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KMU & Freiberufler | Do, 05.05.2011 13:07

Führungstipps für Frauen: Peinliche Pause im Gespräch bewusst setzen und Wirkung erzeugen

Von: Claus von Kutzschenbach

Frauen (und Männer) reden in schwierigen Situationen schnell und viel. Doch nach 15 Sekunden geht der Gesprächspartner auf Standby. Erst mit dem Mut zu einer peinlichen Pause gewinnen Aussagen die gewünschte Wirkung.


Video-Aufzeichnungen im Führungstraining belegen es: In angespannten Situationen schaltet ein Gesprächsteilnehmer innerlich ab, wenn der andere länger als 15 Sekunden auf ihn einredet. Er geht auf Standby, hört einfach nicht mehr zu und nutzt die Zeit, an der eigenen Argumentation zu feilen. Machen Sie da gern mal einen Selbsttest in der Praxis.

Trainings-Videos zeigen auch das: Vor allem Frauen (aber auch Männer) reden in angespannten Situationen viel zu viel und zu schnell. Vermutlich, um einen schwierigen Auftritt rasch und ohne bleibende Wirkung zu beenden. Aber bleibende Wirkung sollte Ihr Auftritt schon haben. Sonst wäre ja ganze Stress umsonst. Nachher, beim Ansehen des Videos wird deutlich: „Da hätte ich jetzt einfach mal eine Pause machen müssen...“, seufzt eine Teilnehmerin. Ja.

Diese Pause nenne ich „peinliche Pause“. Peinlich deshalb, weil es peinlich werden kann, wenn plötzlich ein paar wichtige Worte drohend im Raum schweben. Wie wichtig Pausen und ein strukturiert geführter Dialog sind, habe ich schon bei „Schwieriges Mitarbeitergespräch“ angedeutet. Und ein Dialog kommt nur zustande, wenn Sie mit einer peinlichen Pause den anderen geradezu zwingen, seinen Standby-Modus aufzugeben und seinerseits sprachlich aktiv zu werden. Etwa nach Fragen:

 „Wie kommen Sie auf diese Idee?“

„Haben Sie mich verstanden?“

„Ist Ihnen bewusst, welche Konsequenzen das haben kann?“

... aber auch nach klaren Feststellungen

„Ich sehe das nicht so.“

„Da kann ich Ihnen nicht folgen.“

„Mit dieser Erklärung bin ich nicht zufrieden“.

Wenn Sie das lesen, denken Sie vielleicht, „ist doch klar – klingt hart, aber zwingt doch förmlich zur Pause“. Tatsächlich aber erlebe ich es oft so:

„Wie kommen Sie denn auf diese Idee: Ich habe angenommen, Sie ...“

„Haben Sie mich verstanden? Denn ...“

Das heißt: Oft lassen wir im Stress dem anderen gar keine Chance, zu antworten. Wir betrachten unsere Frage eher rhetorisch, um dann sofort wieder eigene Argumente nachzuschieben. Vielleicht aus Angst, der andere könnte tatsächlich eine unerwünschte, peinliche(?) Antwort geben. Eine Antwort, mit der dann wirklich die Harmonie gestört und Konsequenzen angesagt sind.

(Peinliche) Pausen und langsames Sprechen sind aber auch dann angesagt, wenn Sie

sich vorstellen

eine Ansprache halten oder präsentieren,

argumentieren.

Achten Sie einmal selbst darauf: Sie sind voller Wissen, voller Ideen und voll Eifer, Ihre Botschaft an den Mann oder an die Frau zu bringen. Sie sind angeregt, wollen sich einbringen, wollen andere überzeugen. Da sprudeln die Worte nur so aus Ihnen heraus, begleitet von schnell wechselnder Mimik und vielen unterstreichenden Gesten.

Sprechen Sie mit Absätzen! Langsam! Bitte beachten Sie, dass Sie als Frau kommunikativ und sprachlich Männern grundsätzlich überlegen sind. Das hat, wenn auch Männer ihnen zuhören sollen, Konsequenzen.

Erstens: Männer können schnellen Texten nicht so gut folgen.

Zweitens: Frauen sprechen auch, um einfach Harmonie zu demonstrieren, Männer brauchen dagegen klare Informationen und Gebrauchsanweisungen.

Drittens: Je mehr Leute Ihnen zuhören, desto langsamer sollten Sie sprechen.

Und Pausen einbauen! Pausen einbauen nach den Aussagen, die Ihnen besonders wichtig sind. Denn nur dann haben Ihre Zuhörer (weiblich wie männlich) die Chance, das Gehörte auch zu verarbeiten. Nur so wirkt Ihre Aussage. Und das, denke ich, wollen Sie ja.

Vielleicht hilft dieser Tipp: Stellen Sie sich vor, während Sie sprechen, schreibt jemand mit. Hätte der Schreiber die Chance, hin und wieder einen kleinen Ansatz einzubauen? Wenn ja, haben Sie gewonnen. Wenn nein ... Nun, einen Text ohne Absätze liest auch niemand...

Zum Autor: Claus von Kutzschenbach ist Managementberater und -Trainer in Wiesbaden und Autor des Buchs „Frauen – Männer – Management“ (Rosenberger Fachverlag, 3. Auflage jetzt erschienen). 2010 wurde er Präsident des BDVT e.V. – Der Berufsverband für Trainer, Berater und Coaches. Mehr zum Autor und kostenfreie „Tipps aus der Managementpraxis“ unter www.cvk-consulting.de