Sign In

Welcome, Login to your account.

Franchising | Do, 14.06.2012 08:59

Franchising als Alternative für Existenzgründungen

Von: Ronald Lehnert

Franchising ist vor allem bei Existenzgründern beliebt. Dies ist nicht nur eine subjektive Feststellung. In meinen Beratungsterminen mache ich seit Jahren die Beobachtung, dass sich viele meiner Kunden für Gründungen in diesem Thema interessieren.


Wenn man sich die Zahlen der verschiedenen mit Franchising befassten Verbände und Fach-Portale ansieht, so zeigt sich die Wahrnehmung ähnlich: Es gibt in Deutschland knapp 1.000 verschiedener Systeme unterschiedlichster Art. Der Franchise-Monitor (www.franchisemonitor.de) spricht dabei für 2011 von einer Zahl von mehr als 143.000 Betrieben. Wenn man bedenkt, dass die durchschnittlichen Umsatzzahlen der Systeme über Jahre stabil sind, bzw. leicht steigen, kann man von einer guten Perspektive für potenzielle Franchise-Partner reden.

Das Wissen darüber, wie Franchising funktioniert und was die entscheidenden Faktoren für den Erfolg sind, ist aber gerade bei Existenzgründern noch nicht sehr ausgeprägt. Daher möchte ich in diesem Beitrag einige aus meiner Sicht wichtige Aspekte anreißen.

Franchising ist zu allererst eine auf Partnerschaft basierende Vertriebsform.

Der Franchise-Nehmer leistet am Anfang der Geschäftsbeziehung eine Eintrittsgebühr, sowie in der Folge monatliche Systemgebühren an den Franchise-Geber. Er bekommt als Gegenleistung das Nutzungsrecht für dieses Franchise-Konzept und setzt dieses innerhalb der vorgegebenen Rahmenbedingungen an seinem Ort um.

Als Franchise-Nehmer agiert man im rechtlichen Sinne vollkommen selbstständig und gilt damit als eigenständiger Unternehmer. Daraus lassen sich einige Vor- bzw. Nachteile ableiten:

Ein sehr wichtiger Aspekt ist, dass ein komplexer Vertrag geschlossen wird. Als potenzieller Vetragspartner sollte man sich im Vorfeld sehr intensiv mit den für sich ergebenden persönlichen und rechtlichen Folgen auseinander setzen.

Ein abgeschlossener Franchise-Vertrag beinhaltet die Verpflichtung zur Tilgung größerer Zahlungen. Sich im Nachhinein über die Modalitäten zu streiten, bringt meist nur zusätzliche finanzielle Risiken. Wenn man dann feststellt, dass Franchising doch nicht das richtige Konzept ist, liegt das Kind meist schon im Brunnen.

Welche Vorteile bringt Franchise nun konkret?

Als erstes muss man sich um den Aufbau eines tragfähigen Konzeptes nur wenige Gedanken machen. Gute Franchise-Konzepte gelten als erprobt und versprechen ausreichende bis gute Geschäftsaussichten. Man kann sich sofort auf das Kerngeschäft konzentrieren und wird von den Spezialisten des Lizenz-Gebers in allen Belangen geschult. Wenn man es in einer Analogie beschreiben möchte, so kann man sagen, dass Franchising etwas mit einem schlüsselfertigen Bauen gemein hat.

Darin liegt aber auch einer der Nachteile dieses Systems. Wer die Freiheit benötigt, sein Geschäftsmodell an die eigenen Vorstellungen anzupassen, wird mit Franchising nicht unbedingt glücklich werden. Die Vorgaben, welche gemacht werden, sind doch sehr starr. Das betrifft Aspekte der Art der Produktpräsentation, des Aufbaus und Aussehens des Ladengeschäftes, des eigenen Auftretens dem Kunden gegenüber usw. Der Franchise-Geber erwartet zu recht eine eingehaltene und gelebte „corporate identity“.

Woran erkennt man bei der Vielzahl der am Markt angepriesenen Systeme, welches Konzept für die eigenen Möglichkeiten und Vorstellungen geeignet ist und von welchem man die Finger lassen sollte?

Auf jeden Fall muss man sich im Vorfeld sehr viel Zeit für die Recherche nehmen. Existenzgründer bzw. noch unerfahrene Unternehmer sollten vorsichtig agieren, wenn ihnen Pilot-Projekte oder Konzepte mit bisher sehr wenigen gewonnenen Franchise-Nehmern und nur wenigen Referenzen seitens Kunden oder Lieferanten angeboten werden. Das soll nicht heißen, dass diese Systeme qualitativ oder konzeptionell schlecht sind. Das Risiko, dass das Konzept nicht ausreichend tragfähig ist, ist in diesen Fällen aber um einiges höher.

Auch wenn mit Garantien bezüglich der Erfolgsaussichten geworben wird, ist Vorsicht geboten. Niemand kann so etwas zusagen.

Eine wichtige Rolle nimmt in dem Zusammenhang das Franchise-Handbuch ein. Man sollte darauf achten, dass man es ausgehändigt bekommt, bzw. es gerade in der Vorab-Phase, zu jeder Zeit einsehen kann. Darin findet man alle Informationen zu dem Konzept, beginnend bei der marketingseitigen Beschreibung über die Standort- und Kundenanalysen bis zur kompletten Darstellung der Business-Administration, also wie das Geschäft zu führen ist. Anhand dieses Handbuches bzw. dieser Dokumentation sollte man sich eine Meinung bilden können, ob das Konzept den eigenen Vorstellungen entspricht und ob man es im Sinne der Vorgaben umsetzen kann.

Meine Empfehlung an alle, die am Thema Franchising interessiert sind, kann somit nur folgendermaßen lauten: es gibt eine Reihe von unabhängigen und spezialisierten Beratern, die gemeinsam mit den Interessenten analysieren, ob Gründer und Franchising zusammenpassen, bzw. welches Themen-Gebiet und welches System das Richtige für den Unternehmer ist. Gute Berater werden meist von anderen Unternehmern empfohlen, die auf diese Art das richtige System gefunden haben.

Zum Autor: Ronald Lehnert ist Unternehmens- und Existenzgründungsberater sowie Existenzgründercoach für alle Fragen zu Existenzgründung, Existenzsicherung, Fördermittel und Existenzgründercoachings für kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Weitere Informationen sind unter www.unternehmensberatung-lehnert.de abrufbar.