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| Mi, 19.11.2008 10:48

Forschungsstandort Baden-Württemberg baut internationale Spitzenposition weiter aus

Brenner: Ausgaben für Forschung und Entwicklung im Südwesten bei 4,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts / 1,6 Prozent allein vom Fahrzeugbau

FuE-Intensität in der Europäischen Union 2005 (Anteil der FuE-Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt) Zur Vergrößerung bitte auf die Grafik klicken.

FuE-Intensität in der Europäischen Union 2005 (Anteil der FuE-Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt) Zur Vergrößerung bitte auf die Grafik klicken.


Wie sieht die baden-württembergische Forschungslandschaft aus? Wo steht diese im weltweiten Forschungs- und Entwicklungswettbewerb, was sind die Stärken und Schwächen des baden-württembergischen Forschungsstandortes und welche Regionen sind die treibenden Kräfte im Land? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt die aktuelle Ausgabe des »Forschungs- und Entwicklungs-Monitors Baden-Württemberg«, so Dr. Carmina Brenner, die Präsidentin des Statistischen Landesamtes. Erstmals stehen die wichtigsten Daten sowie international vergleichbare Kenngrößen auch im Internet zur Verfügung.

Baden-Württemberg investiert 4,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Forschung und Entwicklung (FuE) – Ein internationaler Spitzenwert
Nach Berechnungen des Statistischen Landesamtes wurden in den Forschungsstätten der privaten Wirtschaft, an den Hochschulen und in den außeruniversitären Forschungseinrichtungen 2005 knapp 13,7 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung ausgegeben. Damit beliefen sich die FuE-Ausgaben auf 4,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (die so genannte FuE-Intensität). Zwei Jahre zuvor wurden 3,9 Prozent der Wirtschaftsleistung in FuE investiert. Innerhalb Deutschlands, wie auch innerhalb der Europäischen Union, ist damit Baden-Württemberg Spitzenreiter, gefolgt von Berlin und Schweden auf Platz zwei mit jeweils 3,8 Prozent, Finnland auf Platz drei (3,5 Prozent), der »Île de France« auf Platz vier (3,1 Prozent) sowie Bayern auf Platz fünf (2,9 Prozent). Am Ende der Skala liegen größtenteils ost- und südeuropäische Länder und Regionen mit Werten von teilweise weit unter einem halben Prozent. Die FuE-Intensität der beiden »Hochtechnologieführer« Japan und USA ist mit 3,3 bzw. 2,6 Prozent ebenfalls deutlich kleiner als im Südwesten Deutschlands. Im Bundesdurchschnitt lag die FuE-Intensität 2005 und 2006 bei rund 2,5 Prozent.

»Gerade vor dem Hintergrund der Globalisierung sind Forschung und Entwicklung, d.h. das Entstehen von neuem Wissen und dessen Umsetzung in innovative Produkte und Dienstleistungen von herausragender Bedeutung. Mit seinen hohen FuE-Ressourcen und dem erfolgreichen Zusammenspiel von Unternehmen, Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen schafft Baden-Württemberg eine entscheidende Voraussetzung zum Erhalt und zur Steigerung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit«, so Brenner.

Im internationalen Vergleich produzieren die heimischen Unternehmen überdurchschnittlich forschungsintensiv
Während die Forschungsintensität des Wirtschaftssektors, d.h. der Anteil der unternehmerischen Forschungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt, in Deutschland von 1,8 Prozent in 2003 auf 1,7 Prozent in 2005 gesunken ist, stieg sie im Südwesten im gleichen Zeitraum von 3,1 Prozent auf einen neuen Spitzenwert von 3,4 Prozent. Damit ist der FuE-Vorsprung der baden-württembergischen Wirtschaft auch im internationalen Vergleich zuletzt nochmals deutlich gestiegen. Im Schnitt der OECD-Länder lag der Anteil der unternehmerischen Forschungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt bei lediglich 1,5 Prozent. Alleine die FuE-Ausgsben des baden-württembergischen Fahrzeugbaus beliefen sich auf knapp 1,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

Entgegen dem Bundestrend stockt die baden-württembergische Wirtschaft ihr Forschungspersonal seit 2001 deutlich auf
Die hohe Wettbewerbsfähigkeit der unternehmerischen Forschung im Land wird von der Entwicklung des FuE-Personals in der jüngsten Vergangenheit verdeutlicht. In den Unternehmen im Land waren 2005 etwa 81 670 Personen in Forschung und Entwicklung tätig (82 376 inklusive der Forschungsstätten der sogenannten Institutionen für Gemeinschaftsforschung) und damit 15 Prozent bzw. 10 670 mehr als noch im Jahre 2001. Die positive Entwicklung des Forschungspersonals stand dabei auf einer breiten Basis, denn mit Ausnahme der Rundfunk- und Nachrichtentechnik haben alle bedeutenden FuE-Branchen ihre personellen FuE-Ressourcen ausgebaut, während es bundesweit von 2001 bis 2005 zu einem leichten Rückgang des FuE-Personals in den Unternehmen gekommen ist. Der Schwerpunkt der industriellen Forschung im Land liegt in den forschungsintensiven Technologiebranchen Fahrzeugbau, »Büro-, Elektrotechnik, Feinmechanik, Opik« und Maschinenbau und damit überwiegend in den sogenannten »Gehobenen Gebrauchstechnologien« der Hochtechnologiebranchen. Im bundesweiten Vergleich haben dagegen die so genannten Spitzentechnologien in Baden-Württemberg, beispielsweise im Bereich des Luft- und Raumfahrzeugbaus oder der pharmazeutischen Industrie, eine vergleichsweise geringe quantitative Bedeutung. Die höchste Forschungsintensität Baden-Württembergs wies der Landkreis Böblingen auf, gefolgt vom Bodenseekreis und dem Stadtkreis Stuttgart.

Dienstleistungsorientierte Technologieberatung gewinnt an Bedeutung
Eine zunehmend gewichtigere Rolle im Forschungs- und Entwicklungsprozess kommt dem Dienstleistungssektor zu. Im Wirtschaftsbereich »Grundstücks- und Wohnungswesen, unternehmensnahe Dienstleistungen« waren 2005 in Baden-Württemberg mit über 7 300 Beschäftigten so viele Personen in Forschung und Entwicklung tätig wie in keinem anderen Bundesland. Seit 2001 kam es hier mit einem Plus von gut 32 Prozent (etwa 1 800 Personen) zum stärksten prozentualen Zuwachs an FuE-Personal aller für FuE bedeutsamen Branchen. Forschungs- und Entwicklungsdienstleister in Baden-Württemberg dürften zukünftig insbesondere durch das Zusammenwachsen unterschiedlicher Technologien im Fahrzeug- und Maschinenbau von einem steigenden Bedarf nach hochwertigen FuE-Dienstleistungen profitieren.

FuE in außeruniversitären Forschungseinrichtungen
In den über 100 überwiegend öffentlichen FuE-Einrichtungen außerhalb der Hochschulen, dem so genannten Staatssektor, wurden im Jahre 2006 (2005) rund 1,37 (1,35) Mrd. Euro für Forschung und Entwicklung ausgegeben. Zu diesen Einrichtungen zählen zum Beispiel die Institute der Max-Planck- und Fraunhofer-Gesellschaft oder die FuE-Einrichtungen der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren wie das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg oder das Forschungszentrum Karlsruhe. Insgesamt waren etwa 12 260 (11 990) Personen mit Forschungsaufgaben beschäftigt, dies entspricht einem Anteil von knapp 16 Prozent am FuE-Personal derartiger Einrichtungen in Deutschland. Damit wurden die FuE-Personalressourcen des Landes im Staatssektor nur von Nordrhein-Westfalen übertroffen. Während die Zahl des FuE-Personals in außeruniversitären Forschungseinrichtungen seit 2001 im Durchschnitt Deutschlands um 9 Prozent gestiegen ist, kam es im Südwesten mit einem Plus von knapp 3 Prozent nur zu einer unterdurchschnittlichen Entwicklung.

Hochschulen in Baden-Württemberg: Die Forschungsausgaben je Professur sind so hoch wie in keinem anderen Bundesland
Im Hochschulsektor Baden-Württembergs, der vier der insgesamt neun Eliteuniversitäten in Deutschland stellt, waren 2005 etwa 15 930 Personen mit FuE-Tätigkeiten beschäftigt, die Ausgaben der Hochschulen für Forschung und Entwicklung beliefen sich auf über 1,3 Mrd. Euro. Gemessen an der Zahl des FuE-Personals liegt Baden-Württemberg hinter Nordrhein-Westfalen ebenfalls auf Platz zwei. Gemeinsam mit Bayern vereinen die »drei Großen« etwa die Hälfte aller FuE-Beschäftigten der deutschen Hochschulforschung. Bezogen auf die Zahl der Professuren (in Vollzeitäquivalenten) waren unter den deutschen Bundesländern die FuE-Ausgaben der Hochschulen 2005 in Baden-Württemberg am höchsten. Je Professur wurden hier zu Lande knapp 522 000 Euro für FuE ausgegeben – der bundesweite Durchschnitt lag bei knapp 438 000 Euro je Professur.

Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg