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Wirtschaft | Di, 11.05.2010 09:44

Freizeitbranche kommt glimpflich durchs Krisenjahr

Die Tourismus- und Freizeitbranche in Baden-Württemberg ist relativ unbeschadet durch die Wirtschaftskrise gekommen. Dies ergab die Umfrage der Industrie- und Handelskammern im Rahmen des jährlich erhobenen IHK-Freizeitbarometers. Danach zeigte sich die Branche mit einem landesweiten Minus von lediglich 3,5 Prozent im vergangenen Jahr stabil.


„Im Vergleich zu anderen Branchen hatte die Tourismus- und Freizeitbranche im Land nur geringe Übernachtungs- und Besucherrückgänge. Einbrüche bei Geschäfts- und Gruppenreisen konnten durch Angebote für Familien, Kurzurlauber und Tagestouristen zumeist aufgefangen werden.“, erläutert dazu Bernd Bechtold, Präsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertages (BWIHK). Er geht davon aus, dass das Jahr 2010 wieder einen Aufschwung bringen wird.

Im Februar und März 2010 befragten die zwölf Industrie- und Handelskammern in Baden-Württemberg im Rahmen des IHK-Freizeitbarometers bereits zum zehnten Mal fast 500 Einrichtungen der Freizeitbranche im Land. Dabei zeigte sich die Branche mit einem landesweiten Minus von lediglich 3,5 Prozent im vergangenen Jahr stabil. Trotz leichten Besucherrückgängen auf insgesamt knapp unter 39 Millionen Gästen kam die Freizeitbranche damit glimpflich durch das krisengeschüttelte Jahr 2009. Die Erhebung der Industrie- und Handelskammern bei den Freizeiteinrichtungen des Landes bestätigt damit den Trend bei den Übernachtungszahlen.

Vor allem bei den Urlaubsdestinationen haben sich die Prognosen der Freizeitforscher bewahrheitet: Demnach genießen Urlaub und Freizeit bei den Deutschen nach wie vor absolute Priorität. 2009 legten jedoch besonders viele Reisende ihren Fokus auf Urlaub im eigenen Land, wobei Familienferien in Baden-Württemberg besonders beliebt waren. Profitiert haben hiervon neben den befragten Freizeitattraktionen vor allem Anbieter von Ferienwohnungen und Campingplätzen. Weiter können neue Produkte und Themen aus den Bereichen Shoppingtourismus und Kultur Kurzurlauber vermehrt in die Städte und Regionen locken.

„Besonderer Vorteil der Freizeitbranche und der Tourismusunternehmen ist, dass diese mit ihren vielfältigen Angeboten schneller und flexibler als viele andere Branchen auf Veränderungen der Nachfrage reagieren können, um so neue Zielgruppen anzusprechen. Das macht die Branche als Ganzes weniger krisenanfällig“, konstatiert Bernd Bechtold.

Vom Trend zum „Urlaub in der Heimat“ profitierten in 2009 vor allem die Freizeiteinrichtungen am Bodensee. Hier gab es im Vergleich zum Vorjahr trotz der tiefsten Rezession in der Gesamtkonjunktur Baden-Württembergs sogar ein Besucherplus von fünf Prozent. Besonders in den Ferienmonaten Juni bis September boomte es am Bodensee bei Urlaubern und Tagestouristen. Spezielle Saison verlängernde Angebote für neue Zielgruppen im Frühjahr und Herbst wurden dabei vor allem von den Museen und Thermen am Schwäbischen Meer geschaffen. Leichte Besucherrückgänge gab es in den Südwest-Städten sowie den Mittelgebirgen.

Im vorigen Jahr waren Natur- und Outdoor-Aktivitäten sowie kulturelle Angebote besonders beliebt. Hier gehören Botanische Gärten (+ 9,8 Prozent), Ausflugsschiffe (+ 7 Prozent), die Freizeitparks (+ 6,5 Prozent), Höhlen (+ 6,5 Prozent) und Freilichtmuseen (+ 5 Prozent) zu den Gewinnern. Sie profitierten nach eigener Einschätzung neben dem Trend zu Ferien im eigenen Land ebenso von eigens eingeführten speziellen Angeboten für Familien und Kinder.

Rückgänge gab es dagegen bei Besucherbergwerken (- 8,6 Prozent) sowie Wildparks und Zoos (- 8,5 Prozent). Nach einem sehr guten Vorjahr hatten die Museen im vergangenen Jahr auch bedingt durch die knappen Haushaltkassen der Kommunen ein Minus von 4,4 Prozent. Der Wintersport hatte trotz einer guten Saison zweistellige Besucherrückgänge zu verzeichnen, was auf den Vergleich mit dem Rekordwinter 2008/9 zurückzuführen ist. Im Jahr 2008 war der Bereich Wintersport mit 64 Prozent Zuwachs der absolute Besuchermagnet.

Prognosen für die bald beginnende Sommer- und Feriensaison werden von den Befragten aufgrund der Erfahrungen im vergangenen, wirtschaftlich schwierigeren Jahr nur zaghaft geäußert. Dabei hellt sich die Stimmung wieder etwas auf: Immerhin 28 Prozent der Befragten erwarten ein besseres Geschäftsjahr. Lediglich noch knapp über 10 Prozent erwarten Umsatzrückgänge. Noch positiver blicken die Freizeiteinrichtungen in der Region Bodensee-Oberschwaben und auf der Schwäbischen Alb in die kommende Saison: Hier glauben 35 Prozent, dass sie mit guten Angeboten und Aktionen punkten können und dass der Trend zum Urlaub im eigenen Land anhält. Preiserhöhungen soll es in 2010 nur bei knapp 16 Prozent der Freizeiteinrichtungen geben, nachdem ein Viertel der befragten Betriebe die Preise 2009 erhöht hatte. 75 Prozent wollen die Preise halten, wobei einige Betriebe eventuelle Kosteneinsparungen sogar an die Besucher weiter gegeben möchten.

Neu ist, dass zum ersten Mal in den zurückliegenden Jahren die Investitionsneigung der Freizeiteinrichtungen deutlich zurückgeht. Mit fast 17 Prozent werden bei doppelt so vielen der Befragten die Investitionen im Vergleich zum Vorjahr abnehmen. „Dies hat zwei Gründe: Viele Freizeiteinrichtungen sind in kommunaler Trägerschaft, bei der die Mittel aufgrund der Krise knapper geworden sind. Zum anderen haben die Unternehmen und Kommunen auch mit Hilfe der Förderprogramme des Landes bereits viel in die Tourismusinfrastruktur investiert“, erläutert Präsident Bechtold den Sachverhalt.

(Redaktion/ IHK BW)