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Wirtschaft | Di, 12.06.2012 08:04

Führungskräftemangel: Stellenangebote von IT-Unternehmen sprechen Frauen nicht an

Schon heute fehlen fast 300.000 Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschaftler und Techniker - Tendenz steigend. Insbesondere Frauen machen um die so genannten MINT-Berufe und die entsprechenden Branchen noch immer einen großen Bogen. Eine Folge: In der IT-Branche ist nur etwa jede fünfte Führungskraft auf der ersten und zweiten Ebene weiblich. Allein mit dem Versuch, verstärkt junge Mädchen und Frauen für technische Schul- und Studienfächer zu begeistern, wird dieser Zustand nicht zu ändern sein. Zusätzlich braucht die IT-Industrie einen radikalen Imagewechsel. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Marktanalyse der Personalberatung Rochus Mummert.


"Die meisten Führungspositionen in der IT-Branche haben - zumindest auf dem Papier - immer noch einen männlichen, sprich sehr technischen Zuschnitt", sagt Eun-Sun Oh, Personalberaterin bei Rochus Mummert. "Wer sich also heute für eine Management-Karriere im IT-Bereich interessiert, trifft in der Selbstdarstellung und damit auch den Stellenangeboten der Unternehmen auf ein Bild, das dem Klischee vom Technik-Nerd noch immer ziemlich nahe kommt. Das schreckt gerade junge Frauen von einer Bewerbung bei einem solchen Unternehmen eher ab."

Dabei trifft dieses Profil auch auf viele männliche Topmanager im IT-Bereich längst nicht mehr zu. "Hinzu kommt, dass im Management vieler High-Tech-Unternehmen schon jetzt nicht nur gelernte Programmierer und Entwickler sitzen, sondern auch Wirtschaftswissenschaftler, Juristen und zusätzlich ein paar echte Exoten", weiß Personalberaterin Oh aus der täglichen Praxis. "Auch der Manageralltag in einem IT-Unternehmen ist eben überwiegend durch Kommunikation und Koordination geprägt und nicht durch technisches Detailwissen."

Führungskräfte - übrigens nicht nur in der IT-Branche - sind heute also vor allem Projekt- und Prozessmanager. "Gerade in diesen Funktionen können Frauen ihre hervorragenden kommunikativen und organisatorischen Fähigkeiten besonders gut einbringen", so Rochus-Mummert-Expertin Oh. "Doch statt beim Werben um den weiblichen Führungsnachwuchs gezielt diese Facetten des Stellenprofils in den Vordergrund stellen, wird vor allem technische Kompetenz demonstriert", kritisiert Personalberaterin Oh. "Natürlich ist es toll, wenn mehr Frauen für technische Berufe und Branchen begeistert werden können. Eine Umerziehung zum Technik-Nerd hilft aber weder den Frauen noch den Unternehmen", lautet ihr Fazit.

(Redaktion)