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| Fr, 08.08.2008 11:29

Für freie Sicht auf die Spiele

Olympia in Peking: KIT-Wissenschaftler untersuchen Aerosolbelastung

Wie dick die Luft in Peking während der Olympischen Spiele ist, ermitteln Wissenschaftler des KIT. (Foto: Stefan Norra)

Wie dick die Luft in Peking während der Olympischen Spiele ist, ermitteln Wissenschaftler des KIT. (Foto: Stefan Norra)


Während der Olympischen Spiele in Peking vom 8. bis 24. August will China die Emissionen aus Verkehr und Industrie drastisch reduzieren. Wissenschaftler am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) um den Geoökologen Dr. Stefan Norra unterstützen das Land: Tag für Tag analysieren sie exakt die Belastung mit Aerosolen.

Seit Mitte Juli nehmen Norra und sein Team vom Institut für Mineralogie und Geochemie an der Universität Karlsruhe täglich Proben von Partikeln in der Luft, um deren Masse und chemische Zusammensetzung zu untersuchen. Dabei arbeiten sie mit der China Research Academy of Environmental Sciences, der Forschungsabteilung des chinesischen Umweltministeriums, und der China University of Geosciences in Peking zusammen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Projekt.

Norra hält es für eine einmalige Möglichkeit, „in einer Megacity, wie es Peking mit rund 15 Millionen Einwohnern ist, den Erfolg der Maßnahmen zur Verringerung atmosphärischer Partikelbelastung zu untersuchen und den Anstieg der Verschmutzung nach den Spielen zu verfolgen.“ Für eine bessere Luft während der Spiele lässt die Regierung nur noch halb so viele Fahrzeuge in die Stadt, hat mit Kohle beheizte Restaurants mit Filtern ausgestattet und Teile der Produktion in der Schwerindustrie gestoppt.

In Peking ist die Zuversicht zurzeit groß, den chinesischen Grenzwert für Partikel, deren Durchmesser kleiner als zehn Mikrometer ist, während der Spiele einhalten zu können. Als gefährlicher gelten allerdings die Teilchen unter 2,5 Mikrometern, weil sie sich schwerer filtern lassen: In einem weiteren DFG-Projekt haben Messungen der KIT-Wissenschaftler seit 2005 ergeben, dass die Konzentrationen dieser Partikel im Sommer in Peking unter 80 Mikrogramm pro Kubikmeter fallen. Das sind zwar im Vergleich mit den anderen Jahreszeiten die niedrigsten Konzentrationen, sie liegen allerdings immer noch über dem Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter, der in Europa für Partikel mit einem Durchmesser unter zehn Mikrometern gilt, wenn auch unter dem in China vorgeschriebenen Maß von 150 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Bei der Untersuchung der Partikelbelastung arbeiten Norra und seine Kollegen auch mit der Abteilung Medizin-Meteorologie des Deutschen Wetterdienstes in Freiburg zusammen. „Sie hilft uns dabei, die Partikel nach Größe sowie in schwarze und transparente zu unterscheiden“, sagt Norra. Das liefere den Karlsruher Wissenschaftlern wertvolle Hinweise auf die Auswirkungen der Partikel auf die Gesundheit und ihre Herkunft.

Die Absenkung der Emissionen soll bis nach den Paralympischen Spielen, die am 20. September enden, andauern. Er sei gespannt, so Norra, „wie schnell die atmosphärische Partikelbelastung dann wieder ansteigen wird“. Um das herauszufinden, setzen er und seine Kollegen die Untersuchungen nach dem 20. September fort. Zudem stellen ihnen Forschungszentrum und Universität Mittel zur Verfügung, damit sie im kommenden Winter und Frühjahr Unterschiede in der Partikelbelastung in verschiedenen Höhen der Atmosphäre ermitteln können. An diesem Projekt sind neben den bisherigen Partnern auf chinesischer Seite auch die China Academy of Sciences sowie vom KIT das Institut für Regionalwissenschaften und die Abteilung für Atmosphärische Umweltforschung des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung beteiligt.

Im Karlsruher Institut für Technologie (KIT) schließen sich das Forschungszentrum Karlsruhe in der Helmholtz-Gemeinschaft und die Universität Karlsruhe zusammen. Damit wird eine Einrichtung international herausragender Forschung und Lehre in den Natur- und Ingenieurwissenschaften aufgebaut. Im KIT arbeiten insgesamt 8000 Beschäftigte mit einem jährlichen Budget von 700 Millionen Euro. Das KIT baut auf das Wissensdreieck Forschung – Lehre – Innovation.

Die Karlsruher Einrichtung ist ein führendes europäisches Energieforschungszentrum und spielt in den Nanowissenschaften eine weltweit sichtbare Rolle. KIT setzt neue Maßstäbe in der Lehre und Nachwuchsförderung und zieht Spitzenwissenschaftler aus aller Welt an. Zudem ist das KIT ein führender Innovationspartner für die Wirtschaft.

Quelle: Karlsruher Institut für Technologie (KIT)