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| Mo, 16.05.2011 10:37

Fördermittel: So wird der „verdiente“ Ruhestand finanziert

Zu einer erfolgreichen Übergabe eines Unternehmens gehört immer auch eine tragfähige Finanzierung, mit der ein Übernehmer den Kaufpreis finanzieren kann. Damit das auch gelingt, hilft der Staat mit Fördermitteln. Doch was heißt das eigentlich konkret?


Beim Thema Unternehmensnachfolge haben die meisten von uns die stolzen Eltern vor Augen, wie sie dem Sohn oder der Tochter ihr Lebenswerk übergeben und sich in ihren wohl „verdienten“ Ruhestand zurückziehen. Die Rührung, die dieser Moment bei den Beteiligten hervorruft, hält sich dabei sehr in Grenzen: Die Eltern müssen „Kasse“ machen und ihren eigenen Kindern das Unternehmen verkaufen. Wie sonst ließe sich der „verdiente“ Ruhestand finanzieren, steckt doch das Vermögen der Eltern zum größten Teil im Unternehmen? Und das gilt natürlich genauso bei einer externen Übergabe, wenn das Unternehmen an Käufer außerhalb der Familie geht.

Für den Nachfolger stellt sich dabei das Problem, eine tragfähige Finanzierung auf die Beine zu stellen. Dabei hilft ihm der Staat, der ein Interesse am Erhalt von Arbeitsplätzen und Steuerzahlungen hat, mit sehr unterschiedlichen Förderinstrumenten:

Durch eine Beratungsförderung sollen schon im Vorfeld die richtigen Weichen gestellt und später während des Übergabeprozesses Fehler vermieden werden. So bietet zum Beispiel das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg mit der Initiative „ifex“ kostenlose Informationen für den reibungslosen Generationswechsel (www.ifex.de). Wer externe Berater (zum Beispiel von www.die-foerdermittelberater.de) einsetzen will, kann dafür einen Zuschuss von bis zu fünfzig Prozent der Beratungskosten erhalten. Für diese Beratungsförderung gibt es Informationen beim Wirtschaftsministerium. Auch ein 30tägiges Coaching, bei dem der Berater den Übergabeprozess begleitet, ist möglich.

Bei den Verhandlungen mit den Banken (wenn möglich tatsächlich mit mehreren) sollte der Übernehmer das Thema „Fördermittel“ ganz oben auf die Agenda setzen. In Baden-Württemberg ist die L-Bank (www.l-bank.de) die richtige Adresse, wenn es um Förderdarlehen oder um Bürgschaften mit Darlehenssummen von mehr als einer Million Euro geht. Für Bürgschaften unterhalb einer Million Euro ist die Bürgschaftsbank (www.buergschaftsbank.de) der richtige Ansprechpartner. Wenn alles gut läuft, wird ein Finanzierungspaket aus Eigenmitteln des Übernehmers, Bürgschaften und Förderdarlehen geschnürt, mit dem der Kaufpreis finanziert werden kann. Die Förderung besteht in der Regel darin, dass Kredite trotz ungenügender Sicherheiten vergeben werden, die Zinssätze unterhalb des Marktzinses liegen und die Modalitäten der Rückzahlung erträglich sind. So wird meist vereinbart, dass die ersten Jahre tilgungsfrei bleiben und sich die Rückzahlung auf einen sehr langen Zeitraum (häufig Jahrzehnte) erstreckt. Den Banken, die die Förderdarlehen durchleiten müssen, wird das Ganze mit einer Haftungsfreistellung schmackhaft gemacht: Kann der Übernehmer das Darlehen nicht zurückzahlen, tut es eben das Förderinstitut, jedenfalls zum größten Teil.

Unter Umständen beteiligt sich der Staat über seine Förderinstitute auch an den Unternehmen und übernimmt einen Teil des Kaufpreises. Für kleinere Beteiligungen bis zu 2,5 Millionen Euro lohnt sich ein Gespräch mit der mittelständischen Beteiligungsgesellschaft (www.mbg.de), für größere Summen ist die die Eigenkapital-Agentur der L-Bank (www.lea.de) zuständig.

Beide Seiten, sowohl der Übergeber als auch der Übernehmer, sollten sich in die komplexe Finanzierungsmaterie gründlich einarbeiten und sich dabei auch die nötige Zeit nehmen. Fehler können schnell viel Geld kosten. Der Finanzierungsbedarf darf nicht nur auf der Basis des Kaufpreises berechnet werden, sondern auch aus nachfolgenden Investitionen (zum Beispiel Neuanschaffungen und Restrukturierungen). Bei den Verhandlungen mit den Banken sollte man sich nicht mit Aussagen wie „Geht nicht“, „In Ihrem Fall nicht möglich“ oder „Machen wir nicht“ abspeisen lassen. Wer hartnäckig fragt und sich am besten auch direkt bei den Förderinstituten und von Fördermittelberatern beraten lässt, wird schnell ein „Geht doch“ zu hören bekommen. Zu empfehlen sind auch die Angebote der regionalen IHKs und Handwerkskammern, die ebenfalls viele Informations- und Beratungsangebote zur Verfügung stellen.

Zum Autor: Martin Buttenmüller ist Journalist und PR-Berater in München (www.buttenmueller.de) und betreibt das Portal Die Fördermittelberater (www.die-foerdermittelberater.de).