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Vermischtes | Mo, 10.12.2012 08:44

Frauen bei Gehaltsverhandlungen zurückhaltender als Männer

Frauen scheinen sich bei Gehaltsverhandlungen anders als Männer zu verhalten. Auch setzen sie andere Prioritäten bei Themen wie Arbeitszeiten und Vereinbarkeit von Beruf und Familie. In einer Studie gingen die beiden Wissenschaftlerinnen Brigitte Burkhart und Dr. Kirsten Wüst von der Hochschule Pforzheim diesen oft geäußerten Vermutungen auf den Grund. Die Studie ist in der Zeitschrift GENDER, Ausgabe 03/12, veröffentlicht.


Grundlage der Analyse sind simulierte Gehaltsverhandlungen, an denen knapp 700 Studierende verschiedener Hochschulen teilnahmen. Der Fokus lag auf dem Verhandlungsverhalten der Studierenden, die kurz vor dem Studienabschluss standen. Das Ergebnis: Frauen verhandeln tatsächlich anders als Männer. Sie haben niedrigere Gehaltsvorstellung als die männlichen Bewerber. Im eigentlichen Vorstellungsgespräch bleiben sie dann häufig noch unter ihrer eigenen Gehaltsforderung.

Pokern Männer besser als Frauen? Zwei Drittel der Studentinnen akzeptierten das niedrigere Gehaltsangebot im Vorstellungsgespräch gleich beim ersten Unternehmen. Sie nahmen die Stelle direkt an. Bei den männlichen Teilnehmern war dazu nur ein Drittel bereit. Die Studenten setzten tendenziell eher auf Risiko. Sie lehnten schneller ein Stellenangebot mit zu niedrigem Gehalt ab und hofften auf ein Unternehmen, das ihrer Gehaltsforderung mehr entspricht.

„Männer sind tendenziell risikofreudiger“, so die Professorin für Quantitative Methoden, Kirsten Wüst, und die Diplom-Psychologin, Brigitte Burkart. Mit der neuen Genderstudie wiesen die beiden Wissenschaftlerinnen die „Poker-Mentalität“ der männlichen Bewerber nach. „Frauen vermeiden solche Verhandlungssituation bewusst“, so das Fazit der Wissenschaftlerinnen.

Klare Unterschiede zeigten Burkart und Wüst bei den Wünschen an das Berufsumfeld auf. Frauen setzten bei ihren nicht monetären Wünschen eindeutig andere Präferenzen. Künftigen Kindern räumen beide Geschlechter die gleiche Bedeutung ein. Frauen legen aber wesentlich mehr Wert auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Für flexible Arbeitszeiten, Teilzeitangebote und Kinderbetreuungsmöglichkeiten verzichten sie daher eher auf Geld als Männer.

Die Autorinnen empfehlen weiblichen Berufseinsteigern eine gute Vorbereitung auf künftige Gehaltsverhandlungen. „Dabei geht es nicht darum, männliche Verhaltensmuster zu kopieren, sondern die eigenen Strategien umzusetzen“, so die beiden Pforzheimer Wissenschaftlerinnen. Die Strategie von Burkhart und Wüst: „Informationen über marktübliche Gehälter, sich der eigenen Stärken und Kompetenzen bewusst werden und ein angemessenes Selbstvertrauen entwickeln.“

(Redaktion)