

Zum Autor: Ronald Lehnert ist Unternehmens- und Existenzgründungsberater sowie Existenzgründercoach für alle Fragen zu Existenzgründung, Existenzsicherung, Fördermittel und Existenzgründercoachings für kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Weitere Informationen sind unter www.unternehmensberatung-lehnert.de abrufbar.