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KMU & Freiberufler | Do, 19.05.2011 10:50

Führungstipps für Frauen: Männer brauchen ihre Hackordnung – Frauen nicht

Von: Claus von Kutzschenbach

Frauen nervt das ewige Platzhirschgebaren der Männer in Meetings. Sie fühlen sich dadurch oft zurückgedrängt. Doch frau kann auf die elegante Art im Meeting punkten, ohne sich zu verbiegen. Dabei kommt es auf den richtigen Zeitpunkt und die richtige Taktik an.


Frauen verstehen das kaum: Männer bekriegen sich im Meeting (und im Sport) heftig und nachher gehen sie zusammen ein Bier trinken. Auch dann, wenn vorher manche Attacke eher jenseits einer fairen und sachlichen Auseinandersetzung abgelaufen ist. Unbegreiflich.

Männerrituale: Männer suchen im Hackordnungs-Gerangel die für ihr Funktionieren im Team notwendige Rangordnung – und die geht oft bis zur siebten (!) Stelle. Appelle für gutes Benehmen oder erzieherische Maßnahmen helfen da nur, wenn sie direkt vom Chef kommen. Frauen brauchen diese filigrane Hierarchiestruktur nicht, um sich einzubringen. Warum jedoch so ein Meeting-Verhalten aus Männersicht ganz natürlich ist und vielleicht sogar sein muss (!) habe ich an anderer Stelle ausführlich beschrieben (siehe unten, Buchtipp: „Frauen – Männer – Management). Übrigens, das haben Tests in Führungsseminaren bewiesen: Chefinnen setzen sich gegenüber einer Männerhorde besser und leichter (!) durch als ihre männlichen Kollegen.

Tipps für Frauen im Meeting:

Frauen sind keine Platzhirsche – sie brauchen sich deshalb (!) in solchen Meeting-Phasen nicht einmischen: Die Aktualisierung der Männer-Hackordnung ist eine Sache der (Testosteron-gesteuerten) Männer unter sich und dauert bei guter Meeting-Moderation nicht lang.

Tipp: Warten Sie das Hackordnungsgerangel der Männer ab, beteiligen Sie sich als Frau daran nicht (auch, wenn es Sie juckt, jetzt für mehr Sachlichkeit zu sorgen), sondern bringen Sie sich unverbraucht dann ein, wenn Ordnung und zunehmend sachliche und zielführende Vorschläge in die Diskussion kommen.

Vorschläge werden gnadenlos verworfen: Besonders junge Frauen schmerzt es oft, dass ihre guten und durchdachten Beiträge von (älteren) Kollegen im Meeting verworfen werden. Sie fühlen sich dann als Frau angegriffen. Kann sein. Allerdings geht es jungen Männern, die erst am Anfang ihrer Karriere stehen, mindestens genauso.

Merke: Ein Management-Meeting ist kein akademisches Kolloquium, oder eine pädagogische Einrichtung, wo jeder Beitrag willkommen, gleich respektiert und behandelt wird. Im Management-Meeting geht es darum, wer Verantwortung für Menschen und Kapital übernimmt. Und das traut man (und frau) eben nun mal älteren und erfahreneren Kolleg/innen mehr zu – oder denen, die in einer höheren Hierarchiestufe genau dafür eingesetzt und bezahlt werden.

Tipp: Untermauern Sie Ihren Vorschlag mit Ihrer Experten-Verantwortung. Sagen Sie nicht „aus meiner Sicht ...“, sondern: „Aus meinem Wissen über ...“ – das fordert den anderen, die nicht Ihr Spezialwissen haben, ein Mindestmaß an Respekt ab. Und Männer schätzen Expertenwissen.

Meetings sind die Bühne für Selbstdarsteller. Ja. Ob das nun der im Business höchst sachlich und rational orientierten Frau gefällt oder nicht, nirgends anders haben Führungskräfte eine bessere Chance, vor dem eigenen Chef und Kollegen zu zeigen, was sie alles drauf haben.

Tipp: Lassen Sie sich von Selbstdarstellern weder provozieren, noch ärgern. Was am Ende zählt, ist der schließlich von allen akzeptierte Beitrag und jene Teilnehmenden, die dann in aller Ruhe Verantwortung übernehmen und sagen: „Ich mache das.“ Da nämlich kneifen viele Selbstdarsteller.

Zum Autor: Claus von Kutzschenbach ist Managementberater und -Trainer in Wiesbaden und Autor des Buchs „Frauen – Männer – Management“ (Rosenberger Fachverlag, 3. Auflage jetzt erschienen, Info: www.rosenberger-fachverlag.de/a.php?IDx=48). 2010 wurde er Präsident des BDVT e.V. – Der Berufsverband für Trainer, Berater und Coaches. Mehr zum Autor und kostenfreie „Tipps aus der Managementpraxis“ unter www.cvk-consulting.de.