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KMU & Freiberufler | Fr, 08.02.2013 10:35

Finanzierungsprobleme bei Start-Ups: Externe Ratings haben wenig Einfluss

Externe Kreditwürdigkeitsprüfungen durch Rating-Agenturen haben für Banken bei der Kreditvergabe an Unternehmen erheblich an Bedeutung gewonnen. Hintergrund ist die verschärfte Regulierung durch Basel II. Eine These besagt, dass ungünstige oder fehlende Ratings der Grund dafür seien, dass insbesondere junge, innovative Unternehmen ohne aussagekräftige Kredithistorie oft Schwierigkeiten hätten, Bankkredite zu erhalten. Dies bestätigt sich jedoch nicht. Eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zeigt zwar, dass negative Ratings generell für Unternehmen den Zugang zu Krediten erschweren. Gerade für junge, innovative Unternehmen fällt dieser Effekt allerdings deutlich geringer aus als für andere.


Start-Up Unternehmen in Deutschland klagen häufig über erhebliche Schwierigkeiten, Zugang zu Bankkrediten zu erhalten. Diese sind jedoch die für sie wichtigste Quelle externen Kapitals zur Finanzierung von Innovationsprojekten und Erweiterungsmaßnahmen. Das ist problematisch, denn neu gegründete und junge Unternehmen vor allem im Hightech-Bereich leisten einen wichtigen Beitrag zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Auch schaffen sie neue Arbeitsplätze.

Umso interessanter ist die Beobachtung der ZEW-Studie, dass Ratings bei der Kreditvergabe an neu gegründete Unternehmen des Hightech-Bereichs eine geringere Rolle spielen als bei Unternehmen in der traditionellen Industrie. So ist ein Hightech-Unternehmen von einem schlechten externen Krediturteil weniger stark betroffen als ein Unternehmen in traditionellen Wirtschaftszweigen. Banken scheinen externen Ratings von Hightech-Unternehmen eine geringere Aussagekraft zuzusprechen. Sie stützen ihre Entscheidung mehr auf andere, weiche Faktoren. Liegt für ein junges Unternehmen gar kein externes Rating vor, so wird dieses von Banken scheinbar genauso behandelt, wie ein Unternehmen mit einem guten oder sehr guten Rating.

Die Untersuchung zur Kreditvergabe an Start-Up Unternehmen basiert auf dem KfW/ZEW Start-Up Panel. Dies enthält Daten zu mehr als 9.700 Unternehmen, die in den Jahren 2005 bis 2009 gegründet wurden. Diese Daten wurden mit Informationen der Kreditauskunftei Creditreform zu den Ratings der Unternehmen und ihrer Hausbank zusammengeführt. Dabei zeigte sich, dass von den im Panel befindlichen Unternehmen insgesamt 26 Prozent einen Bankkredit benötigten. Das entspricht einem Anteil von 65 Prozent an allen Unternehmen, die auf externe Finanzierung zurückgegriffen haben. Dabei berichteten etwa 41 Prozent der jungen Hightech Unternehmen und etwa 36 Prozent der jungen Unternehmen aus traditionellen Branchen von Problemen bei der Kreditvergabe.

Die ZEW-Analyse zeigt auch, dass mit der Größe einer Bank deren Zurückhaltung bei der Vergabe von Krediten an junge Unternehmen wächst. Dies könnte erklären, weshalb junge Unternehmen sowohl im Hightech-Bereich als auch in den traditionellen Branchen, die eine Großbank als Hausbank haben, seltener Bankkredite in Anspruch nehmen. Auch berichten sie öfter von Schwierigkeiten, einen Bankkredit zu erhalten. Indessen ist der Effekt der Bankgröße auf die Kreditverfügbarkeit allerdings eher gering. Befürchtungen, dass die Bankenkonsolidierung den Zugang junger Unternehmen zu Krediten deutlich erschwert, sind daher unbegründet.

(Redaktion)