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Wirtschaft | Mi, 06.10.2010 09:53

Familienunternehmen sichern Liquidität in der Krise stärker als börsennotierte Unternehmen

Die großen nicht börsennotierten Familienunternehmen in Deutschland haben im Krisenjahr 2009 trotz ihrer oft diversifizierten Geschäftsmodelle einen massiven Umsatzrückgang hinnehmen müssen. Darauf haben sie mit Restrukturierung, Kostensenkung und Maßnahmen zur Liquiditätssicherung reagiert. Im Vergleich zu börsennotierten Gesellschaften handelten die Konzerne im Familien- oder Stiftungsbesitz dabei sicherheitsorientierter: Sie führten ihre Nettofinanzverbindlichkeiten markant zurück und behaupteten eine Eigenkapitalquote von durchschnittlich 40 Prozent, zehn Prozentpunkte höher als in der Vergleichsgruppe. Zugleich waren sie in der Wirtschaftskrise innovationsfreudiger und investierten trotz beschnittener Investitionsbudgets einen deutlich höheren Anteil des operativen Cashflows in Ausbau und Modernisierung der Produktionsanlagen. Das ist das Ergebnis einer Analyse durch die Corporate-Finance-Experten von Roland Berger Strategy Consultants und ergo Kommunikation.


"Auch in der Krise manifestierte sich damit die auf langfristigen Unternehmenserhalt zielende Strategie der Eigentümerfamilien", sagt Klaus van Marwyk, Principal von Roland Berger Strategy Consultants und Co-Autor der Studie. Für die Studie wurden die Konzernabschlüsse von 30 großen, industriell orientierten Unternehmen in Familien- und Stiftungsbesitz mit einem Gesamtumsatz von 170 Mrd. Euro und mehr als 870 Tsd. Mitarbeitern ausgewertet. Die Vergleichsgruppe bildeten 30 im MDAX notierte Gesellschaften vergleichbarer Größe und Branchenzugehörigkeit.

"Familienunternehmen kennen die entscheidenden Elemente ihres Geschäftsmodells sehr genau und denken außerordentlich langfristig", kommentiert van Marwyk die Ergebnisse. "Daher haben sie in der Krise flexibel und schnell reagiert und dabei ihre kritischen Ressourcen - Technologie, Personal und Finanzierung - abgesichert." Die Ertragslage der Familienunternehmen war durch den Umsatzrückgang um 12 Prozent geprägt - aber auch durch eine überproportionale Materialkostensenkung, die unter anderem auf günstigeren Rohstoffpreisen und Preisverhandlungen mit Lieferanten beruhte. Ein Stellenabbau um drei Prozent machte sich nur teilweise in den Personalkosten bemerkbar: Anders als in der MDAX-Vergleichsgruppe legte die Personalkostenquote zu und betrug im Durchschnitt 22,6 Prozent (2008: 20,1 Prozent). Ihre Forschungs- und Entwicklungsprojekte verringerten die Familienunternehmen trotz der angespannten Ertragslage kaum. In Summe wendeten sie 7,5 Prozent (Vorjahr 6,9 Prozent) des Umsatzes für FuE auf, verglichen mit einer FuE-Quote von 3,1 Prozent in der MDAX-Vergleichsgruppe.

Auf der Finanzierungsseite traten ebenfalls deutliche Unterschiede ans Licht. Die Familienunternehmen haben - anders als die MDAX-Werte - ihre Finanzverbindlichkeiten ausgeweitet; bei den Großkonzernen mit einem Umsatz von mehr als 3 Mrd. Euro erfolgte dies vorrangig über Anleihen und Schuldscheindarlehen, bei den kleineren Familienunternehmen über die Ausweitung des klassischen Bankkredits. Die zusätzlichen Mittel wurden zum Teil als Liquidität in den Unternehmensbilanzen geparkt, was in verringerten Nettofinanzschulden und einem niedrigen Gearing (Nettofinanzverbindlichkeiten im Verhältnis zum Eigenkapital) resultierte.

Der erneute Abbau von Vorräten und Forderungen, die zusammen nur noch 30,5 Prozent der Bilanzsumme betrugen (MDAX-Vergleichsgruppe: 33,8 Prozent), sowie das Aufschieben größerer Investitionsvorhaben haben die Liquidität der Familienunternehmen weiter gestützt. Gleichwohl haben die Unternehmen 68,7 Prozent des operativen Cashflows für Investitionen verwendet, während es bei den börsennotierten Pendants 47,1 Prozent waren. Schließlich haben auch die vergleichsweise moderaten Dividendenforderungen der Familien zur Entspannung der Finanzlage beigetragen.

(Redaktion)