Sign In

Welcome, Login to your account.

Marketing & Personal, KMU & Freiberufler | Do, 08.09.2011 14:43

Führungs-Stil: Manche Chefs mögen es familiär – und denken nicht zu Ende

Von: Claus von Kutzschenbach

Was denken sich eigentlich mittelständische Unternehmer, wenn sie ihren Mitarbeitern gegenüber gern verkünden: „Wir sind eine Familie“? Auf jeden Fall denken sie nicht zu Ende. Denn in (fast) jeder Familie gibt es Zoff unter den Geschwistern, und wenn die Kinder groß sind, gehen sie aus dem Haus. Eigentlich kein gutes Bild für ein Unternehmen oder eine Organisation.


Und es bedeutet auch, dass sich die Chefs in der Rolle des Herrn Papa sehen, der den (unmündigen?) Mitarbeitern bei allen Schwierigkeiten des Lebens verständnisvoll und nachsichtig zur Seite steht. –  Das bedeutet aber auch: Keine Entwicklung, die der Chef nicht rafft – also immer unterhalb seines intellektuellen Horizonts. Und was, wenn die Mitarbeiter dann doch einmal mündig und erwachsen handeln?

Nun ja, patriarchalische Unternehmer verstehen ihre Unternehmens-„Familie“ bestimmt ganz anders als oben beschrieben. Und ein patriarchalischer Familien-Unternehmer muss – allen Vorurteilen zum Trotz – kein schlechter sein. Zumindest in überschaubaren regionalen und technischen Grenzen. Global und bei internationalem Zuschnitt wird es schon schwieriger für Patriarchen.

Umso mehr wundert es, dass auch junge Manager in großen Unternehmen ihren Bereich wie eine „Familie“ sehen wollen. Völlig daneben: Welch romantisch-nostalgisches Selbstbild treibt die nur?

Das andere Extrem sind dann Start-Ups mit gerade mal zwei oder drei Dutzend Mitarbeitern (die Hälfte davon Freelancer), deren Chefs sich gern ein CEO auf die Visitenkarte drucken lassen. Heilige Hochstapelei ...

Cool bleiben: Gute Unternehmen entwickeln sich heute dann gesund und vital weiter, wenn sich die Inhaber und ihre Führungskräfte vor allem als Moderatoren eines Prozesses begreifen. Was nicht ausschließt, dass sie, wenn es notwendig wird, auch einmal Klartext sprechen und ihre Ziele durchsetzen. Denn – das ist klar – die letzte Verantwortung tragen sie.

Zum Autor: Claus von Kutzschenbach ist Managementberater und -Trainer in Wiesbaden und Autor des Buchs „Frauen – Männer – Management“ (Rosenberger Fachverlag, 3. Auflage jetzt erschienen). 2010 wurde er Präsident des BDVT e.V. – Der Berufsverband für Trainer, Berater und Coaches. Mehr zum Autor und kostenfreie „Tipps aus der Managementpraxis“ unter www.cvk-consulting.de.